Techno im barocken Garten

Vom Kampf zwischen Anpassung und Individualität: «Untold» von 3art3.

Gold an den Körpern: Kompanie 3art3.

Gold an den Körpern: Kompanie 3art3. Bild: zvg

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Alles ist Gold. Die Wege, die durch das Land aus funkelnden Pailletten führen, sind vorgezeichnet, die Bühnenkulisse wird von der Struktur beherrscht. «Dieser barocke Garten widerspiegelt das Bedürfnis des Menschen nach Ordnung», sagt Daniel Hellmann, der 2012 zusammen mit Quan Bui Ngoc die Kompanie 3art3 gegründet hat. Geht es um Geld, den schönen Schein oder Illusionen? «Das Gold vermittelt Glamour, erinnert aber auch an eine Discokugel und transportiert so eine moderne Ästhetik.» Und wenn die Tänzer die Wege nach und nach mit ihren Körpern zerstören, bleibt das Gold an den Körpern kleben.

Auch für ihre zweite Produktion «Untold» vereinen Hellmann und Bui die Disziplinen: Fünf Tänzer und Tänzerinnen, zwei Cellistinnen, ein Opernsänger und eine Elektro-Musikerin schaffen emotionalisierende Bilder – und konfrontieren Händel und Vivaldi mit Techno. «In der Barockmusik gibt es die Affektenlehre: Ein Komponist erzeugt mit gewissen musikalischen Strukturen eine bestimmte Emotion. Das ist eine Art der Manipulation, die natürlich sehr schön, aber auch unheimlich ist. Auch in der heutigen elektronischen Musik gibt es diesen Dualismus: Der Exzess und die Freiheit werden gefeiert, die Musik gibt jedoch mit dem klaren Beat eine strenge Struktur vor», so Hellmann, der neben der künstlerischen und musikalischen Leitung gleichzeitig tanzender Bariton ist. Nachdem der Zürcher und der in Vietnam geborene Bui in ihrem ersten gemeinsamen Stück «K.» (das letztes Jahr eine Auszeichnung der Stadt Zürich im Bereich Tanz erhielt) an der Idee des Kollektivs rüttelten, wird nun das Unsagbare zum Thema. Es geht um den Kampf zwischen der Anpassung und dem Ausleben der eigenen Individualität. Wie beeinflusst uns die Gesellschaft mit ihren Ritualen und Gesetzen? Welche Rolle spielen die Erziehung, Politik, Ökonomie? Die Darsteller aus den verschiedenen Ecken der Welt (unter anderem aus Vietnam, den USA, Norwegen und Italien) beantworten diese Fragen ganz unterschiedlich.

«Untold» ist ein poetischer Befreiungskampf, der «unter der Haut stattfindet», von wo das Ungesagte durch die Körper nach aussen dringt.

(Der Bund)

Erstellt: 10.04.2014, 09:10 Uhr

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