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Arthur Loosli ist gestorbenAls Doppelbegabter erfolgreich

Der Berner Konzertsänger und Künstler Arthur Loosli verstand sich als Seismograf innerer Welten.

Arthur Loosli im Jahr 1964 bei einem Liveauftritt mit Direktübertragung im Radiostudio Bern.
Arthur Loosli im Jahr 1964 bei einem Liveauftritt mit Direktübertragung im Radiostudio Bern.
Foto: zvg

Begegnungen mit Arthur Loosli waren auch neben der Bühne stets etwas Besonderes. Die Intensität und Überzeugungskraft, die seine Gestaltungskunst als Konzertsänger auszeichneten, prägten auch sein lebhaftes Erzählen, das aus dem Fundus eines überaus reichen Künstlerlebens schöpfte.

Aufgewachsen ist Arthur Loosli (der Bruder von Theo Loosli, dem Gründer und Leiter des Berner Bachchors, sowie Walter Loosli, dem Schweizer Plastiker, Glasmaler und Gestalter von Kirchenfenstern) im Berner Jura zusammen mit sechs Geschwistern. Der Vater war Lehrer, die Mutter eine Bauerntochter. Früh zeigte sich Arthur Looslis Doppelbegabung. Er war ein hervorragender Zeichner und liess sich nach dem Lehrerseminar an der Kunstgewerbeschule Bern ausbilden. Studienaufenthalte führten ihn nach Paris, Florenz, Venedig und Stockholm. Da war aber auch seine intensive Auseinandersetzung mit Gesang und Musik. Obwohl als Künstler bereits bekannt, entschloss er sich, an einem internationalen Gesangswettbewerb in Holland teilzunehmen. Ein schicksalhafter Entscheid. Der Berner gewann den 1. Preis.

Immer wieder im Fokus: Kathedralen. Zum Buch «Arthur Loosli zeichnet Kathedralen» (1967) schrieb der Schriftsteller Kurt Marti das Vorwort.
Immer wieder im Fokus: Kathedralen. Zum Buch «Arthur Loosli zeichnet Kathedralen» (1967) schrieb der Schriftsteller Kurt Marti das Vorwort.
Foto: zvg

Die Auszeichnung bedeutete für den Bassbariton den Durchbruch als Konzertsänger. Es folgten Auftritte im In- und Ausland. Ein Schwerpunkt seines Repertoires bildeten Messevertonungen, Oratorien und das Lied. In dieser intimen Kunstform konnte Loosli alle Facetten seiner Interpretationskunst zum Blühen bringen. Das belegt auch eine Rezension zum Liederabend mit Franz Schuberts «Winterreise» vom Februar 1961 im «Bund»: «Wie sehr die Wiedergabe aus ganz persönlicher Auseinandersetzung mit dem Werk erwachsen ist, liess sich besonders deutlich am ‹Lindenbaum› nachempfinden, dem keine Spur harmloser Gefühlsseligkeit anhaftete, der vielmehr – ohne jede dramatisierende Übertreibung – eine geheimnisvolle Neuheit des Ausdrucks erhielt, die man diesem allbekannten Lied kaum mehr zutraute.»

Witzig, tiefsinnig, absurd

Mit der gleichen Subtilität, mit der sich Arthur Loosli als Oratorien- und Liedersänger auszudrücken verstand, gestaltete er Federzeichnungen und Radierungen und Metamorphosen in der altmeisterlichen Kunst des Kupferstechens. Er habe schon früh das Verlangen gespürt, «so wie ein Seismograf unterirdische Regungen aufzeichnet, durch die kritzelnde Hand Zeichen und Bilder aus der seelischen Innenwelt ans Tageslicht zu fördern», sagte er einmal. Seine Radierungen sind kleine Meisterstücke, die durch Hintergründigkeit, Witz und Absurdität gefangen nehmen. So war Loosli auch als Illustrator gefragt. Der Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler zum Beispiel vertraute ihm die Illustration seiner «Tschipo»-Bücher an. Loosli war voller kreativer Fantasie, und obwohl die Auseinandersetzung mit Musik und Kunst oft mit Einsamkeit verbunden ist, blieb Loosli als Mensch stets kommunikativ. Der Vater zweier Söhne, der von 1953 bis zur Pensionierung einen Lehrauftrag für Zeichnen und Kunstgeschichte am Gymnasium Thun innehatte, stellte seine Werke regelmässig aus, gab Kunstbände heraus und engagierte sich als Sammler und Förderer, etwa des Meiringer Künstlers Hans Kohler (1939–2006). Bis 1996 lebte Arthur Loosli in Bern, danach in Steffisburg, wo er in den Morgenstunden des 5. Januar, sieben Wochen vor seinem 95. Geburtstag, friedlich eingeschlafen ist.

Aktiv bis ins hohe Alter: Arthur Loosli beim Kupferstechen (1999).
Aktiv bis ins hohe Alter: Arthur Loosli beim Kupferstechen (1999).
Foto: zvg
2 Kommentare
    Pfä

    In unserer Wohnung hängen seit Jahren drei Werke von Arthur Loosl (zwei Radierungen und eine Federzeichnung). Vor etwa drei, vier Tagen habe ich eine der Radierungen wieder einmal intensiv betrachtet und auf mich wirken lassen. Dabei habe ich mich beiläufig gefragt, ob Arthur Loosli noch lebt. Heute habe ich im Bund die Todesanzeige gelesen (?!?!?!?).