Zum Hauptinhalt springen

Diamond-League-Meeting MonacoSpektakel pur an der Côte d’Azur – auch dank Ajla Del Ponte

Die Schweizerin siegt völlig überraschend beim Leichtathletik-Meeting in Monaco. Sie läuft die 100 m in 11,16 Sekunden.

Historischer Sieg: Ajla Del Ponte (M.) gewinnt über die 100 Meter.
Historischer Sieg: Ajla Del Ponte (M.) gewinnt über die 100 Meter.
Foto: Eric Gaillard (AP)

Rechts von ihr macht sich Marie-Josée Ta Lou bereit. Das ist nicht irgendwer, sondern die WM-Dritte über 100 m. Und was tut Ajla Del Ponte? Sie stellt die Spitzensprinterin aus der Elfenbeinküste in den Schatten. Selbst in der zweiten Hälfte des Rennens, auf welcher sie üblicherweise noch Luft nach oben hat, zieht die Tessinerin ihr Ding durch und siegt.

11,16 Sekunden – es ist zwar «nur» Del Pontes viertschnellste Zeit in dieser Saison. Aber es ist bei weitem ihr grösster Erfolg, den sie in Monaco feiert. Erstmals überhaupt tritt sie an einem Diamond-League-Meeting im Ausland an. Und schreibt dabei gleich ein schönes Kapitel Schweizer Leichtathletik-Geschichte. Sie ist nach Nicole Büchler (Stab/2017) und Lea Sprunger (400 m Hürden/2018) erst die dritte Schweizerin, die auf dieser Stufe reüssiert.

Cheptegei fliegt

Olympia verschoben, die EM abgesagt. Es gibt 2020 keine sportlichen Highlights? Von wegen! Was die Protagonisten beim ersten «richtigen» Diamond-League-Meeting in dieser Saison zeigen, ist schlicht und ergreifend Weltklasse. Und über allem steht an diesem Abend Joshua Cheptegei. Der Weltmeister über 10’000 m konnte wegen Corona in seinem Land Uganda wochenlang nicht geordnet trainieren. Seine Anreise nach Monaco wird zum veritablen Abenteuer. Dreieinhalb Tage ist er unterwegs, reist zuerst mit dem Bus von seiner Heimatstadt in die Hauptstadt Kampala, fliegt dann weiter über Nairobi und Istanbul nach Nizza. Und was tut der gute Mann danach? Er kündigt an, den Weltrekord über 5000 m laufen zu wollen. Diesen stellte Kenenisa Bekele vor 16 Jahren auf. An seine 12:37,35 kam seither niemand heran, auch nicht Cheptegei – nicht einmal annähernd.

Doch mit jeder Runde im Stadion wird der Rekord realistischer. Und auf den letzten Metern feuert ihn sogar der überrundete Julien Wanders an, der schliesslich in 13:49,85 Zehnter wird. Auch die 5000 maskierten Zuschauer hält es nicht mehr auf ihren Sitzen. Und tatsächlich: Cheptegei triumphiert in 12:35,36. «Ich war vorbereitet», wird er später sagen. «Doch als ich die Zeit sah, dachte ich nur: Oh mein Gott!»

Feiert seinen Weltrekord: Joshua Cheptegei
Feiert seinen Weltrekord: Joshua Cheptegei
Foto: Valery Hache (EPA)

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet über 5000 Meter zwei Feuerwerke gezündet werden. In jener Disziplin, die eigentlich aus dem Diamond-League-Kalender gestrichen wurde. Grund: Zu wenig Spektakel. Cheptegei und Hellen Obiri liefern den Gegenbeweis. Die Kenianerin stellt nach einem ebenfalls spektakulären Rennen in 14:22,12 einen Meeting-Rekord auf.

Hinzu kommen die Norweger Jakob Ingebrigtsen und Karsten Warholm. Ersterer läuft über 1500 Meter in 3:28,68 Europarekord, der Weltmeister über 400 m Hürden schliesslich deklassiert die Konkurrenz in starken 47,10 Sekunden.

Joseph enttäuschend

An Del Pontes Parforce-Leistung kommen die drei weiteren Schweizer Teilnehmer in Monaco nicht heran. Einzig Selina Büchel kann mit ihrer Leistung über 1000 m – sie stellt in 2:35,58 eine neue persönliche Bestzeit auf – zufrieden sein. Derweil bezahlen Jason Joseph und Salome Lang bei ihrem ersten Auftritt an einem Diamond-League-Meeting im Ausland Lehrgeld. Joseph vergibt das Rennen bereits am Start, er hat die mit Abstand schlechteste Reaktionszeit, touchiert danach zwei Hürden und wird in 13,84 – fünf Zehntel über seiner Bestleistung – Zweitletzter. Hochspringerin Lang reisst derweil dreimal bei 1,88 m. Aber die beiden können wenigstens von sich behaupten, an einem spektakulären, geschichtsträchtigen Wettkampf dabei gewesen zu sein.