Pompöser Postrock-Bombast

. . . And You Will Know Us by the Trail of Dead: Die Band mit dem Band­wurm­namen verknüpft auf ihrem neusten Album «IX» zarte Klänge mit brachialen Gitarren-Wänden und zeigt sich dabei als Meister der Dynamik.

Das texanische Rock-Quartett gibt sich gerne auch mal als kirchliches Vokal-Ensemble aus.

Das texanische Rock-Quartett gibt sich gerne auch mal als kirchliches Vokal-Ensemble aus. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frankie goes to Hollywood sind höchstens Mittelfeld. Blur, Pulp und The XX nicht wirklich ernst zu nehmende Gegner. Die Hamburger Indie-Rock-Band Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs hingegen spielt in der ersten Liga mit, die Post-Grunger aus Seattle The President of the United States of America sind vielversprechende Titel-Anwärter, genauso wie die japanischen Experimentalisten Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. Die Rede ist vom Wettbewerb um den längsten Bandnamen in der Musikgeschichte, wobei bei dieser Olympiade mitunter fürwahr absonderliche Kreationen mittun. Dazu gehören auch . . . And You Will Know Us by the Trail of Dead, eine vierköpfige Combo aus dem texanischen Austin, die seit rund 20 Jahren zusammen unterwegs ist.

Offiziell leitet sich der Name des Quartetts aus einem rituellen Gesang ab, in welchem dem höchsten Maya-Gott ­Itzam­na gehuldigt wird. Besagtem Gott wird versprochen, dass die Bindungen zwischen dem Jetzt und der Zukunft zerhauen würden, wobei die Singenden das Schwert darstellen und man sie entsprechend an einer Spur von zurückbleibenden Toten erkennen würde, eben am «Trail of Dead». Die Band behauptet einerseits, dass intensive Forschungen zur Maya-Kultur an der Universität von Texas die Gründungsmitglieder Conrad Keely und Jason Reece bei der Namensgebung inspiriert hätten, andererseits winkt Keely aber in einem Interview auch schon mal amüsiert ab und erklärt, der Name basiere doch bloss auf einem Witz.

Durch die grosse Rock-Oper

Generell vergnügen sich Trail of Dead gerne damit, Verwirrung zu stiften und Journalisten und Fans hinters Licht zu führen, indem sie bewusst mit Wahrheit und Lüge spielen. So dürfte denn auch die Aussage, dass Trail of Dead zu Beginn ein Vokal-Ensemble gewesen sei, das bei kirchlichen Festen auftrat, mit Vorsicht zu geniessen sein. Was allerdings mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass die vier Herren alle Akte der grossen Rock-Oper durchlaufen haben: ein vielversprechendes Debüt-Album, ein Zweitling, der den Erwartungen standhielt, ein schwindelerregender Karriere-Höhenpunkt, ein spektakulärer Fall, ein gescheiterter Versuch, musikalisch wieder Fuss zu fassen, eine Band-Grundsanierung und schlussendlich eine Rückkehr zur alten Form. Dabei schwang das musikalische Pendel von dissonantem Post-Punk und Noise-Rock zu aufwendigem und verschwenderischem Prog-Rock und zurück und hat sich nun auf dem neuen Album schön eingemittet.

Besagtes neuntes Album wurde schlicht und einfach «IX» genannt, und bereits mit dem Opener «The Doomsday Book» machen Trail of Dead klar, dass sie nicht zwingend chaotisch-energetische Werke produzieren müssen, um die Zuhörerschaft bei Laune zu halten. Das gelingt auch mit repetitiven, schon fast hymnenhaften Gitarrenriffs, über denen die tragende Stimme von Contrad Keely schwebt. Es gibt auf «IX» aber auch diese pompösen Postrock-Monumente, die auf massigen und bedrohlich wirkenden Gitarren-Synthesizer-Wänden aufgebaut werden und epischen Bombast verströmen. Dann wieder schlagen Trail of Dead sanfte Klavier- und Streicherklänge an, die in ihrer melancholischen Wesensart an die psychedelischen Ausflüge von Pink Floyd erinnern, um ihnen aber sogleich einen sich kontinuierlich steigernden walzenden Lärmteppich zu unterlegen – gerne auch mal siebeneinhalb Minuten lang.

Die Trail-of-Dead-Fans der ersten Stunde dürften sich an den eingängigeren Klängen von «IX» stossen. Allerdings blitzt die Rohheit der Werke der ersten Stunde immer wieder auf und gewinnt dadurch, dass sie im dynamischen Spiel schlau mit leisen und gefälligeren Tönen kontrastiert wird, doch nur an Eindringlichkeit dazu.

Dachstock Reitschule Di, 4. Nov., 20.30 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 30.10.2014, 07:54 Uhr

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Kommentare

Blogs

Zum Runden Leder Französische Finte

History Reloaded 10 Unbekannte, die Geschichte schrieben

Die Welt in Bildern

Wellness fürs Schaf: An der «Sichlete» nach dem Alpabzug gestern in Bern hält dieses Tier ganz entspannt seinen Kopf hin. Die Schur nach einem Sommer auf der Alp ist wohl tatsächlich eine Erleichterung (18: September 2017).
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...