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Kommentar zum Geschäft mit ElektroautosAbgehängte Veteranen

Der E-Auto-Hersteller Tesla verkauft viel weniger Autos als die deutschen Traditionshersteller. Und doch ist er an der Börse mehr wert als BMW, Daimler und VW zusammen.

Tesla-Chef Elon Musk kann jubeln – wie hier über sein Model 3 in China.
Tesla-Chef Elon Musk kann jubeln – wie hier über sein Model 3 in China.
Foto: Aly Song (Reuters)

Es ist ein Zufall mit reichlich Symbolkraft: Just an dem Tag letzte Woche, an dem der Stuttgarter Autobauer Daimler Milliardenverluste meldet und über einen historischen Jobabbau diskutiert, liefert der E-Auto-Emporkömmling Tesla den vierten Quartalsgewinn in Folge. Jede Menge Erfolgsmeldungen aus Palo Alto, viele düstere Prognosen in Stuttgart – obwohl die Deutschen viel mehr Autos verkaufen als die Kalifornier. Die alten Diesel- und Benzinschmieden müssen sparen, die Neuen aus Palo Alto expandieren, unter anderem südöstlich von Berlin. Und an der Börse ist Tesla jetzt mehr wert als BMW, Daimler und VW zusammen.

Geänderte Spielregeln

Das alles bedeutet nicht, dass die alten Autohersteller abgemeldet sind – aber sehr wohl, dass sich die Spielregeln geändert haben. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie über Tesla und den exzentrisch-flamboyanten Chef Elon Musk gelacht. Kalifornien? Na ja. E-Autos? Hey, wir haben den Stern auf der Motorhaube! Jetzt treibt Musk die Veteranen vor sich her.

Natürlich hat der 49-Jährige einen Vorteil. Er musste sich gar nicht erst mit Altlasten wie Diesel- und Benzinmotoren herumschlagen. Umbauen muss er Tesla auch nicht, er ist ja schon da, wo die anderen erst noch hinwollen. Dass sie viel grösser sind als Tesla, hilft den deutschen Konzernen kaum in diesem Wettbewerb, im Gegenteil. Sie haben gute Chancen, wenn sie konsequenter als bisher auf die Autos der Zukunft setzen – und keine wertvolle Zeit mit Führungskämpfen verlieren wie zuletzt VW.