Berner Wirtschaft fordert eine Strategie für den Kanton

Realitäten wie die Abwanderung aus Bergregionen müssten akzeptiert werden.

Das Saanenland fühlt sich von den bernischen Städten weit entfernt an.

Das Saanenland fühlt sich von den bernischen Städten weit entfernt an.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Der Kanton Bern hat zu hohe Steuern, zu hohe Infrastrukturkosten und eine geringe Wirtschaftskraft. Zudem bezieht er jährlich über eine Milliarde Franken aus dem Finanzausgleich. Im Wahlkampf seien diese Probleme aber kaum angesprochen worden, kritisiert Peter Stämpfli, der Begründer der Unternehmerinitiative Fokus Bern, einem Zusammenschluss von rund 60 Unternehmen. Die Bürgerlichen setzten sich für tiefere Steuern ein, um so Unternehmen anzulocken. Die rot-grünen Parteien setzten auf eine Erhöhung der Lebensqualität, um natürliche Steuerzahler anzulocken. Stämpfli bemängelt im «Bund»-Interview, dass ein lösungsorientierter Dialog zwischen beiden Lagern «nicht stattfindet». Dabei schlössen sich die beiden Rezepte nicht aus. «Es braucht aber eine starke Wirtschaft, um überhaupt über Lebensqualität reden zu können», sagt der Unternehmer. Bei den Bedingungen für die Wirtschaft spielten Steuersenkungen eine Rolle.

«Abstriche bei heutigen Standards»

Als noch dringlicher erachtet Stämpfli aber die Ausarbeitung einer Gesamtstrategie für den Kanton Bern, wie sie zwei überwiesene Motionen im Grossen Rat verlangen. Dabei gelte es zunächst, die Realitäten wie etwa die Abwanderung aus den Bergregionen zu akzeptieren. Die Menschen in den betroffenen Regionen würden nicht darüber reden, weil sie keine Alternativen sähen. Die müsse man ihnen aber bieten. «Daher muss der Regierungsrat strategische Eckpunkte für die Regionen festlegen», sagt Stämpfli. Wie eine solche Strategie zum Beispiel für das Emmental aussehe, könne er nicht sagen. «Aber ich bin sicher, dass dafür Lösungen gefunden werden können.»

Ohne Abstriche bei den heutigen Standards werde es nicht gehen. Übers Sparen bei Infrastrukturen wie Strassen wolle aber kein Politiker reden, weil er dadurch seine Wiederwahl gefährden könnte. «Dabei geht es gar nicht darum, nicht zu bauen, sondern günstiger zu bauen», sagt Stämpfli.

Soll der Kanton darauf hinarbeiten, weniger Geld aus dem Finanzausgleich beziehen – also Steuern senken und sparen? Wie wichtig ist ein gutes soziales Netz, die Spitalversorgung, die Infrastruktur? Welche Bedeutung haben starke Zentren oder der Zusammenhalt zwischen Stadt und Land? Lassen Sie uns wissen, wie Ihre Analyse aussieht: Welche Ideen haben Sie für den Kanton Bern? Wie kommt der Kanton weiter? Wo soll er hinsteuern? Und was muss geschehen, damit das auch klappt? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch».

Der Bund

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