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Zahlreiche Skifahrer verschüttetMehrere Tote durch Lawinen in der Schweiz

Am Montag und übers Wochenende sind mehr als ein Dutzend Wintersportler von Lawinen mitgerissen worden.

Beim Befahren eines steilen Couloirs löste ein Skifahrer eine Lawine aus, die 10 Personen mitriss. Die felsdurchsetzte Steilwand im Gebiet Attelas in Verbier. (18. Januar 2021)
Beim Befahren eines steilen Couloirs löste ein Skifahrer eine Lawine aus, die 10 Personen mitriss. Die felsdurchsetzte Steilwand im Gebiet Attelas in Verbier. (18. Januar 2021)
Foto: Kantonspolizei Wallis

Die prekäre Lawinensituation hat am Wochenende und zum Wochenbeginn mehrere Menschen beim Ausüben des Wintersports das Leben gekostet. Die Zahl der Lawinentoten in diesem Winter in der Schweiz stieg damit auf 14.

In Verbier VS hat am Montag gegen 10.20 Uhr ausserhalb der Piste eine Lawine zehn Skifahrer mitgerissen. Wie die Kantonspolizei Wallis mitteilte, befuhr einer von ihnen zu der Zeit ein Couloir unterhalb des Gebiets Attelas. Dabei löste sich eine Schneewechte und riss den Skifahrer sowie eine weitere Person mit, welche sich zu diesem Zeitpunkt weiter unten aufgehalten hatte.

In der Folge verschütteten die Schneemassen acht weitere Skifahrer. Die Einsatzkräfte der Rettungskolonne und die Lawinenhundeführer wurden mit Helikoptern vor Ort geflogen. Den Rettungskräften gelang es, die verschütteten Skifahrer, welche alle mit einem Lawinenverschüttetensuchgerät ausgerüstet waren, aus den Schneemassen zu befreien.

Ein 38-jähriger Brite mit Wohnsitz in Verbier wurde so schwer verletzt, dass er noch auf der Unfallstelle starb. Ein zweiter Skifahrer wurde mit schweren Verletzungen ins Spital nach Sitten geflogen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet. Die Polizei erliess einen Zeugenaufruf.

29-jähriger Ire stirbt bei Siviez VS

Ein 29-jähriger irischer Staatsangehöriger ist am Montagmittag bei Siviez VS in eine Lawine geraten. Er starb später im Spital in Sitten. Zwei Stunden zuvor war im Wallis bereits ein 38-jähriger Brite in Verbier nach einem Lawinenniedergang ums Leben gekommen.

Wie die Kantonspolizei Wallis mitteilte, verliessen drei Skifahrer bei Siviez (Gemeinde Nendaz) in der Region des Col des Gentianes gegen 12.20 Uhr die markierte Piste. Kurz darauf löste sich eine Schneewechte, riss einen Skifahrer mit und verschüttete ihn.

Nach der Bergung wurde der Verunglückte laut der Mitteilung ins Spital von Sitten geflogen. Dort erlag er seinen Verletzungen. Beim Opfer handelte es sich um einen 29-jährigen irischen Staatsangehörigen, der im Wallis wohnte. Mit diesem jüngsten Unfall erhöhte sich die Zahl der Lawinenopfer in der Schweiz in diesem Winter auf 15.

An diesem Hang in der Region des Col des Gentianes im Wallis löste sich die Schneewechte, nachdem drei Skifahrer die markierte Piste verlassen hatten.
An diesem Hang in der Region des Col des Gentianes im Wallis löste sich die Schneewechte, nachdem drei Skifahrer die markierte Piste verlassen hatten.
Foto: Kantonspoliei Wallis

Vater nahm andere Route

Ein im Kanton Waadt wohnhaft gewesener Schwede verlor am Sonntag im Walliser Wintersportort Verbier sein Leben. Der 46-Jährige war ausserhalb der markierten Pisten unterwegs, wie die Kantonspolizei Wallis am Montag mitteilte.

Der Unfall ereignete sich im Gebiet «Lac des Vaux». Der Mann verliess die offizielle Piste um zirka 10.30 Uhr, während seine Kinder die Abfahrt auf der Skipiste fortsetzten.

Als der Vater nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien, alarmierten seine Kinder gegen 11 Uhr den Rettungsdienst. Bei der Suche fanden die Einsatzkräfte den Skifahrer rund 80 Meter unterhalb jener Stelle, an welcher er die Piste verlassen hatte. Der Mann war offenbar bei Nebel und Schneetreiben über ein rund sechs Meter hohes Felsband abgestürzt.

Nachdem ihn die Rettungskräfte aus den Schneemassen befreit hatten, begannen sie mit der Reanimation. Aufgrund der Witterungsverhältnisse mussten die Patrouilleure den Verletzten mittels Rettungsschlitten und Gondeln zunächst zu einem Helikopterlandeplatz transportieren.

Anschliessend wurde er ins Spital Sitten geflogen. Gegen Abend erlag er seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Ein Toter auch im Kanton Waadt

Bei einem Lawinenunglück im Kanton Waadt gerieten am Sonntagnachmittag vier junge Skifahrer im Alter von 19 bis 21 Jahren unter die Schneemassen. Sie wollten unterhalb eines Felsenbandes am Rochers-de-Naye ausserhalb der Piste skifahren, als sich die Lawine löste, wie die Waadtländer Kantonspolizei am Montag mitteilte.

Auch im Gebiet oberhalb von Montreux herrscht akute Lawinengefahr – das wurde einem jungen Mann zum Verhängnis. (Symbolbild)
Auch im Gebiet oberhalb von Montreux herrscht akute Lawinengefahr – das wurde einem jungen Mann zum Verhängnis. (Symbolbild)
Foto: Peter Kneffel (Keystone)

Zwei der Männer konnten sich selber aus den Schneemassen befreien und den dritten, nur leicht verschütteten Kollegen befreien. Dieser wurde nur leicht am Arm verletzt. Ein vierter Skifahrer war so tief unter der Lawine verschüttet, dass er erst gegen 19 Uhr durch den Einsatz eines Hundeführers der Rega geortet und geborgen werden konnte. Er wurde schwer verletzt mit einem Helikopter ins Universitätsspital Lausanne transportiert, wo er kurze Zeit später verstarb.

Lawinen auch in Gstaad, im Bündnerland und in der Zentralschweiz

In der Nähe von Gstaad BE ist ebenfalls am Sonntagnachmittag ein Skifahrer ausserhalb der markierten Pisten von einer Lawine tödlich verletzt worden. Er war erst nach längerer Suche im Schnee gefunden worden und starb kurz nach seiner Einlieferung im Spital. Alter und Herkunft waren zunächst nicht bekannt, er war noch nicht formell identifiziert.

Zwei weitere Skifahrer, die von der selben Lawine mitgerissen worden waren, sind 20 und 22 Jahre alt. Sie wurden für medizinische Untersuchungen ins Spital gebracht. Einer von ihnen hatte sich selbständig aus den Schneemassen befreien und auch einen der beiden Begleiter retten können. Die drei Skifahrer waren von Wasserngrat in Richtung Lauenen unterwegs gewesen, als sich die Lawine gelöst hatte.

Abrisskante und Skispuren im Gebiet Rot-Turm im Skigebiet von Stoos. Am Samstag wurde hier ein Skifahrer aus dem Kanton Zug verschüttet. (16. Januar 2021)
Abrisskante und Skispuren im Gebiet Rot-Turm im Skigebiet von Stoos. Am Samstag wurde hier ein Skifahrer aus dem Kanton Zug verschüttet. (16. Januar 2021)
Foto: Kantonspolizei Schwyz

Am Samstag waren bei Lawinenniedergängen in Engelberg OW, auf dem Stoos SZ und auf dem Gotschna GR bereits drei Menschen ums Leben gekommen.

Teilweise grosse Lawinengefahr

Gemäss dem Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF hat es in diesem Winter bisher 77 Lawinenunfälle gegeben, bei denen insgesamt 104 Menschen erfasst wurden. Die Zahl der Todesopfer erhöht sich nach den jüngsten Unfällen auf insgesamt 14.

In Teilen der Schweiz herrschte am Montag nach wie vor grosse Lawinengefahr, also die zweithöchste von fünf Alarmstufen. Betroffen waren vor allem das nördliche Oberwallis, die östlichen Berner Alpen sowie der zentrale und östlichen Alpennordhang ohne Voralpen. In den übrigen Schweizer Alpen und im Jura herrschte fast überall erhebliche Lawinengefahr, was der Warnstufe 3 entspricht.

Bild: SLF
Bild: SLF

SDA/fal