«Esperanto ist eine tolle Sache»

Auch wenn es um die «Societo» etwas ruhiger geworden sei, der Geist des Esperanto sei durchaus lebendig, sagt der überzeugte Berner Esperantist Ueli Haenni.

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Simon Wälti

Herr Haenni, wie aktiv ist die Esperanto-Societo Bern heute noch?
Man darf sich unseren Verein, der 1906 gegründet wurde, nicht als eine hoch lebendige Kampforganisation vorstellen. Die Societo «pfuuset» ein wenig. Wir haben schon seit längerem keine Mitgliederversammlung mehr durchgeführt. Ich befürchte, wir sind nicht mehr ganz statutenkonform. Wir sind aber alle miteinander vernetzt.

Ist denn die Sprache Esperanto ebenfalls eingeschlafen?
Keinesfalls. Auch andere Vereine befinden sich in einer Art Dämmerzustand und verlieren Mitglieder, das ist ein gesellschaftliches Phänomen. Der Gegenstand an sich, also das Esperanto, ist aber nach wie vor «alive and kicking». Vor kurzem fand in Reykjavik der 98. Weltkongress derselben Universala Esperanto-Asocio (www.uea.org) statt, die 1913, 1939 und 1947 in Bern zu Gast gewesen war. Zu den Themen in Island gehörten nicht nur die Sprache, sondern auch die Förderung von kultureller Vielfalt und von Biodiversität.

Aber wie lebendig ist die Kunstsprache von Dr. Zamenhof heute noch?
Für mich ist die Sprache lebendiger als früher. Esperanto ist eine tolle Sache. Ich kann in 150 Ländern der Welt den Menschen in einer kulturneutralen Sprache begegnen. Es ist zudem auch ein Netzwerk. Als Esperantist hat man überall auf der Welt sofort Kontakte, und es existiert mit «Pasporta Servo» eine Schlafsackliste mit Übernachtungsmöglichkeiten für Esperanto-Sprechende.

Wie gut sprechen Sie selber die Sprache?
Ich kann viel besser Berndeutsch als jede andere Sprache, ich kann aber viel besser Esperanto als Hochdeutsch. In Deutschland haben die Zuhörer immer das Gefühl, ich spreche Dialekt, wenn ich Hochschweizerisch spreche.

Auf welche Weise sind Sie zum Esperanto gekommen?
Auslöser war mein «Gwunder». Als Jugendlicher bereiste ich 1972 mit einem Interrail-Ticket Italien, den Balkan und Griechenland. Die Menschen dort sprachen mehrere verschiedene Sprachen, und auch ich konnte mich in mehreren Sprachen ausdrücken. Aber wir konnten uns trotzdem nicht verständigen, weil wir keine gemeinsame Sprache hatten. Ich habe mich erkundigt, ob noch jemand Esperanto spricht, und habe dann die Sprache in einem Kurs in Köniz gelernt. Seither ist mein Wortschatz stets gewachsen.

Wissen Sie, wie viele Menschen in der Schweiz Esperanto sprechen?
Das kann man nicht genau sagen. Ich möchte aber zurückfragen: Weiss man denn, wie viele Menschen zum Beispiel in der Stadt Bern Klavier spielen? Immerhin erscheint jeden Tag ein Buch in Esperanto.

DerBund.ch/Newsnet

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