Schwimmer verklagen ihren Weltverband

Weil sie an einem neuen Wettbewerb teilnehmen wollen, droht die Fina ihren Stars mit Strafen.

Katinka Hosszu ist eine der drei Schwimmer, die in den USA klagen.

Katinka Hosszu ist eine der drei Schwimmer, die in den USA klagen.

(Bild: Keystone)

Rekorde, Medaillen, Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Kurzbahn-WM, die zurzeit im chinesischen Hangzhou stattfindet, ist beste Werbung für den Schwimmsport. In den sozialen Medien verbreitet der Weltverband Fina im Minutentakt Bilder und Videos jubelnder Athleten. Doch der Schein trügt.

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass zwei Anklagen gegen die Fina vorliegen. Die eine stammt von einem ukrainischen Milliardär, die andere von drei Athleten, darunter dem ungarischen Star der Szene, Katinka Hosszu.

Der Grund hat drei Buchstaben: ISL, kurz für International Swimming League. Unter diesem Namen will Konstantin Gregorischin eine neue Serie ins Leben rufen. Das erste Meeting hätte in einer Woche in Turin stattfinden sollen – und hat die Schwimmerinnen und Schwimmer mit hohen Preisgeldern gelockt. Doch das passte der Fina nicht. Sie liess verlauten, dass jedem, der an diesem Event teilnehme, eine Sanktion drohe. Das Meeting wurde abgesagt.

Mehr Mitspracherecht und mehr Geld

Darum klagen nun Schwimmer und Gregorischin – und wollen nicht mehr, als die Monopolstellung der Fina durchbrechen. Im Zuge der veröffentlichten Anklageschrift haben sich viele Schwimmer geäussert und ihren Unmut gegenüber dem Weltverband kundgetan. Die Vorwürfe betreffen vor allem zwei Punkte:

  • Die Athleten wollen mehr Mitspracherecht. Im vergangenen Jahr waren viele Schwimmer verärgert, weil die Fina an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 die 800 Meter der Männer sowie die 1500 Meter der Frauen ins Programm aufnahm – statt auf mehr attraktive Rennen über die Sprintdistanzen zu setzen.
  • Die Fina soll mehr Geld an die Athleten ausschütten. Laut der Anklageschrift hat die Fina in den Jahren 2016 und 2017 ein Gewinn von 118 Millionen erwirtschaftet. Davon wurden aber nur 15 Millionen als Preisgeld ausgezahlt. Fast gleich viel wurde für die Gehälter der Fina-Angestellten bezahlt, dazu kommen rund 7 Millionen für «Family Expenses» – Hotels, Reisen und Taggelder für die Funktionäre.

In Lausanne wird die Klage nicht nur von der Fina mit Interesse verfolgt. Auch andere Sportverbände schauen gebannt in die USA. Schon im vergangenen Jahr war über einen ähnlichen Fall entschieden worden. Damals verlor der Weltverband der Eisschnellläufer (ISU) vor der Wettbewerbskommission der EU – zwei Eisschnellläufer klagten, weil sie die ISU nicht an einer Veranstaltung in Dubai teilnehmen liess.

Die Fina veröffentlichte ein kurzes Statement zu den Vorwürfen: Sie werde dem Thema die volle Aufmerksamkeit widmen und wenn nötig eine robuste Verteidigung aufstellen. Zuerst wolle sie sich aber auf die Athleten an der Kurzbahn-WM konzentrieren, an der sie übrigens 2 Millionen Dollar Preisgeld ausschütte.

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