Unberechenbares Götterdonnern

Das italienische Hardcore-Avantgarde-Duo Zeus! auf selbstironischem Höllenritt.

Die Spezialisten für Dekonstruktion und Verpackung von Zeus!

Die Spezialisten für Dekonstruktion und Verpackung von Zeus! Bild: zvg

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Keinen Geringeren als den Chef der griechischen Götterwelt höchstpersönlich haben sich Paolo Mongardi und Luca Cavina als Namensgeber für ihr Projekt ausgesucht, wobei der Name auch gleich das musikalische Programm der beiden Italiener auf den Punkt bringt: Die komplexen Hardcore-Kompositionen von Zeus! sind gewaltig, monumental und unberechenbar.

Der Göttervater des Olymp war zudem für seine List bekannt, die er speziell gerne dann einsetzte, wenn es eine Dame zu erobern galt, wofür er auch mal den Stier, Schwan, Kuckuck oder Hirten gab. Ähnlich listig verkleiden Zeus! ihre progressiven Avantgarde-Stücke. Was zunächst im klassischen Metal-, Hardcore- oder Punk-Pelz daherkommt, wird gnadenlos dekonstruiert, auf gerade treibende Riffs folgen vertrackte Rhythmen, Harmonien sind kurzlebig und werden von dissonanten Akkorden abgelöst. Dabei drischt Paolo Mongardi wie ein Berserker auf sein Schlagzeug und alle verfügbaren Cymbals ein, während Luca Cavina seinen Bass übersteuert und mit einer bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Stimme wütenden Schreigesang zuschiesst. Wuchtig, rau, durchtrieben und monströs ist der aberwitzige Avantgarde-Bastard von Zeus!, wobei pro Song ungefähr gleich viel Brüche und Tempi-Wechsel vollzogen werden, wie der olympische Göttervater Partnerinnen hatte.

Dekonstruktion, also das Zerlegen von Gängigem, ist bekanntlich der Avantgarde liebstes Steckenpferd und wird oftmals mit sehr viel Ernsthaftigkeit und elitärem Anspruch betrieben. Dass es auch anders geht, dafür ist Zeus! das beste Bespiel. Auch wenn die Intensität und Vertracktheit des zeusschen Materials der Zuhörerschaft einiges abverlangt, so finden sich im wilden Höllenritt doch immer wieder auch vergnügliche musikalische Anleihen und Zitate. Und wer sein Album «Opera», die zugehörige Tour «Fitness Tour 14» nennt und Titel wie «Beelzebulb» und «Grindmaster Flesh» im Repertoire hat, der verfügt definitiv über eine gesunde Portion Selbstironie.

Reitschule Rössli, Do., 9. Januar, 22 Uhr.

(Der Bund)

Erstellt: 09.01.2014, 09:28 Uhr

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