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Diskriminierung wegen CoronaAfrikaner werden in China zu Sündenböcken gemacht

Weil sich das Land vor einer zweiten Infektionswelle fürchtet, stehen Schwarze unter Generalverdacht. Viele afrikanische Länder bestellen aus Protest chinesische Botschafter ein.

Zwei Männer mit Schutzmasken im African Village in Guangzhou: In dieser Region Chinas wurden Afrikaner aus Hotels und Wohnungen geworfen, nur weil sie schwarz sind.
Zwei Männer mit Schutzmasken im African Village in Guangzhou: In dieser Region Chinas wurden Afrikaner aus Hotels und Wohnungen geworfen, nur weil sie schwarz sind.
Keystone/EPA/Alex Plavevski

So etwas hatte bisher wohl kaum ein chinesischer Diplomat erlebt, sich einer solchen öffentlichen Demütigung hingeben zu müssen. Vor einer guten Woche lud der Sprecher des nigerianischen Parlaments Femi Gbajabiamila den chinesischen Botschafter Zhou Pingjian in sein Büro und begann, ihn vor laufender Kamera zu massregeln. Später wurde das Video ins Internet gestellt. «Es ist fast undiplomatisch, die Art, wie wir sprechen, was aber daran liegt, dass ich sehr aufgebracht bin über das, was passiert», sagte Gbajabiamila.

Ein Gefühl, das er mit vielen Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent teilte, die in den vergangenen Wochen Videos aus der Region Guangzhou in den sozialen Netzwerken gesehen haben, in denen gezeigt wird, wie Afrikaner aus ihren Hotels und Wohnungen geworfen werden, in denen sie davon berichten, nicht mehr in Restaurants zu dürfen, weil sie schwarz sind sie berichten vom alltäglichen Rassismus in China. Begonnen hatten die rassistischen Ausfälle Anfang April, als einige Nigerianer positiv auf Covid-19 getestet wurden und einer von ihnen angeblich eine chinesische Krankenschwester angegriffen hatte.

McDonald’s verweigerte Schwarzen den Zutritt

Daraufhin begann eine offenbar von der lokalen Regierung gestartete Kampagne gegen Afrikaner, die aus ihren Wohnungen geworfen wurden, ihre Jobs verloren und sich nur aufgrund ihrer Hautfarbe in Quarantäne begeben mussten. Das Viertel Xiao Bei Lu in der 13-Millionen-Stadt Guangzhou wird auch Africa Town genannt. Zehntausende Händler, die vor allem aus Nigeria und auch der Demokratischen Republik Kongo kommen, handeln hier mit Textilien, mit traditionellen afrikanischen Stoffen und Kleidung, die in China hergestellt und dann in die Heimat exportiert wird. Rassismus habe es in China immer gegeben, berichten sie.

Aber nun sei er ausser Kontrolle geraten. Sogar McDonalds verweigerte Schwarzen den Zutritt. Nur Botschafter Zhou hatte die Videos offenbar noch nicht gesehen, woraufhin ihm Parlamentssprecher Gbajabiamila gern behilflich war. Anschliessend verbeugte sich Zhou und versprach, die Beschwerden sehr ernst zu nehmen. Sie kommen derzeit aus vielen Teilen des Kontinents; ein Dutzend afrikanische Länder bestellten die chinesischen Botschafter ein. Moussa Faki Mahamat, der Vorsitzende der Afrikanischen Union, äusserte seine «extreme Besorgnis». Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang, weil afrikanische Staaten wie Südafrika oder Ghana Probleme mit China normalerweise im Stillen regeln. Und China öffentliche Kritik gern als Einmischung in innere Angelegenheiten zurückweist.

Peking räumt Fehler ein

Diesmal versprach Peking Besserung. Zhao Lijia, der Sprecher des Aussenministeriums, sprach von «verständlichen Bedenken und legitimen Anliegen», die vorgebracht worden seien. Die Frage ist, ob der Schaden so schnell wieder gutzumachen ist. In Nigeria und Kenia war der Ärger in den Zeitungen und sozialen Medien gross, ein Parlamentsabgeordneter in Nairobi überlegt laut, alle Chinesen auszuweisen. China hat in den vergangenen Jahren viel Geld und Zeit darauf verwendet, in den allermeisten afrikanischen Staaten in Infrastrukturprojekte zu investieren und die diplomatischen Beziehungen zu intensivieren. Im Gegenzug gab es Zugang zu Rohstoffen und Unterstützung in den Gremien der UNO. Es war eher ein Zweckbündnis als eine herzliche Freundschaft. Wie es weitergeht, ist offen. Viele Länder sind ohnehin verärgert, dass China bisher keine Anstalten macht, sie von den Auslandschulden zu entlasten. Es wäre eine versöhnliche Geste.