«Vielleicht bin ich einfach ein Hater»

Nur Wutbürger oder genug konstruktive Diskussionsteilnehmer? Und wer entscheidet, was veröffentlicht wird? Onlinekommentare bewegen die Gemüter.

Viele verstecken sich gerne mit einem Pseudonym hinter ihrem Computer.

Viele verstecken sich gerne mit einem Pseudonym hinter ihrem Computer.

(Bild: Christian Flierl)

Carole Güggi@carolegueggi

Was treibt Zeitungsleserinnen und -leser an, online einen Kommentar zu verfassen? Das Thema ist brisant, wie die Auswertung unseres Stadtgesprächs zeigt. Stefanie Feller zum Beispiel sieht darin eine moderne Form der Demokratie. «Politisch aktiv und engagiert in der heutigen Zeit zu sein, bedeutet für mich nicht mehr, einer verstaubten, alteingesessenen Partei anzugehören, sondern direkt aktiv mit Kommentaren zu sein.» Und Carl Blumer fasst zusammen: Der Kommentar ist «technisches Surrogat für den Leserbrief».

Was kommt durch?

Viele Leserinnen und Leser beschäftigt, nach welchen Kriterien die Texte veröffentlicht werden. Vielschreiber Rolf Helbling spricht aus Erfahrung und hält fest: «Was durch die Kontrolle kommt und was nicht, ist nur schwer abzuschätzen.» Und Heinz Müller versteht nicht, weshalb rund ein Drittel der von ihm verfassten Texte nicht erscheinen: «Vielleicht bin ich einfach ein Hater (Hassschreiber, die Red.), ohne es zu wissen.» Beim «Bund» sind die Richtlinien klar.

Max Stucki wiederum hält nicht viel von den Zeilen unter den Artikeln: «Ich kann Onlinekommentaren nichts Positives abgewinnen.» Oft werde der Platz von Wutbürgern, Verschwörungstheoretikern und Fremdenfeindlichen als Plattform missbraucht, statt einer konstruktiven Diskussion zu dienen. Leserin Viktoria Lehmann stimmt Stucki zu – aber sieht genau darin ihre Motivation, in die Tasten zu hauen: «Ich möchte solchen Parolen Gegenwehr leisten.» Eine Diskussion entstehe aber nur selten, was sie als Nachteil empfindet.

Ob Wutbürger oder nicht, Christian Müller mahnt: «Schreibe nichts in ein elektronisches Medium, das der Arbeitgeber, die Nachbarn, die Schwiegermutter sowie die Polizei oder Steuerbehörde nicht lesen sollten.»

Mit Unterhaltungswert

Doch nicht jeder schreibt selbst. Daniel Rolli liest nur: «Mir dient das Lesen dazu, mich zu unterhalten.» Beim Mitlesen fällt Henri Sommer vor allem eines auf: «Ich ärgere mich immer wieder über die vielen Grammatik-, Orthografie- und Kommafehler in den Texten.»

Diskutieren Sie mit über die Pläne eines Museumsquartiers im Kirchenfeld.

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