Airbnb verspricht, sich zu bessern

Statt Konfrontation sucht Airbnb nun die Kooperation mit den Städten. Nicht alle sind überzeugt vom Umdenken.

Airbnb: Der Community-Marktplatz für weltweite Buchung und Vermietung von Unterkünften.<br>Foto: Keystone

Airbnb: Der Community-Marktplatz für weltweite Buchung und Vermietung von Unterkünften.
Foto: Keystone

Walter Niederberger@WaltNiederberg

Der Erfolg bei einer wichtigen Volks­abstimmung in San Francisco machte Airbnb überheblich. Ab sofort werde man in den übrigen Städten aggressiv gegen Pläne zur strikteren Regulierung der Zimmervermittlung vorgehen, drohte das Unternehmen. Eine Woche später klingt es etwas anders: Nun verspricht Airbnb, den Städten beim Einziehen von Steuern und Beschaffen von Vermieterdaten zu helfen. Etwas Skepsis bleibt. Der New Yorker Generalstaatsanwalt spricht von einer «durchsichtigen Masche», sich mit den Behörden zu versöhnen.

Die Ankündigung einer besseren Zusammenarbeit kommt kurz nach einer ins völlige Gegenteil zielenden Aktion. Vor einer Woche kündigte das Unternehmen noch an, in hundert US-Städten «Homesharing-Gemeinschaften» zu gründen. Diese Gruppen sollten dem Muster von San Francisco nachgebildet werden, wo Airbnb Anfang Monat die eingangs erwähnte Abstimmung gewonnen hatte. Mit 55 zu 45 Prozent der Stimmen lehnten die Bürger eine strikte Regulierung von Airbnb ab, nachdem das Unternehmen acht Millionen Dollar in eine Nein-Kampagne investiert und ein Netzwerk von Freiwilligen aufgezogen hatte. Dieses Netzwerk sowie eine harte, die Hotelindustrie verunglimpfende Plakataktion zeigten Wirkung. Insbesondere das Schüren von Angst vor Konflikten unter neidischen Nachbarn bewog viele Abstimmende zu einem Ja zu Airbnb. Dieses Erfolgsmuster wolle Airbnb nun im ganzen Land durchsetzen, gab Firmensprecher Chris Lehane zu verstehen. «Dies ist nun eine Bewegung. Jeden Tag wird es mehr Leute geben, die das Heim teilen wollen.» Jeder Versuch zur strikteren Regulierung sei deshalb zwecklos und werde mit der vollen Kraft von hundert Einsatzgruppen bekämpft.

Herausgabe von Daten

Die Drohung kam schlecht an, umso mehr, als die Abstimmung nicht so klar war, wie es schien. Die Bürger von San Francisco wählten zugleich einen Hauptkritiker von Airbnb zu einem der Supervisoren der Stadt, einer Art Regierungsstatthalter eines Stadtteils. Mit der Wahl von Aaron Peskin verschob sich das Stimmengewicht in diesem für die Hotelindustrie entscheidenden Gremium. Obwohl Airbnb die Abstimmung gewonnen hat, kann von einem definitiven Sieg nicht die Rede sein. Dies erklärt, warum das Unternehmen zurückkrebst. Nun heisst es, man habe «immer schon ein Partner der Städte» sein wollen. «Die Städte wollen das Richtige tun – und dazu brauchen sie von uns die nötigen Informationen.»

Konkret will Airbnb deshalb die Daten der Vermieter und der Kunden in anonymisierter Form an die Städte weitergeben. Dies soll Kontrollen darüber erlauben, ob die Vermieter die geschuldeten Abgaben zahlen. Solche Abgaben zieht Airbnb aber bei weitem nicht in allen Städten ein, weshalb dies ein Streitpunkt bleibt. Viele Städte sind besorgt, weil illegale Anbieter Reihenhäuser via Airbnb vermieten und damit die Hotellerie und die lokalen Mieterkontrollen gleichermassen unterminieren könnten. In Europa haben beispielsweise Berlin und Barcelona bereits strikte Airbnb-Regeln erlassen; Paris und Amsterdam verlangen Übernachtungsabgaben. In den USA steht das Airbnb-freundliche San Francisco dem kritischen New York gegenüber. Eric Schneiderman, Generalstaatsanwalt in New York, forderte schon früher die Herausgabe anonymisierter Kunden- und Vermieterdaten, bleibt aber nach der neuesten Ankündigung skeptisch. Die Pläne von Airbnb seien lediglich «eine durchsichtige Masche, sich als guter Bürger zu zeigen, ohne es zu sein». Airbnb habe alle Informationen und Werkzeuge zur Hand, um sich bereits heute voll regelkonform zu verhalten. Solange diese nicht gebraucht werden, so Schneiderman, «soll niemand die Ankündigung ernst nehmen».

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