Jetzt aber!

Groombridge aus Burgdorf haben ein staunenswertes, hochmodernes, glorioses Album eingespielt. So hat Rock aus Bern noch nie geklungen.

Ernste Musik von ernsten Mannen: Groombridge.

Ernste Musik von ernsten Mannen: Groombridge. Bild: zvg

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Es gab Zeiten, da kam man in der journalistischen Auseinandersetzung mit der Burgdorfer Gruppe Groombridge nicht umhin, Vergleiche zu weit berühmteren Bands zu ziehen. Muse und Radiohead waren als Referenzen immer etwas zu deutlich herauszuhören. Das zeugte zwar nicht etwa von schlechtem Geschmack der Burgdorfer, doch so richtig neugierig wurde man auf die Band bisher nicht.

Das ändert sich nun schlagartig. Groombridge hauen mit «Boy from the Golden City» ein Album raus, das so grossartig ist, dass man während der 42 Minuten Spieldauer aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Ein Lehrstück, wie moderne, schwerblütige Rockmusik im Jahr 2015 klingen könnte. Wendig, irritierend, wuchtig, nie dem Naheliegenden folgend und doch punktgenau ins Ziel treffend.

Wo beginnen? Vielleicht beim Einsatz der Elektronik. Sie steht nie im Zentrum, taucht aber immer dann auf, wenn ein Song einer neuen Wendung bedarf. Mal ist das ein grimmiger Bass aus dem Analogsynthesizer, mal ein alter Drumcomputer, mal sind das wunderliche Loops, mal ist das ein Stimmeffekt, den man in keiner Preset-Bibliothek käuflich zu erwerbender Effektgeräte findet. Geschmackssicher ist das und Frucht akribischer Forschung am Klang.

Oder wollen wir mit den Songs beginnen? Lieder, die freigeistig allen herkömmlichen Strukturen zuwiderlaufen, die kunstvoll Haken schlagen, aber sehr wohl auf Kunst verzichten, wenn es darum geht, ungezügelt loszubrettern. Es sind keine Songs, die man je vor sich hinpfeifen wird. Aber man wird in ihnen noch nach dem zwanzigsten Anhören Raffinessen, Feinheiten und Schönheiten entdecken. Oder sprechen wir von den Gitarren? Schliesslich geht es hier ja um Rockmusik. Sie sind mal Effekt, mal treibendes Element, mal Tongenerator und mal Lärmwand. Groombridge haben selbst hier Klangforschung betrieben. Kurz: «Boy from the Golden City» ist ein schlaues, aufwendiges, glorios produziertes Meisterstück.

Dachstock Reitschule Fr, 27. Nov., 21 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 26.11.2015, 08:58 Uhr

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