Für Trump ist die Welt eine Gucci-Boutique

Man ist sich vom US-Präsidenten einiges gewohnt. Doch nun hat er sich mit dem Grönland-Angebot selbst übertroffen.

Der US-Präsident und seine Gestik: Donald Trump bei der Wahlkampfveranstaltung in Manchester im Staat New Hampshire. (Reuters/Jonathan Ernst/15. August 2019)

Der US-Präsident und seine Gestik: Donald Trump bei der Wahlkampfveranstaltung in Manchester im Staat New Hampshire. (Reuters/Jonathan Ernst/15. August 2019)

Christof Münger@ChristofMuenger

Stellen wir uns einmal vor, der amerikanische Präsident würde dem Schweizer Bundesrat mitteilen, er wolle den Kanton Zürich mit seinem Finanzplatz kaufen. Oder aber das Wallis wegen des Matterhorns. Oder Genf, da gibt es einen Springbrunnen und die UNO. Ernst nähme das niemand, die Rede wäre von einem Aprilscherz, und Komiker und Karikaturisten hätten ihr Thema.

Genau so ist es den Dänen ergangen, als Donald Trump verbreitete, er wolle ihnen Grönland abkaufen. Nun aber wissen wir, der US-Präsident hat sich nicht etwa einen kleinen Spass erlaubt vor seinem geplanten Besuch in Kopenhagen. Im Gegenteil, ihm war die Sache so ernst, dass er die Staatsvisite – die Einladung stammte von Königin Margrethe – kurzerhand absagte, als die dänische Regierungschefin der Form halber das Offensichtliche aussprach, dass es nämlich über Grönland nichts zu verhandeln gibt.

Man ist sich inzwischen ja einiges gewohnt, was Donald Trump betrifft, jetzt aber hat er sich selber übertroffen. Sein unflätiges Angebot an Dänemark und dann seine trotzige Reaktion, als Kopenhagen nicht darauf einging, lassen tief blicken. Sieht er die Welt als grosse Migros oder allenfalls als Gucci-Boutique, wo er nach Belieben shoppen kann? Es trifft zwar zu, dass die USA einst Ländereien zusammengekauft hatten – Alaska ist das bekannteste Beispiel –, aber das war in kolonialen Zeiten vor mehr als 100 Jahren.

Was ist sonst noch auf seinem Einkaufszettel?

Offenbar agiert Trump auch als US-Präsident wie der mehr oder weniger erfolgreiche Immobilienhändler, der er war und im Grunde immer noch ist. Mit dem Unterschied, dass er sich nun anmasst, statt einen Wolkenkratzer eine über 2 Millionen Quadratkilometer grosse Insel samt Bodenschätzen und Eisbären zu kaufen. Was hat Trump sonst noch auf dem Einkaufszettel? Den Kongo? Da gibt es Diamanten und Kobalt. Oder Schottland mit seinen Golfplätzen?

Donald Trumps Präsidentschaft ist die Fortsetzung seines Business mit anderen, viel potenteren Mitteln. Das hat nicht erst sein Kaufangebot an Kopenhagen gezeigt. Komiker und Karikaturisten haben tatsächlich ihr Thema, aber es ist ein bitterernstes.

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