Annemarie Berlinger, unschlagbar

An Wahlpodien überliess sie das Gezänk eher ihren Konkurrenten. Dennoch oder gerade darum erobert Annemarie Berlinger für die SP das Könizer Gemeindepräsidium zurück.

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Annemarie Berlinger (SP), Hans-Peter Kohler (FDP) und Thomas Brönnimann (GLP) hatten sich einen langen und sehr fordernden Wahlkampf ums Könizer Gemeindepräsidium geliefert. Entsprechend greifbar war ihre Nervosität vor der gestrigen Bekanntgabe der Wahlresultate. Nur etwas wirkte in den spannungsgeladenen Minuten erklärungsbedürftig: Nur eine Partei hatte einen Blumenstrauss mit dabei. SP-Parlamentarierin Arlette Stauffer, von Beruf Floristin, hatte dreissig rote Rosen zu einem sehr üppigen Bouquet gebunden. Wusste sie mehr als alle anderen Wartenden?

Rote Rosen für Berlinger

Wenig später waren alle Fragen vom Tisch: Annemarie Berlinger wird neue Könizer Gemeindepräsidentin (siehe unten stehendes Interview). Für den Freisinnigen Hans-Peter Kohler blieb die 45-jährige Juristin letztlich ausser Reichweite – trotz des augenfällig gut bestückten Wahlbudgets und des Supports der grössten bürgerlichen Partei, der SVP. Thomas Brönnimann wiederum, der mit seiner Teilnahme an der Stichwahl den Wahlkampf zwischen den grossen politischen Blöcken tüchtig aufgemischt hatte, ist mit seinen 17,4 Prozent nicht wirklich zufrieden. Er habe «auf 20 Prozent gehofft» und manchmal «von 25 Prozent geträumt», räumte er ein.

Bürgerliche verlieren Präsidium

Ein Linksrutsch ist die Wahl Berlingers nicht. Die personelle und parteipolitische Zusammensetzung des Gemeinderats steht bereits seit dem ersten Wahlgang vom 24. September fest. Zu bestimmen war gestern noch, wer den Gemeinderat künftig präsidieren wird. Eine Nebensache ist das freilich nicht, denn in Köniz ist das Gemeindepräsidium mit dem wichtigsten Steuerungsdossier – den Finanzen – verknüpft. Dieses bis anhin von Ueli Studer (SVP) gehaltene Schlüsseldossier geht nach vier Jahren nun wieder an die SP: Für die politische Ausrichtung des stark erneuerten Gemeinderats ist das eine bedeutende Akzentverschiebung. Hans-Peter Kohler sah sich gestern gleichwohl keineswegs als Verlierer. Er sei zwar kein Sieger, aber ein Gewinner. Sein Hauptziel, hauptberuflich in die Politik einzusteigen, sei ihm gut geglückt. Zudem habe die FDP im Soge seines persönlichen Engagements zugelegt. Das sei «sehr erfreulich». Einzig «das Sahnehäubchen» fehle.

Soziales für Kohler?

Annemarie Berlinger wird den Gemeinderat künftig präsidieren. Und angehören werden ihm nebst Hans-Peter Kohler und Thomas Brönnimann die am 24. September gewählten Gemeinderäte Christian Burren (SVP) und Hansueli Pestalozzi (Grüne). Unklar ist noch, wer in welcher Rolle mitregieren wird. Die Departementszuteilung steht erst an. Erste Präferenzen sind aber bereits bekannt. Thomas Brönnimann, der einzige Bisherige im Gemeinderat, macht keinen Hehl daraus, dass er mit einem Wechsel von der Direktion Bildung und Soziales in die Direktion Planung und Verkehr liebäugelt. Und der zum Berufspolitiker avancierte Kohler sagt, für ihn entspräche die Direktion Bildung und Soziales einem seiner Departementswünsche, «obwohl ich grundsätzlich noch sehr offen bin». Dass Hansueli Pestalozzi und Christian Burren die für Köniz bedeutende Direktion Planung und Verkehr diskussionslos ihrem Ratskollegen Brönnimann überlassen werden, ist zumindest eher wenig wahrscheinlich.

Das Gesamtbild: Starke Mitte

Wie also tickt Köniz ab Januar 2018 politisch? Die parteipolitische Zusammensetzung des Gemeinderats bleibt unverändert, aber angesichts Berlingers Wahl erfolgt die geschilderte Akzentverschiebung. Fürs Gesamtbild gilt es, sich die Resultate der Parlamentswahlen (siehe Tabelle) in Erinnerung zu rufen: Hier zeigt sich eine klare Stärkung der Mitte, zumal sich zwischenzeitlich auch noch die BDP entschieden hat, sich zur Mitte-Fraktion zu gesellen. In grünen und gesellschaftspolitischen Fragen zeigen sich satte Mitte-links-Mehrheiten an. Übrigens: Im Fall einer Niederlage hätte sie die SP-roten Rosen dem Sieger überreicht, versicherte Arlette Stauffer. (Der Bund)

Erstellt: 22.10.2017, 15:04 Uhr

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