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Kommentar zu JordanienAbdullah sollte von Erdogan lernen

Die Gruppe der Unzufriedenen reicht mittlerweile bis in die königliche Familie.

Jordanien war immer eine Monarchie – aber kein Willkürstaat: König Abdullah II.
Jordanien war immer eine Monarchie – aber kein Willkürstaat: König Abdullah II.
Foto: Ali Jarekji (Reuters)

König Abdullah II. hatte bislang vor allem eines im Angebot: Stabilität. Er lebte gut davon. Während sich in der Region Staatsoberhäupter in antiisraelischer Rhetorik ergingen, Diktatoren ihre Bürger folterten, Revolutionen scheiterten und Volksgruppen sich bekriegten, war sein Königreich vor allem: geschätzter Partner.

Die Stabilität von Abdullahs Staat war mit Milliarden Dollar Militär- und Wirtschaftshilfe aus dem Ausland erkauft. Doch das Königreich der Flüchtlinge – erst kamen die Palästinenser, dann die Iraker, dann die Syrer – wäre längst explodiert, wenn der Hof der Bevölkerung nicht auch gestattet hätte, Druck zumindest verbal abzubauen. Ein Hort der Liberalität und Meinungsfreiheit war Jordanien dabei nie, sondern immer eine Monarchie – aber eben auch kein Willkürstaat.

Zuletzt aber verdichteten sich die Zeichen, dass das Königshaus hartes Durchgreifen für notwendig erachtet – und es ist zu befürchten, dass sich dieser Trend nach dem angeblichen Umsturzversuch verstärken wird.

Die Türkei unter Erdogan zeigt, dass sich Staaten mit Härte allein nicht stabilisieren lassen.

Dass das jedoch genau der falsche Weg wäre, könnte Abdullah an einem Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit studieren: Bei einem anderen Partner des Westens in der Region folgte auf einen Putschversuch eine harsche Reaktion des Staatsoberhaupts. Er forcierte das gesellschaftliche Klima und jagte vermeintliche Verräter in staatlichen Institutionen.

Das Beispiel von der Türkei unter Recep Tayyip Erdogan zeigt jedoch, dass sich Staaten mit Härte allein nicht stabilisieren lassen: Heute ist dort die Gesellschaft gespalten, das Verhältnis zu den Partnern zerrüttet – und der Präsident findet kein anderes Mittel mehr, als seinen Kurs immer weiter zu verschärfen. Dass die Gruppe der Unzufriedenen mittlerweile bis in die königliche Familie reicht, sollte Abdullah besser als Anlass zum Nachdenken nehmen. Vielleicht erkennt er dann mit Blick auf die Türkei: Wenn der Druck steigt, sind flexible Systeme meist stabiler als jene, die nur hart und starr sind.

2 Kommentare
    Joe Pinter

    Könige, Diktatoren, Despoten, Militärs, die gegen das eigene Volk antreten anstelle dies zu verteidigen, selbstherrliche und selbstverliebte Gewaltherrscher, die immer wieder versuchen ihre Familien-Clans als Dynastien aufzubauen. Und das alles im Jahre 2021, wo man denkt, dass das Mittelalter in tiefe, mystische Vergangenheit versunken sein sollte. Wann beginnt das Volk zu verstehen, dass mehr als die Hälfte der Welt von Psychopathen und Politclowns beherrscht wird; offensichtlich hat Demokratie, einem System, in welchem das Volk wirklich der Chef wäre noch einen sehr langen Weg vor sich.