Warum abgewiesene Asylbewerber jede Woche zügeln müssen

Von Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 25.04.2012

Damit abgelehnte Asylsuchende es sich nicht gemütlich machen, müssen die jungen Männer wöchentlich ihre Bleibe wechseln. Auch für das Sozialamt ist das aufwendig.

Jede Woche an einem anderen Ort: Ein Asylsuchender in seiner temporären Unterkunft.

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Bild: Keystone

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Jeden Montag packt David* seinen Rucksack und zieht um. Wohin es geht, weiss er erst am selben Tag, nachdem er sich bei der Migrationsbehörde gemeldet hat. Dort teilt man ihn in eine der sieben Notunterkünfte für abgelehnte Asylsuchende des Kantons ein. Das sei eine sehr unangenehme Situation, sagt er. Jede Woche von neuem alles ein- und wieder auspacken: «Ich frage mich ständig, wohin ich als Nächstes gehen muss.»

Unbequem, so soll es gemäss den Behörden für ihn sein: «Wenn sich ein Nothilfebezüger jede Woche am Schalter präsentieren und umziehen muss, wird ihm bewusst, dass er sich hier illegal aufhält», erklärt Ruedi Hofstetter, Chef des Zürcher Sozialamtes.

«Eine gewisse Willkür»

Nicht alle trifft das «Sieben-Tage-Los». Insgesamt unterliegen 40 bis 60 Personen dem Zügelmodell. Entweder es trifft einen oder es trifft einen nicht. «Das Auswahlverfahren für die Sieben-Tage-Regelung unterliegt einer gewissen Willkür», gibt Hofstetter zu. «Es würde unsere Kapazitäten sprengen, wenn wir jede Woche von neuem alle Abgewiesenen unterbringen müssten.» Die Sieben-Tage-Regelung sei keine Bestrafung für abgewiesene Asylanten, die negativ aufgefallen wären.

Gemäss Artikel 12 der Bundesverfassung müssen die Kantone abgewiesenen Asylsuchenden Nothilfe leisten. Konkret heisst das: ein Bett, medizinische Versorgung und 60 Franken wöchentlich für Essen, Kleider und die Transportkosten für die Umzüge.

Psychologischen Druck erzeugen

Zurzeit halten sich im Kanton Zürich 1330 Menschen auf, deren Asylgesuch abgelehnt oder gar nicht bearbeitet wurde. Knapp die Hälfte kommt in den Zürcher Gemeinden unter. Der Kanton verteilt die restlichen 680 Personen auf die kantonalen Asylzentren, die teils unterirdisch sind. Die meisten von ihnen bleiben dort bis zu ihrer Ausreise oder bis sich ihre Lage ändert.

40 Abgewiesene müssen jedoch jeden Freitag umziehen. Diese Massnahme soll den psychologischen Druck erhöhen, das Land zu verlassen. «Es handelt sich dabei ausschliesslich um alleinstehende und gesunde Männer zwischen 20 und 30 Jahren», sagt Hofstetter.

«Glaube nicht, dass das funktioniert»

Hofstetter glaubt zwar, dass sich einzelne Männer nach einer gewissen Zeit auch aufgrund der unangenehmen Wohnsituation zur Rückreise in ihr Heimatland entschliessen. «Es lässt sich aber nicht feststellen, inwieweit die Sieben-Tage-Regelung Wirkung zeigt.»

David teilt Hofstetters Zweifel: «Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Nehmen Sie zum Beispiel mich: Ich kann nicht einfach nach Hause, nur weil ich hier nicht an einem Ort bleiben darf.» Manche würden tatsächlich ausreisen, aber nicht unbedingt in ihre Heimat. «Wer ohne Papiere nach Italien, Spanien oder Frankreich geht, wird wieder in die Schweiz zurückgeschickt», weiss er.

David hat bereits jedes der sieben Zentren durchlaufen. Sein Turnus beginnt ständig von neuem. Er kennt Leute, die seit zwei, drei oder sogar fünf Jahren «Seven Days» sind, wie sie sich selber nennen.

*Name der Redaktion bekannt.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.04.2012, 13:31 Uhr