«Die Maske kommt mir nicht ungelegen»

«Sun of Moon» heisst die Platte von Marcel Blatti alias Lleluja-Ha. Das Werk des Wahlberliners ist die Musik zu einem Film, der kurz vor Fertigstellung gescheitert ist.

Eine Maske gegen die Schüchternheit: Marcel Blatti alias Lleluja-Ha.

Eine Maske gegen die Schüchternheit: Marcel Blatti alias Lleluja-Ha. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Künstler Lleluja-Ha dürfte manchen als Marcel Blatti und Musiker der mittlerweile aufgelösten Band Pola bekannt sein. Er lebt in Berlin und komponiert Musik für Theater und Film. Der junge chinesische Regisseur Zhou Bin liess Blatti die Szenen für seinen Film mit Arbeitstitel «Sun of Moon» vertonen. Dann fegte die chinesische Wirtschaftskrise auch über den Kreativsektor hinweg, und die Filmspur endete kurz vor Fertigstellung als Konkursmasse. Die Tonspur aber, die gleich heisst wie der beschlagnahmte Film, gibts trotzdem.

Ihr Kostüm gefällt mir, aber weshalb zeigen Sie uns Ihr Gesicht nicht?
Ich hatte ganz einfach Lust, mal was anderes zu machen. Die Berlinerin Victoria Behr - die übrigens Kostümbildnerin des Jahres geworden ist - hat das Kostüm für Lleluja-Ha entworfen. Auch bin ich eher schüchtern. Da kommt mir die Maske nicht ungelegen.

Die Produktionsfirma des Films «Sun of Moon», für den Sie den Soundtrack geschrieben und produziert haben, ging pleite. Das wird Sie geärgert haben . . .
Um ehrlich zu sein, der Film steht für mich nicht mehr im Vordergrund. Klar - die Geschichte des gescheiterten Projekts ist interessant. Aber der Soundtrack hat sich danach sehr rasch vom Film weg- und somit weiterentwickelt. Natürlich habe ich aus den Inspirationen, die mir das Drehbuch gegeben hat, weiterhin schöpfen können. Ich habe dann, statt enttäuscht zu sein, einfach umdisponiert. Entstanden ist eine Doppel-CD, von der die erste Indie-Pop-Songs enthält und die zweite die Tonspur zum Film liefert, den es nun nicht gibt.

Was war das für eine Geschichte, von der Sie sich inspirieren lassen konnten
So viel kann ich sagen: Es geht um eine moderne Liebesgeschichte, gedreht in der Provinz Shangdong. Eine Geschichte mit Zeitsprüngen, deshalb hört man auf dem Soundtrack nebst leicht Futuristischem auch musikalische Einflüsse aus den 60er- und 70er-Jahren. Das Schöne ist aber, dass sich die Hörer nun ihre eigenen Bilder zur Musik machen können.

Der Film liegt nun im Tresor der staatlichen Behörden von China. Warum wurde ausgerechnet die Musik verschont?
Glücklicherweise habe ich mir die Rechte an meiner Musik gesichert. Ich gehe keine Zusammenarbeit mehr ein, wenn das nicht möglich ist. Früher war das nicht selbstverständlich. Heute ist das für Künstler einfacher.

Wie bringt man Filmmusik auf die Bühne?
Wir spielen an den Konzerten vor allem die erste CD, also Indie-Pop-Songs. Die zweite CD ist vermutlich für Leute interessant, die sich für Filmmusik interessieren. Auf der Bühne mit dabei sind Joy Frempong, Flo Götte, Domi Chansorn und die Bratschistin Sophia Baltatzi.

Sie sind in Interlaken geboren und aufgewachsen, verschlagen hat es Sie nach Berlin, wie viele andere Schweizer Künstler auch. Was hat Berlin, was Bern nicht hat?
«Sun of Moon» würde sicher anders klingen, hätte ich die Musik in der Schweiz geschrieben und aufgenommen. Wer seine Heimat verlässt, muss sich mit neuen Strukturen beschäftigen und lernen, sich darin zurechtzufinden. Berlin ist eine Theater- und Filmstadt, und für mich sind hier die Möglichkeiten vielfältiger. Ich freue mich aber sehr auf die Konzerttour in der Schweiz.

Werden Sie wieder Engagements für Filmmusik annehmen? Oder sind sie Ihnen durch die Geschichte verleidet?
Absolut nicht! Das Schöne an dieser Arbeit ist, dass man in der Umsetzung sehr frei ist und mit vielen interessanten Menschen zusammenarbeitet. Auch wenn der Film am Ende gar nicht gezeigt wird. (Der Bund)

Erstellt: 31.01.2013, 11:16 Uhr

Plattentaufe

ISC, Sonntag, 3. Februar, 20.30 Uhr.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Sweet Home Zeit, sich ums Esszimmer zu kümmern

Tingler Schreiben Sie Tagebuch?

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...