Pia Wertheimer
Stv. Ressortleiterin Zürich


Was New York besser macht als Zürich

Aktualisiert am 07.04.2012

Der Zürich Marathon findet zum zehnten Mal statt. Wenn er mehr internationale Gäste anziehen soll, muss er sich ändern.


Zürich Marathon

Am 13. April 2003 fiel um 8.30 Uhr der Startschuss für den 1. Zürich Marathon. Bereits neun Wochen zuvor war das Teilnehmerfeld mit 5000 Sportlern voll. Im Jahr 2009 führte die Strecke durch den neuen Uetliberg-Autobahntunnel. Wie die New Yorker Ausführung wuchs auch der Marathon von Zürich: An die 6000 Läuferinnen und Läufer traten im vergangenen Jahr an. (pia)

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Marathonlaufen in Zürich und New York

Marathonlaufen in Zürich und New York
New York machte es vor, unzählige Städte zogen nach. Von Wien, Paris, London, Berlin über Boston, Chicago und Tokyo – sie alle sind jedes Jahr Schauplatz eines Marathons.

Impressionen NYC Marathon

New York City Marathon

Wer sich mit Städtemarathons befasst, kommt an New York nicht vorbei. Der Big Apple ist seit 1970 Schauplatz eines Laufes über 26,2 Meilen (42,195 Kilometer). 127 Läufer bezahlten damals einen Dollar, um den Central Park so oft zu umrunden, bis ihr «Tacho» die gewünschte Meilenzahl aufwies. 55 Sportler schafften es über die Ziellinie.
Sechs Jahre später verlegte der Marathonläufer und Organisator Fred Lebow die Strecke und liess die Teilnehmer die fünf Stadtbezirke New Yorks durchlaufen. Sie starteten in Staten Island, rannten durch Brooklyn, Queens und die Bronx, um in Manhattan durchs Ziel zu kommen. (pia)

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In Europa hat die Laufsaison begonnen. In den kommenden Wochen stehen namhafte Marathons an. Eine Woche nach Paris und Wien fallen am 22. April die Startschüsse in London, Madrid – und Zürich. Doch obwohl der Zürich Marathon heuer bereits zum zehnten Mal stattfindet, steckt er noch immer in den Kinderschuhen.

Der Anlass müsste an Reiz gewinnen und es auf die Agenden internationaler Reiseveranstalter schaffen. Dafür braucht es den Rückhalt der Zürcher Politik und Öffentlichkeit. Und auch der Veranstalter muss mehr tun als einen Lauf organisieren. Der Marathon soll eine Stadt vermarkten.

New York macht es vor: Seit den 70er-Jahren steigt dort die Zahl der Marathonläufer, die jedes Jahr in die Millionenmetropole pilgern, um ihren inneren Schweinehund zu bezwingen. 2011 verzeichnete der Anlass mit 47'323 Finishern einen Rekord. Rund 20'000 Läufer kamen aus Übersee. Fast die Hälfte reiste also eigens für den Marathon nach New York. Der Anlass hat sich zu einer Touristenattraktion gemausert. So floriert das Geschäft für Hoteliers, Restaurants und Detailhandel. Am ersten Novemberwochenende ist die Stadt jeweils zum Bersten voll, die Preise schnellen in die Höhe. Aber nicht nur die Läufer kurbeln den Wirtschaftsmotor an. Laut der «New York Times» säumten 2011 an die zwei Millionen Zuschauer die Laufstrecke.

Schnell, aber langweilig

In Zürich sehen die Zahlen anders aus. Eine Woche vor Anmeldeschluss haben sich 3307 Marathonläufer angemeldet, davon reisen 561 aus dem Ausland an. Das macht rund ein Sechstel der Teilnehmer aus. Und das, obwohl sich Zürich touristisch keineswegs zu verstecken braucht und international eine beliebte Destination ist.

Ein Grund für den kleinen Gästeanteil könnte die Strecke sein. Anders als in New York zeigt der Veranstalter nicht die verschiedenen Facetten, welche die Gastgeberstadt ausmachen. Die Läufer rennen das Seebecken entlang von Zürich nach Meilen und auf dem gleichen Weg wieder zurück. Dabei kommen Touristenläufer kaum auf ihre Kosten. Dafür die ambitionierten Sportler, die Jagd auf ihre Bestzeit machen: Die Strecke ist flach, asphaltiert, ohne spitze Kurven, und damit schnell.

Zürich muss mehr Mut zeigen

Die 42,195 Kilometer durch die Strassen des Big Apple mögen wie jede Marathonstrecke strapazenreich sein. Die Kulisse aber ist eine Augenweide. Die «New York Road Runners» zeichnen dafür verantwortlich. Seit 1976 zeigen sie den Marathonläufern ihre Stadt. Die Strecke führt durch die fünf Stadtbezirke, von Staten Island über Brooklyn, Queens und die Bronx nach Manhattan. Im Central Park, im grünen Herzen von New York, überqueren die Läufer die Ziellinie.

Dort demonstriert die Stadt, dass sie hinter der Grossveranstaltung steht: Die beiden grossen Strassen, die den Park säumen, sind den ganzen Tag gesperrt. Auch Hauptverkehrsachsen wie die Verrazano-Brücke und die First Avenue werden für den Marathon dichtgemacht. Dieses Engagement dürften sich die Zürcher Behörden zum Vorbild nehmen und mehr Mut zeigen, wenn es darum geht, die nötigen Bewilligungen zu erteilen.

Der Marathongoliath New York könnte sich seinerseits mit einem Blick nach Zürich darauf besinnen, dass ein Laufanlass nicht nur eine Geldmaschine ist. Noch vor zwei Jahren war ein Freundschaftslauf am Vortag für die ausländischen Läufer im Startgeld inbegriffen. Neu zahlen die Sportler 50 Dollar extra.

Erstellt: 07.04.2012, 07:54 Uhr