«Fucking Åmål» – vom Ausbruch aus einem Kaff

Die Junge Theaterfabrik Bern bringt ab Donnerstag die Bühnenadaption des schwedisch-dänischen Erfolgsfilms von 1998 in den Rossstall auf dem Könizer Schlossareal.

Bianca Toneatti (links) als die beliebte Elin und Céline Moos als die zurückhaltende Agnes.

Bianca Toneatti (links) als die beliebte Elin und Céline Moos als die zurückhaltende Agnes.

(Bild: Adrian Moser)

Auf der Bühne sind zwei knallblaue, rechtwinklig zueinanderstehende Sofas, eine Unzahl von Plüschtieren liegt herum. Zwischen all den Tigern, Bärchen, Mäusen, Drachen, Kuschelkatzen und Schmuseenten kauern zwei Mädchen. Die eine, Elin, trägt Hotpants aus Satin und einen schrillen, rot-schwarzen BH, Jessica Jeans und T-Shirt. Die beiden führen eine eigenartige Debatte. Elin: «Algifor!» Jessica: «Spinnsch?» «De haut Mebucain! Muesch haut eifach viu näh.» – «Ömu sicher nid! Das chasch nid mache!» – «I wott itz Drooge!»

Seit letztem August proben die Darstellerinnen und Darsteller der Jungen Theaterfabrik Bern unter der Leitung von Regisseur Alex Truffer ihr Stück «Fucking Åmål»; am kommenden Donnerstag ist im Rossstall auf dem Könizer Schlossareal Premiere. Die Bühnenproduktion stellt den Abschluss ihres zweijährigen Theaterkurses dar. Im ersten Jahr haben die jungen Erwachsenen im Alter von 17 bis 22 Jahren an einem Abend pro Woche in Workshops die verschiedenen Bühnentechniken kennen gelernt und erprobt, das zweite Jahr ist nun der Projektarbeit mit abschliessender Aufführung gewidmet.

Åmål ist überall

Zwar spielt die Geschichte ausdrücklich in Westschweden, sie könnte aber überall stattfinden, wo sich lebenshungrige Jugendliche langweilen: Die quirlige, schöne und beliebte Elin (gespielt von Bianca Toneatti) und ihre etwas ältere Schwester Jessica (Franziska Riedo) wohnen also in der öden Kleinstadt Åmål. Hierher zieht auch die zurückhaltende Agnes (Céline Moos), die trotz der Anstrengungen ihrer übereifrigen Eltern eine Aussenseiterin bleibt. Das Gerücht, Agnes sei lesbisch, beflügelt die Fantasien der gelangweilten Jugendlichen. Nach einer Wette mit ihrer Schwester küsst Elin Agnes. Agnes, tatsächlich heimlich in Elin verliebt, zieht sich nach dem verräterischen Kuss – dem ersten Kuss ihres Lebens – noch mehr in sich zurück. Doch die Szene bleibt auch bei Elin nicht ohne Wirkung: Auch sie merkt, dass ihr Agnes etwas bedeutet. Schritt für Schritt gehen die beiden jungen Frauen aufeinander zu. Trotzdem lässt sich die zusehends verwirrte Elin zuerst noch mit Johan ein, der schon lange für sie schwärmt . . .

Der dänisch-schwedische Film «Fucking Åmål» – deutscher Titel: «Raus aus Åmål» – kam 1998 in die Kinos und war ein Grosserfolg. Seither wurde er mehrfach für die Bühne adaptiert. «Ich sah die Dialektfassung von ‹Fucking Åmål› vor einigen Jahren in Basel, seit da gehört es zu meinen Lieblingsstücken. Zu denen, die ich einmal inszenieren möchte», erzählt Regisseur Alex Truffer am Rande der Probe. Nun habe es mit den sieben Projekteilnehmerinnen und -teilnehmern gepasst. «Ich musste allerdings noch drei Erwachsene finden für die Elternrollen.» Darum steht er als Vater von Elin und Jessica auch selber auf der Bühne.

Sie seien bei der Wahl des Stückes nicht involviert gewesen, erzählen Bianca Toneatti und Franziska Riedo in der Pause. Und auch die Rollen habe Regisseur Truffer verteilt. Das habe sie aber nicht gestört: «Er kennt uns ja schon vom ersten Jahr her», sagt Toneatti, im Alltag im zweiten Lehrjahr zur Tiermedizinischen Praxisangestellten. Sie selber sei auch lebhaft wie Elin, «auf der Bühne muss ich das einfach noch stärker ausspielen». Eine lesbische Szene darzustellen, bereite ihr keine Mühe, sagt die 18-Jährige: «Man schlüpft einfach in eine Rolle und spielt. Das bin nicht ich, das ist Elin. Das mag ich eben gerade am Schauspielern.»

Sie stehe gerne auf der Bühne, sagt Franziska Riedo (21). Neben dem Schauspielunterricht besucht die Kauffrau auch regelmässig Ballettstunden. Die Geschichte von Agnes, Elin und den anderen Jugendlichen erscheint ihr im Rückblick auf die eigene Jugend durchaus lebensnah: «Teenagergeschichten, Mobbing, Probleme in der Schule – doch, das ist schon realistisch. Auf der Bühne ist einfach alles etwas gedrängter.»

Der Bund

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