«Auf unserem Festivalgelände findet man kein einziges Sponsoring-Plakat»

Zum 19. Mal wird auf der Moosegg das Woodrock Festival ausgetragen. Auf Laufkundschaft kann das Festival nicht zählen, dafür auf viele treue Wiederkehrer.

Heuer auch im Wald zugegen: We love Machines.

Heuer auch im Wald zugegen: We love Machines. Bild: zvg

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Nick Werren, das Woodrock-Festival findet in einer Waldlichtung auf der Moosegg statt und damit an einem Ort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Wie bringen Sie die Leute da hinauf?
Das ist tatsächlich eine grosse Herausforderung. Unser Festival kann auf keinerlei Laufkundschaft zählen, weshalb wir quasi jeden Besucher einzeln hinaufholen müssen. Ich glaube, wer einmal oben war, kommt gerne wieder. Der Ort ist so speziell, da fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Und den ganzen Rest müssen wir mit den Bands abholen.

Was zeichnet denn dieses kleine Open Air in den Emmentaler Hügeln aus?
Sicher einmal der Ort. Das Publikum befindet sich inmitten der Natur, umgeben von Bäumen. Wir stecken viel Herzblut in die Organisation, arbeiten mit liebevoller Dekoration. Beispielsweise findet man auf dem Festivalgelände kein einziges Sponsoring-Plakat. Es ist definitiv ein gemütliches Festival, idyllisch und überschaubar. Die beiden Konzertbühnen stehen leicht angewinkelt gleich nebeneinander. Wenn man sich richtig positioniert, kann man während des ganzen Abends tanzend am selben Ort bleiben.

Sie konnten schon bekannte Künstler wie Polo Hofer oder Stiller Has auf der Bühne ankündigen. Heuer fehlen solche Grössen, wirkt sich dies nicht auf die Besucherzahlen aus?
Diese Auftritte vor rund fünf Jahren bescherten uns zuschauermässig tatsächlich Spitzenjahrgänge. Dennoch glaube ich nicht, dass solche Acts fehlen, wir kommen seit mehreren Jahren ohne sie aus. Am ersten Woodrock-Festival vor 19 Jahren fanden rund 150 Nasen den Weg auf die Moosegg. Mittlerweile sind es rund 500 bis 600 pro Abend, das wird auch dieses Jahr nicht anders sein. Wichtiger Einflussfaktor auf die Besucherzahl ist natürlich immer auch das Wetter, denn es kann da oben schon ziemlich stürmisch sein!

Das Programm ist ein bunter Mix: Die Band The Shit serviert schnörkellosen Garage-Rock, Tim & Puma Mimi experimentellen Elektro, Dunkles und Melancholisches gibt es von Lily Yellow zu hören. Welches musikalische Konzept liegt da zugrunde?
Wir fahren bewusst breitspurig, um unterschiedlichste Geschmäcker anzusprechen. Der Samstag Nachmittag ist beispielsweise familiengerecht, im Laufe des Abends werden die Gitarren dann lauter und härter. Wir stellen Schweizer Bands vor, die qualitativ allesamt gut sind, die meisten kenne ich persönlich. Und wir möchten den Zuhörern auch die Möglichkeit bieten, musikalische Überraschungen zu erleben.

Beziehungen sind sicher von Vorteil. Das Budget wird wohl eher bescheiden sein.
Unser Budget ist fast schon lächerlich, und wir könnten ohne Beziehungen kaum solch gute Acts verpflichten. Die Musiker kommen nicht, um Geld zu machen. Wir haben auch keine grossen Sponsoren, ich kann schliesslich nicht bei den SBB anklopfen und sagen: «Hey, das ist eine tolle Sache!» Finanziell lohnt sich das für sie nicht. Unsere Sponsoren betreiben eigentlich Kulturförderung Und sie kommen jeweils auch auf die Moosegg, um Konzerte zu hören - oder um sich die Lampe zu füllen!

(Der Bund)

Erstellt: 28.06.2012, 10:11 Uhr

Nick Werren organisiert das Woodrock-Festival auf der Moosegg.

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