21 Tage lang Utopia

Diese Woche startet das Una-Festival, soziales Projekt und Spielwiese für alle, die sich kulturell ausleben möchten. Ein Gespräch mit der Kom­munikationsverantwortlichen Anna Bouwmeester.

«Das Erlebnis wird gemeinsam erschaffen»: Das Organisationskomitee des Una-Festivals mit Anna Bouwmeester (hintere Reihe, 2. v. l.).

«Das Erlebnis wird gemeinsam erschaffen»: Das Organisationskomitee des Una-Festivals mit Anna Bouwmeester (hintere Reihe, 2. v. l.).

(Bild: zvg)

Letztes Jahr haben Vermummte die Grosse Halle der Reitschule gestürmt und die Kasse mitgehen lassen. Das Una-Festival hat an eben diesem Ort seine Basis-Station. Macht Ihnen das Sorgen?
Das war ein einmaliger Vorfall, der unabhängig vom Veranstalter sehr bedauerlich und verwerflich ist. Das Una-Festival vertritt die Haltung, dass alle Menschen willkommen sind. Es ist uns ein Anliegen, Brücken zu schlagen zwischen verschiedenen Lebensphilosophien. Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen realisieren hier Projekte, und wir hoffen, dass auch die Besucher diese Vielfalt widerspiegeln.

Wie politisch ist Una?
Wir wollen Alternativen zum Konsum- und Leistungsdiktat erkunden. Eine Abwende vom Jeder-für-sich hin zum gemeinsamen Erschaffen. Es geht uns darum, die Kräfte in Bern zu bündeln: Was passiert, wenn Menschen zusammenspannen, die sich vorher noch nicht gekannt haben? Dass wir ein unkonventionelles Vorgehen wählen, ist uns bewusst. Normalerweise läuft ein Festival ja so ab: Ein paar wenige bestimmen, und allen anderen bleibt nur noch die Möglichkeit des Konsumierens. Wir kehren das um: Das Erlebnis wird gemeinsam kreiert. Im OK sind wir zwölf Personen, die dafür einen Rahmen bieten. Dieser wird gefüllt mit Beiträgen von zahlreichen Kunst-, Kultur- und Kreativschaffenden aus Bern.

Una findet in der Reitschule statt und vertritt linkspolitische Ideale. Sie haben schon auch damit gerechnet, dass der Anlass kritisch beäugt werden könnte?
Das Una vertritt gesellschaftskritische Ideale. Natürlich. Die gesellschaftliche Vorbelastung der Reitschule macht sie als Austragungsort zu einem interessanten, wenn auch anspruchsvollen Ort. Aber das ist kein Hindernis für uns. Ein Ziel ist, die verschiedensten Menschen zusammenzubringen, egal woher sie stammen und welcher gesellschaftlichen Gesinnung sie angehören, solange sie sich mit der Philosophie von Una identifizieren können.

Wäre ein neutralerer Austragungsort nicht geeigneter gewesen?
Zuerst war der Ort, dann die Idee: Es sprach sich herum, dass die Grosse Halle für experimentelle Anlässe zur Verfügung stehen würde. Ein paar Leute haben die Chance gepackt – und daraus ist eben Una entstanden.

In den drei Festivalwochen werden mehr als 60 verschiedene Projekte gezeigt: Installationen, Theater, Vorträge, Workshops, Konzerte. Macht das nervös?
Nun, da es endlich losgeht, löst sich bei uns die Anspannung. Die Macher der einzelnen Projekte beleben die Grosse Halle mit ihren Inhalten, Material wird angeliefert, der Aufbau nimmt seinen Lauf, die technische Infrastruktur beginnt zu leuchten, und das Experiment fängt an zu leben. Wir sind voller Vorfreude. Gerade auch, weil niemand genau weiss, was zu erwarten ist. Wie im Leben wird sicher auch beim Una nicht alles nach Plan verlaufen. Und nur weil unser Programm feststeht, heisst es nicht, dass nicht auch Raum bleibt für spontane Einfälle. Wem kurzfristig noch etwas Bereicherndes in den Sinn kommt, ist herzlich willkommen.

Der Bund

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