Hans im Glück

Der Pianist Hans Feigenwinter spielt mit einem ungewöhnlichen Trio ungewöhnliche Musik: Ohrwurm trifft Bandwurm.

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Wenn Jazzpianisten ein Trio bilden, engagieren sie in der Regel einen Bassisten und einen Schlagzeuger. Das hat in der Vergangenheit auch Hans Feigenwinter getan. Mit der Band Zinc geht er jetzt einen anderen Weg. Er tut sich mit dem Saxofonisten Domenic Landolf und dem Posaunisten Andreas Tschopp zusammen, sagt aber: «Das Schlagzeug hat meine Musik für dieses Trio am meisten beeinflusst.» Was meint er damit? «Wir spielen mit Time – als Pianist übernehme ich die Verantwortung eines Drummers.»

Tatsächlich groovt die Musik auf dem Zinc-Debüt «Whim of Fate» (Unit Records) – aber sie tut dies quasi schwerelos, also ohne ständiges Tschack-Bumm. Dafür ist die Bewegungsenergie (nicht zu verwechseln mit Lautstärke!) innerhalb der Band enorm gross: Die Phasen, in denen eines der Instrumente aussetzt, sind knapp bemessen – mit beeindruckender Agilität werden die Rollen gewechselt, die Grenzen zwischen Solisten und Begleitern, zwischen improvisierten und komponierten Teilen, geraten ins Fliessen. Das Resultat: eine bandwurmartige Multi-Melodik mit vielen Ohrwurm-Momenten und starker Sogwirkung.

Freiheit und Klarheit

Feigenwinter: «Gewisse Rollen können durchaus nach Lust und Laune gewichtet werden, es gibt auch Platz für Ausbrüche. Es geht darum, die richtige Balance zwischen Freiheit und Klarheit zu finden.» Für dieses heikle Unterfangen scheint er mit Landolf (im vergangenen Monat bei Be-Jazz mit dem Real-Jazz-Quartett des Altmeisters Joe Haider) und Tschopp (im vergangenen Monat bei Be-Jazz mit dem fabelhaften Reto Suhner Nonett) die kongenialen Partner gefunden zu haben: «Es hat mich umgehauen, wie sie zusammenspielen. Sie ergänzen sich unglaublich gut.» Tatsächlich hat man streckenweise das Gefühl, bei der zweitägigen Aufnahmesitzung im riesigen Basler Volkshaus sei Telepathie im Spiel gewesen: Derart eng und kunstvoll sind die einzelnen Stimmen ineinander verzahnt.

In der Formation Feigenwinter 3 mit dem Bassisten Wolfgang Zwiauer und dem Schlagzeuger Arno Troxler treibt Feigenwinter den Dialog zwischen seiner rechten und linken Hand zuweilen regelrecht auf die Spitze. Im Trio Zinc definiert er seine Rolle anders: «Ich halte den Beat im Gang, übernehme die Funktion des Basses und kreiere Texturen. Wenn ich soliere, lasse ich Platz für Kommentare von Saxofon und Posaune.»

Im Märchen «Hans im Glück» erhält Hans für sieben Jahre Arbeit einen Klumpen Gold. Diesen tauscht er gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, und die Gans gibt er für einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein her. Schliesslich fallen ihm die schweren Steine in einen Brunnen. Da ruft er aus: «So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne.» Ludwig Marcuse kommentiert: «Vieles kann einen glücklich machen; aber kein Gut macht einen glücklich in jeder Beziehung.» Hans Feigenwinter hat sein Glück in der (immateriellen) Musik gefunden.

(Der Bund)

Erstellt: 01.05.2014, 11:09 Uhr

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Vidmarhallen Freitag, 2. Mai, 20.30 Uhr.

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