Der Lehrer und sein Schüler

Das Museum Franz Gertsch stellt den Lehrer Max von Mühlenen dem einstigen Schüler Franz Gertsch gegenüber.

Max von Mühlenen: Blauer Akt, o.J., 75x92cm. (Bild: Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen)

Max von Mühlenen: Blauer Akt, o.J., 75x92cm. (Bild: Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen)

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Ein Raum in gedeckten Tönen. Am Tisch sitzt eine junge Frau. Ein Mann am Fenster kehrt ihr den Rücken. Am Boden liegt ein off ener Brief. Das Bild, 1948 entstanden, stammt von Franz Gertsch. Der Titel «Werther» von seinem Lehrer, Max von Mühlenen.

Max von Mühlenen (1903 – 1971) gehört zu den grossen Modernen Berns. Er hat, wie viele seiner Zeit, in Paris studiert. Begegnungen mit Cézanne und Matisse hinterlassen deutliche Spuren in seiner Malerei. Weniger augenfällig und doch spürbar ist der Eindruck, den Max von Mühlenen bei seinem Schüler Franz Gertsch macht.

1947 bis 1950 besuchte Franz Gertsch die Malschule Max von Mühlenens. Dann ging er über Nacht. «Max von Mühlenen war eine sehr dominante Persönlichkeit», erklärt Anna Schafroth den schroff en Abschied. Die freie Kuratorin hat sich lange intensiv mit Max von Mühlenen befasst. Für das Museum Franz Gertsch hat sie gemeinsam mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Hauses, Anna Wesle, die Ausstellung «Rot und Blau» eingerichtet, die Franz Gertsch dem ehemaligen Lehrer Max von Mühlenen gegenüberstellt.

In einer Auswahl von 27 Bildern spannt die Schau einen Bogen vom Frühwerk über die Neuinterpretation klassischer Kunst-Themen bis zu den freien, malerischen Gesten im Spätwerk. Der Fokus liegt dabei auf den Umkehrungen der Farbperspektive, die Max von Mühlenen seit den 1940er-Jahren anwendet. Entgegen der traditionellen Praxis verwendete er nicht Blau für den off enen Raum und Rot für dichte Figuren sondern umgekehrt. Ein schönes Beispiel gibt «Der Seiltänzer» von 1948. Die blaue Figur, die sich aus Angst vor der eigenen Courage eine Hand vor die Augen hält, balanciert kompakt über einer roten Unendlichkeit.

Dieser Umgang mit Farben spiegelt sich in Gertschs späteren Werken. Gertsch, der technisch und motivisch ganz andere Wege gewählt hat als sein Lehrer, nutzt in seinen Holzschnitten ebenfalls die farbpsychologischen Wirkungen von weitem Rot und dichtem Blau. Dies zeigen 16 grossformatige Blätter, von denen sechs eigens für die Ausstellung abgezogen wurden.

Begleitend sind im Kabinett des Museums Zeichnungen und Aquarelle von Marcel Gähler zu sehen. Der 40-jährige aus Winterthur arbeitet nach Fotos, die er im Randbereich von Stadt und Natur, am Übergang von Tag und Nacht aufnimmt. Unorte wie Strassenränder und Vorgartengebüsche gewinnen auf den sechs mal neun Zentimeter kleinen Zeichnungen eine zauberische Ästhetik. (Der Bund)

Erstellt: 16.04.2010, 09:18 Uhr

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