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Geldblog: Marktschrei(b)erABB-Rückkäufe trösten die Aktionäre

Nestlé zieht zahlungskräftige Kunden an +++ Gute Aussichten für Huber+Suhner dank 5G +++ Getrübte Grossbanken-Freude +++ Komax kämpft sich aus dem Loch

ABB : Dank Neuorganisation und Sparmassnahmen hat sich die Profitabilität deutlich verbessert.
ABB : Dank Neuorganisation und Sparmassnahmen hat sich die Profitabilität deutlich verbessert.
Foto: Melanie Duchene/Keystone

ABB: Halten

Björn Rosengren, der Superkonzernchef von ABB, ist nun über ein halbes Jahr im Amt. Aber auch er kann in Corona-Zeiten keine Wunder bewirken. Der Zyklen stark ausgesetzte Elektrotechnik- und Automationskonzern kämpft nach wie vor gegen den Corona-Einbruch an. Die Situation ist zwar nicht mehr so schlimm wie im Frühjahr, doch der Umsatz war im dritten Quartal in allen vier Geschäftsbereichen rückläufig. Auch im Schlussquartal ist angesichts der anrollenden zweiten Corona-­Welle keine Entspannung in Sicht. Doch es gibt Lichtblicke. Dank Neuorganisation und Sparmassnahmen hat sich die Profitabilität deutlich verbessert. Fallen die lästigen Sonder­effekte weg, scheint Rosengrens Ziel einer Betriebsmarge von 15 Prozent in Reichweite. Doch ohne Erholung der industriellen Nachfrage wird das nicht gehen. Bis dahin können sich Anleger mit dem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm trösten, das durch den Verkauf der Stromnetzsparte ermöglicht wurde. Im November will ­Rosengren den Verkauf weiterer Unternehmensteile ankündigen. Das dürfte die Aktien etwas beleben. Doch angesichts eines aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 24 haben die Papiere im Krisenumfeld nicht viel Potenzial nach oben. Halten

Nestlé: Dosiert kaufen

Die jüngsten Zahlen haben es noch verdeutlicht: Nestlé gehört zu den Profiteuren der Covid-Krise. Im dritten Quartal ist der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern aus eigener Kraft fast 5 Prozent gewachsen. Für das Gesamtjahr strebt der Chef Mark Schneider neu deshalb ein Plus von 3 oder mehr Prozent an. Umgerechnet bedeutet das, dass Nestlé im Vergleich zu 2019 beinahe um den gesamten Umsatz der Luzerner Milchverarbeiterin Emmi wachsen würde. Dieser Erfolg ist aus meiner Sicht zu einem grossen Teil das Resultat eines von Schneider im Jahr 2017 eingeläuteten Konzernumbaus. Die Investition in lukrative Bereiche wie Kaffee und Tiernahrung macht sich jetzt bezahlt. Mit starken Marken wie Starbucks oder Purina gelingt es Nestlé, mehr Kunden anzuziehen. Und diese Kunden sind bereit, mehr Geld auszugeben. Zudem freut mich das starke Wachstum im Onlinegeschäft, das nicht nur wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit in vielen Ländern immer mehr zum Thema wird. Insgesamt ist das Fundament für weitere erfolgreiche Quartale gelegt, wovon auch die Aktionäre profitieren werden. Dosiert kaufen

Huber+Suhner: Kaufen

Huber+Suhner stellt Kabel und Verbindungstechnik für elektronische Geräte her. Ein wichtiger Umsatzträger ist Verbindungstechnik für Handymasten. Jetzt läuft die Umrüstung auf 5G an, und ich ging davon aus, dass Huber+Suhner schon dieses Jahr merklich davon profitieren würde. Die Neunmonatsumsätze deuten allerdings noch nicht auf eine nachhaltige Erholung vom Corona-Rückschlag hin. Zwar sind die Umsatz- und Bestellungsrückgänge geringer als zur Jahresmitte, doch das kommt vor allem daher, dass das dritte Quartal des Vorjahres schwach war. Huber+Suhner hält deshalb an der vorsichtigen Prognose für das Gesamtjahr fest und hat einen Stellenabbau von etwa 5 Prozent der Belegschaft angekündigt. Langfristig ist das Unternehmen gut positioniert. Immer grösser wird der Teil des Umsatzes, der auf Zukunftsindustrien wie Mobilkommunikation, Elektromobilität und Rechenzentren­lösungen ausgerichtet ist. Deshalb sollten Kursrückschläge genutzt werden. Kaufen

UBS: Meiden

UBS hat vergangene Woche Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Der abtretende Chef Sergio Ermotti verabschiedet sich mit dem besten Ergebnis seit zehn Jahren. Im Corona-Jahr läuft das Geschäft für die Grossbanken. Das werden nächste Woche auch die Zahlen von Credit Suisse zeigen. Der Handel mit Wertpapieren boomt, was in den Investmentabteilungen der Geldhäuser die Kassen klingeln lässt. Die Aktionäre dürfen sich auf eine wachsende Dividende und neue Aktienrückkaufprogramme freuen. Und dazu bewerkstelligen UBS und CS etwas, was sie in den letzten zehn Jahren kaum schafften: eine Eigenkapitalrendite klar über 10 Prozent. Sie schaffen so effektiv Wert für ihre Aktionäre. Allein der Markt bleibt skeptisch. Die hohen Handelsvolumina und -einnahmen sind ein kurzfristiges Phänomen. Was den Banken danach bleibt, ist ein brutales Tiefzinsumfeld und anhaltender Margen­zerfall. Damit die Aktien von UBS und CS wirklich wieder einen Kauf wert sein sollen, müssen die Grossbanken auch in Zukunft konsequent liefern – nicht nur drei Quartale lang. Bis dahin gilt: Meiden

Komax: Kaufen

Beim Maschinenhersteller Komax läuft es seit bald zwei Jahren gar nicht rund. Das Unternehmen aus dem luzernischen Dierikon ist Marktführer bei Maschinen zur Kabelverarbeitung. Seine Kunden sind Zulieferer der Automobilindustrie. 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Komax mit dieser Branche. Kein Grund zur Freude in letzter Zeit: Der Automobilindustrie ging es schon vor Corona schlecht. Der Handelsstreit traf sie überdurchschnittlich, ebenso neue Regulationen der EU zum CO2-Ausstoss. Komax kündigte daher schon Kurzarbeit an, bevor Corona die Welt heimsuchte. Als dann grosse Autohersteller ihre Werke wochenlang schliessen mussten, wurde es noch schlimmer. All das spiegelt sich im Aktienkurs, der seit Anfang 2019 fast nur an Wert verlor. Jetzt könnte es aber langsam wieder aufwärtsgehen: Seit Mitte Jahr habe sich die Situation von Monat zu Monat verbessert, sagte der Firmenchef Matijas Meyer an einem Investorentag. Die Erholung brauche aber Zeit. Wer die hat, soll jetzt einsteigen. Mittelfristig dürfte sich das auszahlen. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.