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Universität Bern im Krisenmodus23 Studierende starben an der Spanischen Grippe

Der Lockdown in diesem Frühling war nicht der erste für die Universität Bern. Die beiden zuvor liegen aber bereits sehr lange zurück.

Das Hauptgebäude der Universität Bern.
Das Hauptgebäude der Universität Bern.
Foto: Walter Pfäffli (Archiv)

Die Universität Bern hat in der Corona-Krise nicht ihren ersten, aber den bisher mit Abstand längsten Lockdown erfahren. Wie der Archivar der Universität, Niklaus Bütikofer, herausgefunden hat, ist die 1834 gegründete Hochschule in ihrer Geschichte zuvor bereits zweimal geschlossen worden: einmal während des Sonderbundkriegs 1847 und ein weiteres Mal wegen der Spanischen Grippe 1918. Diese Schliessungen waren im Jubiläumsjahr 1984 unerwähnt geblieben, als auf die Geschichte der Hochschule zurückgeblickt wurde.

Die Schliessung während des Sonderbundskriegs dauerte keine drei Wochen vom 4. bis zum 22. November 1847. In einem Papier, das Archivar Bütikofer diesen Frühling zusammenstellte, heisst es, «der Sonderbundskrieg war ein Bürgerkrieg, und entsprechend verliefen die Frontlinien mitten durch die Dozierenden und Studierenden».

Gefährliche zweite Welle

Etwas länger, vom 16. Oktober bis zum 18. November 1918, schloss die Universität während der Spanischen Grippe ihre Tore. Die erste Grippewelle im Juli 1918 habe den Hochschulbetrieb noch nicht beeinträchtigt, heisst es im Papier von Bütikofer. Erst die zweite, schwerere Welle, die im Herbst «aufsprang», wie es der von Bütikofer zitierte Historiker Richard Feller formuliert hatte, führte zum Lockdown. Somit hatte die Universität während des Landesstreiks und in der letzten Phase des Ersten Weltkriegs Zwangsferien. An der Spanischen Grippe starben insgesamt 23 Studierende.

Kranke blieben daheim

Nach der Öffnung galten an der Universität «Verhaltensregeln betreffend Grippe». Archivar Bütikofer hat dazu ein Papier gefunden, das vermutlich als Vorlage für eine gedruckte Version gedient hatte und vom Rektorat stammte. Noch immer herrsche die Influenza, heisst es darin. Auch weiterhin gelte es, alles zu vermeiden, «was ihrer Ausbreitung Vorschub leisten könnte». Regel 1 lautete: «Jedes Zusammendrängen und längere gemeinsame Verweilen in den Garderoberäumen der Institute (...) ist tunlichst zu vermeiden.»

«Wer an Grippe oder unter grippeverdächtigen Erscheinungen erkrankt, bleibe den Vorlesungen und Kursen fern. Jeder mit Fieber einhergehende Katarrh der Luftwege muss als verdächtig angesehen werden»: Dies war eine weitere Regel, die an heutige Qurantäneverordnungen erinnert.

Und schon damals halfen Forschende der Universität mit, die öffentliche Gesundheit zu erhalten. Im Dokument des Historikers Richard Feller werden die Professoren Sahli, Sobernheim und Howald namentlich erwähnt. Sie hätten sich um die Bekämpfung der Grippe verdient gemacht.