Die Suche nach den Mördern, deren Opfer auch Täter waren

Aufwühlend: In Christine Brands Krimi «Stiller Hass» ermittelt die Journalistin Milla Nova im Politmilieu und stösst auf Kinderpornografie.

Die 42-jährige Christine Brand hat sich in ihren bisherigen Krimis rund um die hyperaktive Fernsehjournalistin Milla Nova immer wieder gesellschaftspolitischen Themen zugewandt.

Die 42-jährige Christine Brand hat sich in ihren bisherigen Krimis rund um die hyperaktive Fernsehjournalistin Milla Nova immer wieder gesellschaftspolitischen Themen zugewandt. Bild: zvg

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«Wenn Sie auch nur versuchen, aufzustehen oder den Stuhl zu verrücken, sind Sie nicht mehr am Leben.» Ganz allein sitzt er mit geschlossenen Augen im Nationalratssaal, der einsamste Politiker unter der Bundeshauskuppel. Seine Kolleginnen und Kollegen sind in Panik davongestürzt, nachdem bekannt geworden war, dass unter dem Stuhl von Konrad Sutter ein Sprengsatz montiert ist.

Die telefonische Drohung einer unbekannten Frau stellt sich zwar als falscher Alarm heraus, aber der Politiker stirbt bald darauf auf einer seiner abendlichen Ausfahrten mit dem Rennvelo – ein über die Strasse gespannter Draht enthauptet ihn beinahe.

In «Stiller Hass», dem vierten Krimi der Berner Journalistin und Autorin Christine Brand, gibt es allerdings noch eine zweite Leiche, deren Ableben kriminalistische Fragen nach sich zieht. Der Ehemann von Polizeikommissarin Lisa Kunz wird zu Hause erhängt aufgefunden und die ehrgeizige Chefin des Dezernats Leib und Leben nach dem Tod ihres Mannes von ihrer verdrängten Vergangenheit eingeholt.

Die beiden Männer verband ein dunkles Geheimnis, wie die einmal mehr furchtlos recherchierende Fernsehjournalistin Milla Nova herausfindet: Der Politiker und der Banker vertrieben nicht nur Kinderpornografie, die beiden respektierten «Stützen der Gesellschaft» waren selber auch aktiv an der Herstellung von einschlägigen Filmen beteiligt. Oder ist die Verbindung Sutters zu einer Tessiner Firma, die in mafiöse Geschäfte mit atomarem Abfall und Giftmüll verwickelt war, die heissere Spur?

Zu gewichtigen Auftritten kommt bereits bekanntes Personal wie die scharfsinnige Rechtsmedizinerin Irena Jundt und Milla Novas Freund: Ausgerechnet der Bundespolizist ­Sandro Bandini übernimmt die Ermittlungen im Fall Sutter und kompliziert damit die ­Beziehung zu seiner unberechenbaren Geliebten aus der «Medienmeute».

Die Täterin erklärt sich

Die 42-jährige Christine Brand hat sich in ihren bisherigen Krimis rund um die hyperaktive Fernsehjournalistin Milla Nova immer wieder mit viel Detailkenntnis gesellschaftspolitisch brisantem Terrain zugewandt, vom Milieu des Drogenstrichs etwa bis zu dem der rechts­extremen Szene.

In «Stiller Hass» dreht die Autorin nicht nur überaus effektiv an der Spannungsschraube, sie lässt die eine Täterin auch in einem dichten inneren Monolog über ihr – durch einen von Sutter verursachten Unfall – zerstörtes Leben reflektieren. Und natürlich begibt sich die unerschrockene Milla Nova wieder in akute Lebensgefahr. Ihr Polizisten­freund muss hilflos mitansehen, wie ihr im Showdown der Lauf einer Dienstwaffe an die Schläfe gedrückt wird.

Christine Brand: Stiller Hass, ­Land­verlag, Langnau 2015, 448 S., 30.90 Fr.
Buchvernissage: heute, 20 Uhr, Buchhandlung Stauffacher Bern.

(Der Bund)

Erstellt: 25.03.2015, 15:01 Uhr

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