Zwei Personen auf einem Sitz

Das Berner Stadtparlament will Jobsharing im Gemeinderat eine Chance geben. Für eine Umsetzung bis zu den Gemeindewahlen 2020 reicht die Zeit wohl nicht.

Geht es nach dem Stadtrat, können bald mehrere Personen für einen Regierungssitz kandidieren.

Geht es nach dem Stadtrat, können bald mehrere Personen für einen Regierungssitz kandidieren.

Ein Gemeinderat führt eine Direktion. Diese Losung gilt schweizweit und wohl rund um den Globus. Doch ausgerechnet die beschauliche Stadt Bern könnte zur Pionierin für ein flexibleres Modell werden. Gestern überwies das Parlament einen Prüfauftrag, der Jobsharing auf Gemeinderatsebene fordert. Das würde bedeuten, dass zwei Personen gemeinsam für ein Gemeinderatsmandat kandidieren und es im Falle einer Wahl auch gemeinsam ausüben könnten. Statt etwa einem Finanzdirektor gäbe es deren zwei.

Die Idee allerdings warf im Rat viele Fragen auf. Wie verhindert man eine Übervorteilung einer Teamkandidatur im Wahlkampf? Lässt sich Regierungsverantwortung überhaupt teilen? Und was passiert, wenn eine Person zurücktreten möchte, der Vertragspartner aber nicht? Die Letzte ist relativ einfach zu beantworten: «Wenn man gemeinsam antritt, muss man auch gemeinsam zurücktreten», sagt Matthias Egli (GLP). Doch auch die anderen Fragen seien nicht unlösbar, fand eine Mehrheit des Parlaments. Der Vorstoss wurde mit 42 Ja- und 7 Nein-Stimmen überwiesen.

SVP: Ein Güggel reicht

Selbst einige Gegner verspürten Sympathien für das Anliegen. Schliesslich ist das Ziel von Jobsharing, dass sich Politkarriere und etwa Familienleben besser miteinander vereinbaren lassen. Wie SP-Stadtrat Martin Krebs – ein Urheber des Postulats – argumentierte, würde Jobsharing auch Personen die Übernahme eines Gemeinderatsmandats ermöglichen, die bisher wegen Betreuungsaufgaben oder aus anderen Gründen ein solch zeitaufwendiges Amt nicht ausführen konnten.

Obwohl es sich also um ein Gleichstellungsanliegen handelt, war der Links-rechts-Graben weniger ausgeprägt als auch schon. So enthielten sich mehrere linke Stadträte der Stimme, dafür votierte die FDP-Fraktion fast geschlossen dafür. Die SVP und der links dominierte Gemeinderat lehnten den Vorstoss ab.

SVP-Fraktionschef Alexander Feuz verwies auf die Schwierigkeit, politische Verantwortung zu teilen: «Auf einen Hühnerhof gehört ein ‹Güggel› und nicht deren zwei.» Etwas unwohl schien sich Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) zu fühlen. Er verstehe die Argumente der Befürworter, sagt er. Schwierigkeiten ortet er etwa im Falle eines Todes eines Sharing-Partners.

Ambitiöse Ziele

Bereits am Mittwoch wandte sich eine «überparteiliche Arbeitsgruppe» an die Öffentlichkeit. Die Politiker von GB, SP, GFL, GLP und FDP forderten den Gemeinderat auf, möglichst rasch Abklärungen zu tätigen, «damit Kandidaturen für ein Exekutivsharing bereits bei den Wahlen 2020 ermöglicht werden».

Dies ist ein ziemlich ambitiöses Ziel. Wie der Gemeinderat bereits in seinem Vortrag ausführte, müssten mehrere Reglemente geändert werden, um Teamkandidaturen zu ermöglichen. So sieht etwa die Gemeindeordnung der Stadt Bern das Gemeinderatsamt als unteilbares Vollamt einer Person und nicht eines Teams vor.


Das Berner Parlament will Team-Kandidaturen für die städtische Regierung einführen. Was halten Sie von dieser Idee? Haben Sie gute Erfahrungen gemacht mit Jobsharing? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»
stadtgespraech.derbund.ch

DerBund.ch/Newsnet

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