Fernweh-Folk und Mundart-Cumbia

Abseits der grossen Festivalbühnen von Gampel & Co. finden sich musikalische Kleinode vor wunderbarer historischer Kulisse.

Laut Polo Hofer die beste Band Berns: Chica Torpedo.

Laut Polo Hofer die beste Band Berns: Chica Torpedo. Bild: zvg

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Baron Albert Emil Otto von Parpart hätte sich über das Open Air in seinem Vorgarten sicherlich erfreut, auch wenn der preussische Offizier vielleicht nicht viel mit dem Fernweh-Folk der Kummerbuben hätte anfangen können. Ein Schuss Tragik von Tom Waits, gemischt mit der trockenen Poesie eines Kuno Laueners, unterlegt mit dem, was sie selbst Rumpelrock nennen, ergibt den Sound der Band um Sänger Simon Jäggi. Rumpeln tut auch eine andere Band: A.Spell heisst das zwischen Jazz und Popmusik oszillierende Trio, das quasi-aristotelisch beweist, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Knatternde Elektronik-Beats und Perkussion, kombiniert mit Bassklarinette und der zerbrechlich-warmen Stimme Nadja Stollers, erschaffen überraschende Klangfarben. «Golden sunlight sneaking into my mouth», singt sie. Und aus ihrem Mund strahlt unaufdringlich die Schönheit der Schallwellen zurück. Kredenzt wird das musikalische Potpourri vor dem Hause des besagten Offiziers, dem märchenhaften Schloss Hünegg an den Ufern des Thunersees, erbaut 1861–1863.

Zur selben Zeit findet andernorts ebenfalls ein Musikfestival vor historischer Kulisse statt. Das Keltenhaus in Guggisberg ist eine Rekonstruktion der Lebensweise hier ansässiger Menschen in vorchristlicher Zeit. Höchst zeitgemäss ist hingegen die Musik, die zu hören sein wird. Allen voran die kleine Big Band Chica Torpedo, laut Polo Hofer die beste Band Berns, die Reggae mit Cumbia verschmelzen lässt. Dazu erzählt Schmidi Schmidhauser in seiner ganz eigenen Sprache wehmütig von lauen Sommernächten: «Mini Wohnig isch zrügg us de Ferie. D Wänd si bruun­brönnt und sehr entspannt.» Und plötzlich wird aus Mundart-Cumbia wieder Fernweh-Folk.

Open Air Hünegg Sa, 16. August, 19.30 Uhr.

Open Air Guggisberg Fr, 15. 8., 17 Uhr, sowie Sa, 16., und So, 17. 8., jeweils ab 10 Uhr. (lor)

Erstellt: 14.08.2014, 10:27 Uhr

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