Falsch ist das neue Richtig

The Monofones machen auf ihrem neuen Album «Deranged» fast alles falsch. Das Resultat ist ein herausragendes Stück Berner Musikgut.

Schlagzeug, Gitarre und Geschrei: The Monofones. (zvg)

Schlagzeug, Gitarre und Geschrei: The Monofones. (zvg)

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So viel vorweg: Wer sich daran macht, das Wirken der Berner Band The Monofones zu erklären, beginnt meist im Einzelnen und findet sich unweigerlich schon bald beim Grundsätzlichen wieder – bei Gott, seinem Gegenspieler, ihren weltanschaulichen Meinungsverschiedenheiten, ihren Berührungspunkten und wie sie die Welt organisiert haben. Vielleicht lohnt es sich deshalb, von Beginn weg etwas weiter auszuholen.

Alles falsch, nein, alles richtig

Alles Wirken und Walten auf der Welt unterliegt bestimmten Regeln. Manche sind ganz einfach. Was aufsteigt, wird auch wieder fallen. Oder: Was heute passiert, ist schon übermorgen lange her. Zu den komplexeren Gesetzen zählt dieses: Wer versucht, möglichst wenig falsch zu machen, macht schliesslich fast nichts richtig. Das Teuflische an diesem Gesetz ist, dass die Umkehrung davon nur sehr unzuverlässig brauchbare Resultate hervorbringt.

Eine der seltenen Ausnahmen findet sich in der Berner Band The Monofones. Dieses Dreigespann macht mutwillig so ziemlich alles falsch, was es falsch zu machen gibt. Und trotzdem kommt am Schluss ein grosser – fast ist man versucht zu sagen: göttlicher – Wurf heraus. Es gibt etliche Erklärungen für dieses Phänomen: Metaphysik, Alchemie, Zauberei oder – ganz profan – Glück. Vielleicht ist es das Geheimnis der Monofones, dass sie Erstere beherrschen und damit Letzteres erzwingen.

Sture Songs und wildes Geschrei

Denn: Es mangelt dieser Musik an fast allem. Grosse Melodien, herausragende Einfälle, raffinierte Arrangements, interessante Dramaturgien – all das sucht man vergebens auf «Deranged», dem bereits zweiten Album dieser 2007 gegründeten Band. Die dreizehn Songs beginnen auf Eins-zwo-drei-vier und enden gut zwei Minuten später auf ähnlich sture Weise. In der Zwischenzeit erörtert die Sängerin Miss O.O. Alltäglichkeiten aus dem Leben von Heranwachsenden und Paarungsfähigen. Schlagzeuger El Miguel und Gitarrist Sir Hamesly sind sich jeweils einig, dass sie auf die Sängerin nicht einzugehen haben. Und der Bassist, nun, den gibt es nicht in den Reihen von The Monofones.

Fadengrad in die Beine

Schwieriger ist es, zu benennen, was dieses Album so grossartig macht. Das klingt ziemlich schnell reichlich esoterisch. Es ist ein Geist, eine Haltung oder besser: ein kaputter Eifer dieser drei Musiker, nur gerade das absolut Nötigste bereitzustellen. Ein scheppernder, immer gleicher Rhythmus, ein dröhnendes Gitarrengeschwader und ein heulendes Geschrei, das mal an Jello Biafra, mal an Screamin’ Jay Hawkins erinnert. Im besten Fall – zu nennen sind insbesondere die Songs «Sweat», «Alright» und «Tricks» – verbinden sich diese drei Elemente zu einem ebenso wüsten wie monströsen Klanggebilde, das fadengrad in die Beine fährt.

Ob es dafür eine Schublade gibt? Eher nicht. The Monofones bezeichnen ihre Musik bislang als «60s-Garage-Trash-Punk-Inferno». Vielleicht fällt diesen Meistern der Reduktion mal noch ein handlicherer Begriff ein. Das Gesetz, dass weniger manchmal mehr ist, haben sie ja schon auf eindrückliche Weise verinnerlicht. (Der Bund)

Erstellt: 22.12.2010, 13:44 Uhr

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