Kunstliebe eines Pioniers

Der Berner Möbeldesigner Teo Jakob sammelte Kunst von Meret Oppenheim über Markus Raetz bis Balthasar Burkhard. Die Ausstellung «Amitiés» im Kunsthaus Langenthal zeigt Teile der Sammlung.

«Eiger, Mönch und Jungfrau» (1974) von Markus Raetz, Tusche und Aquarell auf Papier, 15x23 cm. (zvg)

«Eiger, Mönch und Jungfrau» (1974) von Markus Raetz, Tusche und Aquarell auf Papier, 15x23 cm. (zvg)

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Die Sitzfläche, die an ein Rad mit Speichen erinnert, hat Meret Oppenheim gezeichnet. Die Beine in Form von Blättern und Kirschen stammen von Anna Boettis, und Roberto Lupo hat eine Lehne aus Astwerk hinzugezeichnet.

Wie bei einem Faltspiel, bei dem jemand den Kopf, ein Zweiter den Körper und ein Dritter die Beine zeichnet, ist das Aquarellblatt «Stuhl» entstanden, das symbolisch für die Kunstsammlung von Teo Jakob stehen könnte. Das Sujet verweist ebenso auf den Sammler wie auf das freundschaftliche Element, das im Entstehen des Blattes mitschwingt. Mit gutem Grund trägt die Präsentation im Kunsthaus Langenthal den Titel «Amitiés».

1950 übernahm Teo Jakob (1923–2000) den väterlichen Tapezierbetrieb in Bern. Der Filius, der ebenfalls das Handwerk des Tapezierers erlernt hatte, zeigte rasch ein besonderes Gespür für Formen und brachte modernes Möbeldesign nach Bern. Teo Jakob hatte indes nicht nur ein Auge für angewandte Kunst, er liebte auch die freien Künste.

Viele Jahre lang führte Toni Gerber seine wegweisende Galerie im gleichen Gebäude, in dem Jakobs Ladenräume lagen. Teo Jakob, der damals direkt über seinem Geschäft wohnte, war gleichsam in der Kunst zu Hause. Er pflegte Freundschaften mit zahlreichen Kunstschaffenden, tauschte gelegentlich ein Bild gegen ein Bett und hängte Kunstwerke im Geschäft auf. Alfred Hofkunst hat einmal den ganzen Laden für Jakob ausgestaltet. Im Kunsthaus Langenthal hängt ein wandfüllender Velosattel, den Hofkunst 1975 als Schaufensterdekoration zeichnete.

Sitzfuss und Betonsessel

Das Kunsthaus Langenthal hat es sich zur Tradition gemacht, in loser Folge Privatsammlungen vorzustellen. So kann das Haus auch historische Positionen zeigen. Das sei wichtig, um das Verständnis der Besucher für künstlerische Entwicklungen zu vertiefen, sagt Kunsthaus-Leiterin Fanni Fetzer. Die Sammlung Teo Jakob umfasst vor allem Kunst aus Stadt und Kanton Bern. Eveline Suter, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunsthauses und Kuratorin der Ausstellung, hat aus rund 400 Werken 61 Arbeiten von 31 Künstlern ausgewählt. Nicht nur Meret Oppenheims Faltspiel verweist ironisch auf das Metier des Sammlers. Stefan Zwicky persifliert Le Corbusiers berühmten LC2 Sessel, indem er das Kultmöbel aus Beton nachformt. Vom italienischen Möbeldesigner Gaetano Pesce stammt ein riesiger Kunststofffuss, der möglicherweise als Sitzmöbel gedacht war. Ganz lässt sich das nicht mehr klären. Werbegrafiker Paul Talmann schuf um 1970 Kugelbilder mit beweglichen Teilen, die den Betrachter zur kreativen Mitgestaltung einluden. Die Kunstwelt war in den 1970er-Jahren deutlich offener für Grenzgänge zwischen Kunst und Design als die überspezialisierte Gegenwart.

Märchenhafte Interieurs

Werke und prägende Namen der 1960er-und 1970er-Jahre prägen die Sammlung und die Ausstellung. Franz Gertsch ist mit einem Porträt-Holzschnitt dabei, Bernhard Luginbühl mit einer Eisenplastik von 1955. Urs Lüthi, Rolf Iseli, Ueli Berger sind dabei. Ein herrlich humorvolles Blatt von Markus Raetz zeigt «Eiger, Mönch und Jungfrau» mit menschlichen Gesichtern. Satire und Persiflage tauchen immer wieder auf in der intim wirkenden Präsentation einer sehr persönlichen Sammlung. In der ersten Etage findet sich ein Porträt von Otto Tschumi, das Margrit Jäggli in klaren Linien gezeichnet hat, in der zweiten Etage hängen surrealistisch geprägte Arbeiten Tschumis.

Balthasar Burkhard füllt mit mehreren Fotografien einen ganzen Saal. Aber an Burkhard kann man sich auch nicht sattsehen. Neben älteren Arbeiten finden sich Bilder aus der 2004 entstandenen «Bernina»-Serie, die nach Teo Jakobs Tod in die Sammlung kamen. Eine 1999 gegründete Stiftung führt die Sammlung fort. Zu den jüngsten Ankäufen zählen Bilder von Chantal Michel, die 2006 im Hotel Bürgenstock entstanden. In märchenhafter Form taucht in ihnen wieder das Interieur-Motiv auf. (Der Bund)

Erstellt: 27.01.2010, 07:32 Uhr

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