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Lustige Maskenspiele Alle unsere Corona-Krieger

Kann ein Mensch, als Faultier verkleidet, zum Symbol unserer Kampfbereitschaft in schwierigen Zeiten werden? Oder müssen wir uns doch an Irina Shayk halten?

Ein fauler Triumph? Unter dieser Tarnung verbirgt sich niemand anders als Tom Beck alias «Fauli» in der TV-Show «The Masked Singer»
Ein fauler Triumph? Unter dieser Tarnung verbirgt sich niemand anders als Tom Beck alias «Fauli» in der TV-Show «The Masked Singer»
Foto: Pro7

Kann ein Mensch, verkleidet als Faultier, zu einem Sinnbild unseres Kampfes gegen das Virus werden? Zweifel sind angebracht. Mehr davon später. Wir sind vorerst in New York. Als das Topmodel Irina Shayk kürzlich durch die Strassen von Manhattan flanierte, sah sie aus wie ein Corona-Warrior. Sie trug eine Jogginghose im Camouflage-Look von Moschino, ihre Füsse steckten in Combat Boots von Bottega Veneta. Eine Moncler-Daunenjacke zog sie gar nicht erst über die Schultern. Doch die Krönung ihres Looks markierte ein schlammgrünes Seidentuch, das sie im Banditen-Style als Mundschutz umgebunden hatte.
Wir applaudieren; das ist ein starker Mix aus solidarischem Covid-19-Schutz und trendigem Styling.

Bei uns fungierte – wir erinnern uns – SVP-Nationalrätin und Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher als eine Art Pendant zu Irina Shayk – wobei ihr im Bundeshaus zur Schau gestellter Corona-Warrior-Look mit einer hellblauen, leicht schnabelförmigen Atemschutzmaske eher von dezenter Zurückhaltung geprägt war und auch als Hommage an unseren Globe National verstanden werden kann. Abgestimmt auf die Kleidung war die Maske allerdings schon: auf ihren türkisfarbenen Blazer (Modehaus Gäggeler&Hugentobler), die schwarze Hose (VBS Frontline) und die dunklen Hochfrontpumps ( Parlando).

High Fashion hat die Atemschutzmasken übrigens schon längst entdeckt; sie sind etwa fester Bestandteil der Kollektionen von Marine Serre. Die Französin greift mit ihrer Mode immer wieder Dystopien auf und inszeniert ihre Models als Überlebende in der Endzeit. Die eleganten schwarzen Masken, die den Trägern entfernt das Aussehen eines Alien à la H.R. Giger verleihen, bezieht Serre von der schwedischen Marke Airinum. Visionär ist auch Walter Van Beirendonck, in dessen aktueller Herrenkollektion Sturmhauben prominente Auftritte haben. Eher pazifistisch grundiert ist dagegen der Bestseller des nachhaltigen Modelabels Armedangels: eine Maske mit dem Aufdruck «I warmly smile under this mask». Ob auch Tom Beck ein warmes Lachen unter seiner «Fauli»-Montur verströmte, wissen wir nicht. Tom Beck? Kennen Sie nicht? Der Schauspieler und Entertainer ist seit August 2018 mit der Schauspielerin Chryssanthi Kavazi verheiratet. Klingelt es immer noch nicht?Am 11. März 2011 stieg seine erste Single «Sexy» direkt auf Platz 50 der Singlecharts ein. Hoffentlich sind Sie jetzt im Bild.

«The Masked Singer» heisst die TV-Show zur Krise auf Arte (kleiner Scherz, wir wollten nur Ihre Aufmerksamkeit testen: Die Show stieg auf Prosieben), die Tom Beck am vergangenen Donnerstag als umjubelter Sieger verliess. Zehn Kandidatinnen und Kandidaten sangen, steppten und tanzten vor einer Jury, getarnt als Drache, Hase oder Dalmatiner. Wer seine Identität bis zum Schluss verbergen konnte, war der Gewinner. Unsere Stefanie Heinzmann verbarg sich unter dem Dalmatiner und musste bekanntlich schon in der ersten Runde die Segel streichen – sie sang einfach zu gut und schaffte es nicht, Spuren von Talent zu verwischen.

Die Botschaft des Formats: Wenn schon maskiert unterwegs, dann bitte schön auf lustvolle Weise. Wieso nicht gerade im Ganzkörper-Tierkostüm? Stellen Sie sich diesen Menschenzoo vor in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder in den Supermärkten! Ich wäre dann sehr gerne ein lebensgrosser Obi-Plüschbiber, so wie ältere Zeitgenossen ihn noch als Maskottchen aus den Heimspielen der Young Boys kennen (das ist ein Berner Fussballclub, der vor langer Zeit mal Schweizer Meister war). «Fauli» ist also der Sieger. Wir fragen uns allerdings, ob er er zum Furcht einflössenden, gnadenlosen Corona-Warrior taugt? Wir haben da, ehrlich gesagt, schwerste Bedenken. Stellen Sie sich vor, er trifft in den Strassen Manhattans auf die Mensch gewordene Gottesanbeterin Irina Shayk. Wer würde da wen auffressen?