Vom Ringen um Identität

Kreativität auf dem Prüfstand: Im Vorfeld der Berner Tanzpreise gaben Mitglieder des Ensembles Konzert Theater Bern im Kubus Einblick in ihre Wettbewerbsbeiträge.

Szene aus «Manner in mode» von Evan Schwarz.

Szene aus «Manner in mode» von Evan Schwarz.

(Bild: zvg)

Welcher Tänzer, welche Tänzerin hat das Zeug zum Choreografieren? Eine international besetzte Jury will das vom 25. bis 28. Mai im Förderwettbewerb um die Berner Tanzpreise im Kubus herausfinden. Unter den neun Kandidaten aus Holland, Spanien, Israel, Italien und ­Albanien, die sich der Konkurrenz stellen, sind auch drei Talente aus dem Ensemble von Konzert Theater Bern zu sehen. Der gut zweistündige Abend (Titel: «Next Generation») sprüht vor Engagement und Ideen, macht aber auch Schwächen sichtbar, die vorab den Einbezug von Musik und Sprache betreffen.

Auf einmal ist da Liebe

Der Amerikaner Evan Schwarz (geb. 1992) untersucht in «Manner in Mode» die Macht der Gewohnheiten. Ein stimmiger Auftakt: Im wechselnden Licht lassen drei Frauen ein Kontinuum aus abstrakten Bewegungen entstehen, es erinnert an eine animierte Installation, in der plötzlich geredet wird. Nötig wäre das nicht, weil die Stimmen in der wummernden Elektrokulisse untergehen. Unvermittelt kommt auch Elvis Presleys «Falling in Love with You», das eine Schmalzspur in den Soundteppich legt.

Im Innern des Menschen

Die Italienerin Angela Dematte (geb. 1992) setzt sich danach mit den Funktionsweisen des menschlichen Körpers auseinander. Allerdings richtet sie in «Diary of an Organ» den Blick ins Innere der Bewegungsmaschine Mensch. Dazu blubbert und gluckst eine Tonspur, dass man meint, man lausche durch ein Stethoskop dem Herzschlag und den Körpersäften. Auch da passiert viel Körpergrammatik, die irgendwann ins Komische mündet.

Der Fokus auf die Bewegungsdetails verhindert die Sicht auf ein Ganzes. Auch hier wird gesprochen, auch hier gibt es ein musikalisches Rechtsumkehrt, wenn Elektronik in ­Easy-Listening (Allan Roberts) übergeht und das Trio im mimischen Zeitraffer einen Stimmungswandel hinlegt, der alle Farben von Aggression, Trotz, Verunsicherung und Optimismus zeigt.

Schatten und Bauklötze

Yu-Min Yang (1978) hat bei den Berner Tanzpreisen 2014 mit «Plots» den Publikumspreis erhalten. Das Stück damals orientierte sich am Animationsfilm «Waltzing with Bashir». Auch jetzt lässt er sich von Filmbildern inspirieren. Wie in «Birdman» von Alejandro Gonzalez Inarritu zeigt er einen Typen mit überrissenem Ich-Ideal, der sich in der nächtlichen Studierstube mit wilden Fantasien und einem rauchenden Alter Ego herumschlägt. Zwischen Tischen und mächtigen Schattenwürfen experimentiert er mit Bauklötzen und versucht seinen Körper zu tunen. Dazu beschallt DJ Philipp Eltz die gespenstische Szenerie mit seinen Sound-Clouds.

Bewegung im Raum

«Blowed-irritated Man» lebt von seinen Interpreten Milan Kampfer und Winston Ricardo Arnon, die eben als Duo in «Francis Bacon» überzeugt haben. Arnon präsentiert sich übrigens – ausser Konkurrenz – auch als Choreograf: Im Vorprogramm von «Next Generation» zeigt er mit einem Dutzend Schülerinnen und Schülern der New Dance Academy Bern eine Choreografie unter dem Titel «Collectivism_1». Choreografieren bedeutet nicht nur Erfinden von Bewegung im Raum, sondern auch Ringen um eine eigene Handschrift. Wie sich die Kandidaten aus «Next Generation» gegen die internationalen Wettbewerbsbeiträge durchsetzen, wird bei der Preisverleihung (28. Mai im Kubus) bekannt gegeben.

Wiederholung «Next Generation» im Kubus, Mittwoch, 25. Mai, 19.30 Uhr. Internationale Tanzplattform Bern: 26.–28. Mai.

Der Bund

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