Worte, Musik und Vögel

Tiergeschichten im Dählhölzli und Streitbares auf der Münsterplattform: Die fünfte Ausgabe des Berner Literaturfests bietet eine breite Palette an literarischen Veranstaltungen.

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«Literatur die berührt, bereichert und den Horizont erweitert. Literatur, die Diskussionen auslöst und Gedanken anstösst.» Das soll an der diesjährigen fünften Ausgabe des Berner Literaturfestes gemäss Programmheft offeriert werden. Während insgesamt vier Tagen lesen an die 40 Autoren und Autorinnen in acht verschiedenen Ortschaften Texte, dieses Jahr ist nebst Bern, Biel, Köniz, Meikirch, Münchenbuchsee, Schwarzenburg und Thun nun zum ersten Mal auch Burgdorf mit vertreten. In der Stadt Bern selber wird an insgesamt 14 Orten vorgetragen, wobei bei gutem Wetter viele Veranstaltungen draussen stattfinden – so zum Beispiel auf der Münsterplattform oder beim Lischetti-Brunnen – und unentgeltlich besucht werden können.

Für Diskussionen sorgen wird bei der diesjährigen Jubiläumsausgabe zumindest ein Literat garantiert, zumal er das bereits im Vorfeld getan hat. Die Rede ist von Urs Mannhart, dem Mann also, der sich für seinen dritten Roman «Bergsteigen im Flachland» bei seinem österreichischen Berufskollegen Thomas Brunnsteiner bedient haben soll, ohne diese Verwendung zu deklarieren. Das Berner Literaturfest hat prompt auf die Plagiats-Vorwürfe reagiert, indem unmittelbar auf die Kurzlesung des 38-jährigen Berners eine Diskussionsrunde folgt, in welcher der Autor selber, Daniel Puntas Bernet (Chefredaktor «Reportagen») und Christian Ruzicska (Secession-Verlag Berlin) die Vorwürfe öffentlich verhandeln.

Küken und alte Hasen

Urs Mannhart ist bei weitem nicht der einzige Berner Autor, der beim Literaturfest vertreten ist. Ganz im Gegenteil findet sich im Programm eine Vielzahl an Schreibenden, die in der Stadt Bern selber zu Hause sind oder es einmal waren. Nebst den Lokalhelden Matto Kämpf, der aus seinem ersten Roman «Kanton Afrika» liest, Christoph Simon, der sich in «Viel Gutes zum kleinen Preis» auch von einer bisher unbekannten Seite als Zeichner und Cartoonist zeigt, und Raphael Urweider, der nebst neuen Gedichten auch eine zweisprachige Ausgabe von Robert Walsers «Teich» vorstellt, wäre da zum Beispiel auch noch Martin Bieri mit seinen kraftvollen und politischen Gedichten oder Stefanie Grob mit ihren pointierten Alltagsbeobachtungen.

Generell gibt es an der diesjährigen Ausgabe des Literaturfestes viele junge Schriftsteller und Schriftstellerinnen zu entdecken. So werden zum Beispiel die Gewinner des letztjährigen Open-Mike-Wettbewerbs – eine der wichtigsten deutschsprachigen Plattformen für junge Literaten – vor Ort sein. Zudem stellen Schreibende, die an der Höheren Fachschule für Sprachberufe in Zürich studiert haben oder es immer noch tun, ihre Werke vor, wobei sowohl Lyrisches und Episches als auch Texte für Radio oder Theater präsentiert werden.

Breite Palette

Nebst vielen Neulingen finden sich auch zahlreiche bekannte Namen im Programm. So ist der unverwüstliche Peter Bichsel, der seit bald fünfzig Jahren als Autor tätig ist, vor Ort, Adolf Muschgs engagierte und kritische Stimme wird zu vernehmen sein, Pedro Lenz darf natürlich nicht fehlen, Lukas Bärfuss gibt Auskunft über politische und künstlerische Funktion von literarischem Schreiben, und Ruth Schweikert wird wohl Passagen aus ihrem neuen Roman lesen, der nächsten Frühling erscheinen soll.

Es ist eine breite Palette an verbalen Ausdrucksformen, welche es am Berner Literaturfest zu erforschen gibt. So wird neben Epischem, Dramatischem und Lyrischem auch Spoken-Word-Kammermusik vom Duo Fitzgerald & Rimini geboten. Ein weiteres Gespann, das Worte mit Musik kreuzt, bildet der Avantgarde-Komponist Simon Ho zusammen mit Autor Michael Fehr. Interessant dürfte auch werden, wenn Schauspieler Stefan Suske im Tierpark Dälhölzli aus Robert Walsers «Der kleine Tierpark» liest und die Vertonung dabei ganz den Vögeln und Tierparkbewohnern überlässt.

Diverse Orte bis So, 24. August. 
www.berner-literaturfest.ch (Der Bund)

Erstellt: 21.08.2014, 13:01 Uhr

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