Im Packeis stecken bleiben

Mit Rettungsgürteln aus eingeschweissten Würstchen begibt sich die Gruppe Eberhard-Galati auf eine Expedition ins Feld des Scheiterns.

«Hoping for the best but expecting the worst»: Im Tojo-Theater wird man nolens volens zum Expeditionsteilnehmer.

«Hoping for the best but expecting the worst»: Im Tojo-Theater wird man nolens volens zum Expeditionsteilnehmer.

(Bild: zvg)

Wer das Tojo-Theater in Erwartung eines heimeligen Theaterabends betreten wird, wird umgehend eines Besseren belehrt und nolens volens zum Expeditionsteilnehmer. Mit zweifelhaften Aussichten auf Ruhm und eine sichere Rückkehr steckt man gleich einmal so richtig fest, mittendrin in einem zum Scheitern verurteilten Publikum und, ja, in dichtem Packeis.

Emotionaler Zentralnerv

Man kann unterstellen, dass die 1980 in Olten geborene Regisseurin Eveline Eberhard und der Schauspieler Mauro Galati (Jahrgang 1975) bei der Uraufführung ihrer neuen Bühnenarbeit «Hoping for the best but expecting the worst» genau dies bezweckt haben. Seit 2011 treten die beiden als Formation Eberhard-Galati auf und machen nun am Beispiel der vor 100 Jahren missglückten Endurance-Expedition von Sir Ernest Shackleton in die Antarktis das «Scheitern» zum emotionalen Zentralnerv und ausgeklügelten Stilmittel ihrer Vorstellung. Was dabei herauskommt, ist durchaus cleveres Interaktionstheater, bei dem das Publikum auch mal zur Tür hinausgejagt wird. Mit skurriler Ernsthaftigkeit schlüpften Galati und seine Bühnenpartner Sylvia Garatti und Jürg Plüss in die Rollen von Shackletons zusehends demoralisierten Männern. Doch selbst das schlimmste Schlamassel lässt sich mit «Punk und Solidarität» überleben, das beweist die Truppe, und der Misserfolg gerät am Ende zur komödiantischen Gruppenkatharsis, denn immerhin geht es um nichts weniger als um die Wurst: Mit Rettungsgürteln aus eingeschweissten Würstchen stehen die drei Performer mit ulkigen Masken als leibhaftige Pinguin-Punkrockband auf der Bühne respektive im Packeis und trotzen mit coolen Beats den Kunstschneestürmen und dem Schicksal.

Am Ende überleben, wie schon bei Shackleton, alle – auch die Zuschauer. Und die Würstchen werden auf dem Grill als letzte Ration ganz anständig geteilt.

Tojo-Theater Donnerstag, 19., Freitag, 20., und Samstag, 21. März, jeweils 20.30 Uhr.

Der Bund

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