Altersvorsorge gibts nicht gratis

Der Umbau bei Axa zeigt, dass die Reform der Altersvorsorge dringlicher denn je ist.

Bei der Altersvorsorge herrscht eine grundsätzliche politische Malaise: Eine Rentnerin recht Laub zusammen. Bild: Keystone

Bei der Altersvorsorge herrscht eine grundsätzliche politische Malaise: Eine Rentnerin recht Laub zusammen. Bild: Keystone

Edgar Schuler@Edgar_Schuler

Es rumpelt gehörig in der Schweizer Sozialpolitik. Der Lebensversicherer Axa verabschiedet sich aus dem Markt für Vollversicherungen in der Altersvorsorge. Axa war bisher der zweitgrösste private Anbieter dieser Leistungen. Das Geschäft gemäss dem Gesetz für die berufliche Vorsorge ist für den Versicherer nicht mehr gewinnträchtig genug. Als Trost bietet Axa den betroffenen kleinen und mittleren Firmen Sammelstiftungen an: Diese erlauben es, das Vorsorgegeld in rentablere Anlagen zu stecken. Allerdings müssen die Versicherten dafür mehr Risiken tragen.

Zwei politische Deutungen dieses Erdbebens machen jetzt die Runde. Für Anhänger marktwirtschaftlicher Lösungen in der Altersvorsorge zeigt der Axa-Rückzieher: Die Politik hat die Privaten in ein zu steifes Korsett gezwängt. Zu wenig Freiheiten bei der Anlage der Versichertengelder, übertriebene Erwartungen an risikofreie Renten für ein sorgenfreies Leben im Alter. Umgekehrt die Gewerkschaften. Für sie beweist der Entscheid, dass private Lebensversicherer in der gesetzlichen Altersvorsorge nur eines sind: systemfremde Maximierer des schnellen Gewinns. Sie kassieren auf Kosten der Versicherten überhöhte Gebühren. Und wenn in Tiefzinszeiten die Politik Gegensteuer gibt, suchen sie eben das Weite.

Altersvorsorge längst überarbeitungswürdig

Eines allerdings ist beiden Interpretationen gemeinsam: Sie deuten den Entscheid des Privatunternehmens Axa als Ausdruck eines grundsätzlichen ­politischen Malaises. So gesehen ist dieses Erdbeben nur eine zarte Erschütterung angesichts der Spannungen, die sich in der Plattentektonik der Sozialpolitik aufgebaut haben. Die drei Säulen der Altersvorsorge müssten für die neue Realität der rasant alternden Bevölkerung seit Jahren frisch aufgestellt werden. Aber alle Veränderungsversuche scheiterten an überzogenen Ansprüchen: Immer mehr Pensionierte sollen ­immer mehr Geld erhalten, ohne dass jemand dafür zahlt – ausser vielleicht Junge und der Staat.

Der Fall Axa macht deutlich: Die Reform der Altersvorsorge ist dringlicher denn je. Und sie wird nur gelingen, wenn alle Beteiligten endlich einsehen: Gratis ist sie nicht zu haben.

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