Interview

«Endlich darf ich ein Lederkorsett tragen!»

Doch, es ist wahr: Stiller Has Endo Anaconda tritt als Pharao in «Aida» bei den Thuner Seespielen auf. Und ja, er freut sich darüber.

Tritt als Pharao auf: Endo Anaconda. Zuvor aber an einem Sol-Konzert.

Tritt als Pharao auf: Endo Anaconda. Zuvor aber an einem Sol-Konzert. Bild: rts

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Es ist bekannt, dass Ihre Mutter Österreicherin ist, Sie haben aber auch ic-Wurzeln.
Mein Grossvater hiess Wilic, aber der Name wurde dann eingedeutscht: Aus Wilic wurde Wilitsch. Meine Grosseltern kamen aus Kärnten und haben Slowenisch gesprochen. Ich selbst habe die Sprache nie gelernt. Sogar in Kärnten wurde man damals als Kommunist betrachtet, wenn man Slowenisch gesprochen hat. Aber ich war natürlich trotzdem ein Kommunist, weil ich die Nazis einfach nicht mochte.

Nächste Woche treten Sie im Rahmen einer Solidaritätsveranstaltung für Sans-Papiers in der Heiliggeistkirche auf. Das tun Sie wahrscheinlich nicht nur, weil Sie selbst einen Immigrationshintergrund haben, oder?
Ich bin trotz allem ein Menschenfreund. Ich finde es für ein reiches Land wie die Schweiz unwürdig, Menschen dermassen auszugrenzen, um sie dann trotzdem auszubeuten. Gerade jene Leute, die ihre Klappe am weitesten aufreissen, haben dann illegal ein Dienstmädchen angestellt; sagen, sie sei aus einer befreundeten Familie, und bezahlen ihr etwa 22 Franken pro Stunde. Meine Putzhilfe kommt aus Polen und verdient 45 Franken pro Stunde. Selbstverständlich ist sie bei den Behörden angemeldet. Der Begriff Sans-Papiers, das ist doch ein Witz. Das sind Menschen, keine Papiere.

Vor einem Jahr etwa, als das Stiller-Has-Album «Böses Alter» erschienen ist, haben Sie in einem Interview gesagt, Sie seien pleite. Wie siehts heute in Ihrem Portemonnaie aus?
Ich kann meine Abzahlungsrate begleichen, immerhin. Aber das Ganze stresst mich mittlerweile auch nicht mehr so sehr.

Ist Ihre finanzielle Situation mitunter ein Grund, weshalb Sie das Engagement an den Thunerseespielen angenommen haben? Diesen Sommer werden Sie in vier Aufführungen des Musicals «Aida» den Pharao mimen.
Mitunter ist es vielleicht ein Grund, aber ich habe dort nur die Verantwortung für meine eigene Rolle und nicht für den Rest der Produktion. Die Rolle ist mir ja förmlich auf den Leib geschrieben: Ich spiele einen dahinkränkelnden, grantigen alten Mann, der bald das Zeitliche segnen wird. Ich muss dazu noch sagen: Ich bin natürlich gegen den Absolutismus. Aber mein Pharaonen-Kostüm ist sehr schön. Endlich darf ich einmal ein Lederkorsett tragen und sehe aus wie eine Dragqueen! Nur darf ich jetzt einfach nicht zunehmen, das Gewand ist schliesslich massgeschneidert.

Nächstes Jahr existieren Stiller Has 25 Jahre. Was planen Sie?
Wir werden ein neues Livealbum herausbringen, mit all den Sprüchen und Abstürzen, den Zwischentexten und verstimmten Gitarren. Mit allem, was das Publikum an Stiller Has halt mag. Meine Rolle als Pharao ist ein Gegensatz dazu, da muss ich sehr präzise funktionieren. Ich bin selbst gespannt, wie das wird, aber ich freue mich auf diese neue Erfahrung. Und ich sage ja immer: lieber die Rolle des Pharao übernehmen, als musikalisch von Farian produziert zu werden (Anm. d. Red.: Frank Farian ist ein deutscher Musikproduzent, u. a. von Boney M. und Milli Vanilli).

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2014, 11:47 Uhr

Endo Anaconda

Vor gut einem Jahr hat er mit Stiller Has «Böses Alter» veröffentlicht und war gesundheitlich angeschlagen. Zum Interview aber erscheint ein frisch-fröhlicher Endo Anaconda. Anlass für den Pressetermin ist sein Auftritt als Pharao im Musical «Aida» (16., 17., 23. und 24. Juli). Er ist nach Model Julia Saner und Sänger Luca Hänni der dritte Prominente aus der Region, der an einer Produktion der Thunerseespiele mitwirkt. Am Freitag, 25. April, tritt er mit dem Gitarristen Schifer Schafer im Rahmen der Solidaritätsveranstaltung für Sans-Papiers um 21.15 Uhr in der Heiliggeistkirche auf.

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