Angriff auf Lohn der BKW-Chefin

Über 2 Millionen Franken verdiente BKW-Chefin Suzanne Thoma vergangenes Jahr. Politiker auf der linken und der rechten Seite finden das zu viel.

Der Lohn von Suzanne Thoma, BKW-CEO, wird zum Politikum.

Der Lohn von Suzanne Thoma, BKW-CEO, wird zum Politikum.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Sie verdient so viel wie der siebenköpfige bernische Regierungsrat zusammen: Suzanne Thoma, BKW-CEO, kassierte 2018 gut 2 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um über 50 Prozent, wie diese Woche bekannt wurde. Nun melden sich Politiker von linker und rechter Seite und kritisieren die Höhe des Gehalts. Dies, weil der Kanton Bern Hauptaktionär der BKW ist.

Links und rechts sind sich einig

«2 Millionen Franken ist eine unglaubliche Zahl», sagt Natalie Imboden. Die Grossrätin und Co-Präsidentin der Grünen Kanton Bern hat sofort reagiert, als die Höhe des Lohns bekannt wurde, und im Grossen Rat eine Motion eingereicht. Darin verlangt sie vom Regierungsrat, die Vergütungspraxis der BKW einzudämmen. Dies anhand von Leitlinien, die der Konzern nicht überschreiten darf und die vom Kanton überprüft werden. «Das muss kontrolliert werden, wo kommen wir denn sonst hin?», sagt Imboden. 2011 betrug der Lohn von Thomas Vorgänger Kurt Rohrbach 746'000 Franken. Schon diese Zahl empfand Imboden als zu hoch. Die rasante Steigerung leuchtet ihr nicht ein.

Imboden ist zuversichtlich, was die Erfolgschancen ihrer Motion angeht. «Ich glaube nicht, dass das eine Frage von links oder rechts ist. Das ist einfach zu viel», sagt Imboden. Sie ist optimistisch, auch weil 2015 ein Vorstoss im Grossen Rat hauchdünn abgelehnt wurde, der die Löhne von staatsnahen Betrieben betraf. Damals fehlten vier Stimmen für die Forderung, das Gehalt eines Regierungsrates als Massstab zu nehmen – dieses beträgt im Kanton Bern jährlich rund 275'000 Franken.

Gleicher Meinung wie die grüne Grossrätin ist für einmal auch die SVP. Der frühere Grossrat Thomas Fuchs verlangt eine Halbierung des Lohns: Maximal eine Million soll die BKW-Chefin verdienen. Dies geht aus einer Medienmitteilung hervor, die Fuchs als Geschäftsführer des Bunds der Steuerzahler verschickt. «Die BKW gehört grösstenteils dem Kanton, dieser hohe Lohn ist eine Frechheit», sagt Fuchs. Eine Million hingegen sei realistisch. «Alles was darüber ist, muss man gut erklären können.» Die SVP plant laut Fuchs bereits, einen entsprechenden Vorstoss im Grossen Rat einzubringen.

Kritik von vielen Seiten

Die BKW steht aber nicht nur wegen ihrer Vergütungspraxis in der Kritik. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren stark ausgebaut und im In- und Ausland Dutzende Firmen zugekauft. Gegenwind gibt es besonders vom Gewerbeverband Berner KMU, der seit zwei Jahren die Kampagne «Fair ist anders» führt. Dabei wird unter anderem der starke Ausbau und die damit verbundene «Einkaufstour» der BKW kritisiert.

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