Spiess-Hegglin siegt vor Gericht gegen «Weltwoche»-Vize

Philipp Gut ist vom Bezirksgericht Zürich wegen übler Nachrede verurteilt worden. Er bezichtigte Jolanda Spiess-Hegglin der Lüge.

Der Vorwurf lautet üble Nachrede: Wegen eines Artikels über Jolanda Spiess-Hegglin muss sich der «Weltwoche»-Journalist Philipp Gut vor Gericht verantworten. (Video: Tamedia/SDA)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für den stellvertretenden Chefredaktor der «Weltwoche» Philipp Gut werden Termine vor Gericht beinahe schon zur Gewohnheit. Erst letztes Jahr wurde der Journalist unter anderem wegen übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 130 Franken sowie einer unbedingten Busse von 5000 Franken verurteilt. Er hatte sich mehrfach ehrverletzend über die Professoren Philipp Sarasin und Svenja Goltermann geäussert.

Heute Nachmittag musste sich Gut erneut wegen übler Nachrede vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Diesmal klagte die Zuger Ex-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin. In dem am 24. September 2015 publizierten Artikel «Die fatalen Folgen eines Fehltritts» bezichtigte Gut sie der Lüge. Der Artikel drehte sich um die folgenschwere Zuger Landammanfeier, die als «Zuger Sex-Affäre» in die Mediengeschichte einging.

Behauptungen nicht genügend belegt

Gut beschrieb in dem Artikel wie Spiess-Hegglin sich im Nachgang zu der Feier «ungeniert als Opfer präsentierte» und «wiederholt zu Lügen Zuflucht nahm». «Die linke Frau» habe «den rechten Mann» «planmässig falsch beschuldigt» und eine «Betäubung durch illegale Substanzen und eine anschliessende Schändung» vorgetäuscht. Überdies habe Spiess-Hegglin aus eigener Motivation Anzeige gegen den SVPler eingereicht und nicht das Spital, das in solchen Fällen meldepflichtig ist. Spiess-Hegglin bestritt stets, selber Anzeige erstattet zu haben.

Video – der Gerichtsfall kurz erklärt:

«Ein später Showdown»: Der Gerichtsfall Spiess-Hegglin gegen Gut von Hintergrund-Redaktorin Michèle Binswanger erklärt (Video: Lea Koch).

Die Anklageschrift hielt fest, Gut sei es nicht gelungen, zu beweisen, dass seine Behauptungen der Wahrheit entsprechen oder er ernsthafte Gründe hatte, sie für wahr zu halten. Er habe Spiess-Hegglin in einem derart schlechten Licht präsentiert, dass sie im Ansehen der Mitmenschen empfindlich herabgesetzt wurde. Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 130 Franken und eine Busse von 3000 Franken. Philipp Guts Verteidiger forderte hingegen einen Freispruch.

Gut muss Geldstrafe und Genugtuung zahlen

Der Richter folgte in seinem Urteil der Argumentation der Anklage. «Der Wahrheitsbeweis wurde nicht erbracht», begründete er. Die eingereichten Beweise würden nicht belegen, dass Philipp Gut davon ausgehen musste, dass Spiess-Hegglin jemanden «planmässig falsch beschuldigt» hat. «Je ernsthafter die Behauptung, desto genauer muss die Faktenlage verifiziert werden», sagte der Richter.

Er sprach Philipp Gut der üblen Nachrede schuldig und verfügte eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 130 Franken. Die «Weltwoche» muss den entsprechenden Artikel löschen und das Urteil publizieren. Gut muss Spiess-Hegglin zudem 2500 Franken Genugtuung bezahlen.

Nicht der erste Sieg für Spiess-Hegglin

Die frühere Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin sah sich im Nachgang zu der Medienberichterstattung zu der Zuger Landammannfeier vor allem auf Social Media teils heftigen Verunglimpfungen ausgesetzt. Spiess-Hegglin begann die Täter systematisch wegen übler Nachrede zu verzeigen – oftmals mit Erfolg. Auf ihrer Facebook-Seite publizierte sie mehrere eingeschwärzte Strafbefehle. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2017, 13:00 Uhr

Artikel zum Thema

Neue Anklage gegen «Weltwoche»-Vizechef

Kaum rechtskräftig wegen übler Nachrede verurteilt, muss Philipp Gut erneut vor dem Richter erscheinen. Wieder geht es um üble Nachrede. Mehr...

Spiess-Hegglins Nachspiel

Zwei Jahre lang begleitete die SRF-Sendung «Reporter» Ex-Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin. Damit ist die «Zuger Sexaffäre» hoffentlich endgültig abgeschlossen. Mehr...

Spiess-Hegglin zieht sich aus der Politik zurück

«Es war kalt, bedrückend»: Jolanda Spiess-Hegglin tritt als Zuger Kantonsrätin ab. Sie will sich nun für Opfer von Cybermobbing einsetzen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Kommentare

Blogs

Mamablog Wegschauen oder eingreifen?
Politblog Was Demokratie kann – und was nicht
Outdoor Geheimwaffe Laktatstufentest

Die Welt in Bildern

Stillgestanden: Freiwillige Zivilschützer aus Hong Kong haben sich für eine zweitägige Grossübung in der Metropole Schutzanzüge übergestreift. (21. Mai 2017)
(Bild: Dale de la Rey) Mehr...