UBS und CS: Frauen verdienen ein Viertel weniger als Männer

In Grossbritannien bekommen Männer rund 50 Prozent mehr Bonus als Frauen. Gehaltsunterschiede gibt es auch in der Schweiz.

Düstere Aussichten: Frauen verdienen bei den Londoner Banken deutlich weniger als Männer.

Düstere Aussichten: Frauen verdienen bei den Londoner Banken deutlich weniger als Männer.

(Bild: Keystone Andy Rain)

Holger Alich@Holger_Alich

Das Bankgeschäft, vor allem das Investmentbanking, ist eine Männerdomäne. Das hat sich auch im Jahr 2018 nicht geändert. Ein Beleg dafür sind die jüngsten Daten zu Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen, welche Banken in Grossbritannien bis Anfang April melden müssen. Die Daten sind für jeden öffentlich einsehbar.

Die Gehaltsunterschiede sind nach wie vor gross. Nach einer Auswertung der «Financial Times» für die 10 Topinstitute lag der Gehaltsunterschied im Median (sprich, der Zentralwert, die eine Hälfte der Betroffenen verdient mehr, die andere weniger) bei 29 Prozent.

Noch grösser ist die Differenz beim Bonus, der Median-Bonus aller Männer lag gut 50 Prozent höher als jener der Frauen.

Wie UBS und CS abschneiden

Die Werte von UBS und Credit Suisse (CS) für ihre Töchter in Grossbritannien sind in der Tendenz etwas weniger schlecht. So verdienten Frauen bei der UBS im Median 25 Prozent weniger als Männer. Ihr Bonus lag um 47 Prozent tiefer.

Bei der Credit Suisse lag der Stundenlohn der Frauen im Median 28,9 Prozent tiefer als jener der Männer. Beim Bonus lag die Differenz bei 56 Prozent. Immerhin: Die CS weist in ihrem Gehaltsreport auch aus, wie sich die Lohndifferenz entwickelt hat. Demnach ist die Lücke beim Lohn und beim Bonus um 3 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2016 kleiner geworden.

In ihren Lohnberichten betonen sowohl UBS als auch Credit Suisse, dass die Daten kein Hinweis darauf seien, dass Männer in vergleichbaren Positionen besser bezahlt werden als Frauen. «Unsere Ergebnisse sind stark beeinflusst durch den höheren Anteil von Männern in Kaderstellen», schreibt zum Beispiel David Mathers, Finanzchef der Credit Suisse, im Lohnreport.

Männer dominieren Topjobs

Ähnlich tönt es bei der UBS. Die Gehaltsunterschiede seien «weitgehend» dadurch zu erklären, dass bei UBS mehr Männer als Frauen in Führungspositionen arbeiten. Weitere Erklärfaktoren für das Gehaltsgefälle seien etwa Funktion, Level oder der Arbeitsort, heisst es weiter.

Die Daten aus Grossbritannien sind tatsächlich nicht bereinigt, denn die Lohnungleichheit ist von vielen Faktoren wie Alter, Bildung, Dienstjahre etc. abhängig. Von Lohndiskriminierung kann nur dann gesprochen werden, wenn diese individuellen Faktoren herausgerechnet werden und nur noch das Geschlecht als Erklärung übrig bleibt.

Lohndifferenzen auch in der Schweiz

In der Schweiz hat der Bankenpersonalverband die Lohndaten erhoben. Demnach verdienten Frauen im Median pro Jahr 95'000 Franken, Männer 134'000. «Diese Daten erlauben noch keine Aussage darüber, ob Frauen beim Lohn diskriminiert werden», sagt Denise Chervet, die Geschäftsführerin des Verbands. Denn auch in der Schweiz dominieren Männer die Führungspositionen, was wohl einen Teil des Lohnunterschieds erklärt. So bekleiden Frauen in 70 Prozent der Fälle eine Stelle eines einfachen Mitarbeitenden. Bei Männern beträgt dieser Anteil nur 23 Prozent.


Video – Frauen gehen auf die Strasse

Demo für Lohngleichheit: Auf dem Berner Waisenhausplatz wurde am Weltfrauentag für diskriminierungsfreie Löhne demonstriert. (Video: Tamedia/SDA)


Das Bundesamt für Statistik hat vergangenes Jahr versucht, die Lohndaten um individuelle Faktoren wie Position und Dienstalter zu bereinigen. Zudem haben die Statistiker die Lohnunterschiede nach Branchen aufgesplittet.

Unterschiede trotz Bereinigung

Demnach war die absolute Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen in der Finanzbranche von allen Sektoren am höchsten. Das Bild ändert sich jedoch, rechnet man die individuellen Faktoren wie Qualifikation, Dienstalter heraus. 28 Prozent der Lohndifferenz seien nicht durch solche Faktoren zu erklären. Dies stelle einen vergleichbaren tiefen Wert dar. Am grössten ist demnach die Lohndiskriminierung in den Sektoren Wasserversorgung/Entsorgung und im Bau.

Alles gut also? So weit gehen die Banken nun auch nicht. «Wir erkennen an, dass wir mehr tun müssen», schreibt zum Beispiel CS-Finanzchef Mathers mit Blick auf die Lohnunterschiede in Grossbritannien. Vor allem bei den Führungsposten wolle CS nun verstärkt darauf achten, mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen zu beschäftigen. Als Ziel gibt Credit Suisse an, dass bis 2020 Frauen einen Anteil von 35 Prozent in den Management Committees haben sollen. Bei UBS sollen es ein Drittel sein. Die Bank habe in den vergangenen drei Jahren bereits 37 Prozent mehr Frauen in Grossbritannien eingestellt.

Denise Chervet reicht das noch nicht. «Es fehlt vor allem an Transparenz und Kontrolle, ob zum Beispiel Frauen bei Gehaltsgesprächen benachteiligt werden.» Denn die Verhandlungen über eine Lohnerhöhung führen Angestellte mit ihren Vorgesetzten. Und das sind zumeist eben Männer.

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