Ein Hexenkessel für Zürichs Fussball

Von Pascal Unternährer. Aktualisiert am 24.10.2012 167 Kommentare

Die Stadt Zürich präsentierte erstmals die Pläne fürs neue Fussballstadion auf dem Hardturmareal. DerBund.ch/Newsnet berichtete live.

1/9 Aufmarsch für das 230-Millionen-Projekt: (v.l.) Finanzvorsteher Martin Vollenwyder (FDP), FCZ-Präsident Ancillo Canepa, Architekten Daniel Krieg und Bob Gysin, GC-Präsident André Dosé, Hochbauvorsteher André Odermatt (SP), Direktorin des Amts für Hochbau Wiebke Rösler und Sportvorsteher Gerold Lauber (CVP). (24. Oktober 2012)
Bild: Jan Derrer

   

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Das neue Hardturmstadion

Das neue Hardturmstadion
Die Stadt präsentiert gemeinsam mit dem FCZ und GCZ das Siegerprojekt für das neue Stadion Zürich auf dem Hardturmareal.

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Zusammenfassung der Präsentation:

Der Zürcher Stadtrat hat heute zusammen mit den Präsidenten von GC und FCZ sowie den Architekten die Siegerprojekte für das neuen Hardturmstadion und die Wohnbauten daneben vorgestellt. Voraussichtlich im Herbst 2013 werden die Zürcher Stimmberechtigten über die Projekte abstimmen.

Die neue Fussball-Arena soll die Vorgaben der Stadt und der Clubs erfüllen. «Ein Stadion für den Fussball, für die Fans und für das Quartier», so der Tenor bei der Präsentation. Darin sollen künftig GC und FCZ eine Heimat finden. So sind die Infrastruktur und die Zuschauerkurven ausgelegt. Neben den maximal 19'500 Steh- und Sitzplätzen sind ein Restaurant, zwei Fan-Bars, und 15 Logen vorgesehen. Die Arena soll mit steilen Tribünen «eine tolle Atmosphäre garantieren».

Die anvisierten Kosten betragen 150 Millionen Franken für das Stadion. Zusammen mit dem Grundstück und den Wohnbauten wird dem Volk ein Kredit von 230 Millionen Franken zur Abstimmung vorgelegt. 103 Millionen für Wohnungen

Rund 80 Millionen kostet die neue Wohnsiedlung. Dazu kommen Reserven, Altlasten und das Grundstück. Die Stimmberechtigten werden insgesamt über 103 Millionen Franken für die Wohnstätte in Zürich-West abstimmen.

Dazu kommen die Landkosten für das bereits erworbene Grundstück von rund 44 Millionen, Grundstückbereitstellungskosten und die Beteiligung an der Betriebsgesellschaft.

«Die Stadt macht damit alle Kosten und Risiken transparent. Das ist ein demokratisches Gebot», sagt Stadtrat André Odermatt. Er betont aber auch, dass es bei der Stadt äusserst selten zu Kostenüberschreitungen komme. «Das Preisetikett, das wir auf ein Projekt kleben, ist verbindlich.»

250 Kinder erwartet

Zürich-West soll durch die beiden Projekte belebter werden: 154 Wohnungen, einen Doppelkindergarten und einen Hort sowie Gemeinschafts- und Gewerberäume will die Stadt neben dem Stadion erstellen. 42 Wohnungen sind für die Stiftung Wohnungen für kinderreiche Familien reserviert. Es werden 250 Kinder erwartet.

Das Zürcher Stimmvolk wird – die Zustimmung des Gemeinderates vorausgesetzt – voraussichtlich im September 2013 über die beiden Vorlagen abstimmen. 2015 ist der Spatenstich fürs Stadion geplant und nach einer 22-monatigen Bauzeit wird zum Saisonstart 2017/18 das erste Spiel in der neuen Arena angepfiffen.

Der Live-Ticker ist beendet.

12.51 Uhr: Ancillo Canepa,

Der FCZ-Präsident meinte, es sei «absolut notwendig, dass in Zürich ein reines Fussballstadion gebaut wird». Und zwar aus wirtschaftlichen Gründen für den Club, aber auch aus sportlichen Gründen. Ein Gegner sagte ihm, dass er am liebsten im Letzigrund spiele, erzählte Canepa. Und zwar weil das (Heim-)Publikum so weit weg ist.

Canepa sagte weiter, das neue Stadion werde der einzige Ort in Zürich sein, an dem sich die Menschen aller Schichten regelmässig treffen werden. Das allein sei bereits ein guter Grund, dem Stadion zuzustimmen, meinte er.

12.46 Uhr: André Dosé,

Der GC-Präsident sagte, der Club habe sich auf diesen Tag sehr gefreut. Der Letzigrund sei ein Provisorium gewesen. «Ein Hexenkessel muss entstehen», forderte er. Dosé erhofft sich mehr Erträge für den Club, vor allem durch die Vermietung der Logen. Auch gab er sich sicher, dass mehr Zuschauer kommen werden. Der Ex-Swiss-Chef sagte, er lege einen grossen Wert auf die Sicherheit. Diese sei im neuen Stadion sehr gut gewährleistet.

12. 40 Uhr: Daniel Krieg

Der Architekt sagte, sein Projekt reihe sich ein in die unzähligen Blockrandsiedlungen in der Nähe ein. Seine Pläne sehen einen grosszügigen Platz zwischen Stadionkessel und Quartier vor.

12.23 Uhr: Martin Vollenwyder,

Der Finanzvorstand stellte den Wohnturm vor, der neben das Stadion zu stehen kommt. Vorgesehen ist, dass die Mieten auch für kleinere Budgets finanzierbar sein werden. Dem Volk wird ein Kredit von 103 Millionen dafür vorgelegt.

Fürs Stadion wird noch eine Betriebsgesellschaft gegründet. Hier gab Vollenwyder neue Zahlen bekannt. Die Stadt wird sich am Eigenkapital von 8 Millionen mit 5 Millionen beteiligen. Die Clubs werden 2 Millionen beitragen - statt wie ursprünglich geplant 5 Millionen. Eine Million soll durch eine soganannte Volksaktie zusammenkommen.

Als jährlicher Aufwand sind 14,6 Millionen geplant. Von den beiden Clubs erwartet Vollenwyder 3 bis 5 Millionen Miete und als Defizit zwischen 6,3 bis 8,3 Millionen im Jahr. Dieses Geld wird von der Stadt eingeschossen. Das Volk wird separat über jährlich wiederkehrende Ausgaben von 8,3 Millionen abstimmen können. Der Preis für einen Einzeleintritt wird laut Vollenwyder 32 Franken betragen.

12.13 Uhr: Gerold Lauber

Zürichs Sportminister erklärte, es bleibe bei den 19'500 Zuschauern. Er wisse, dass dies als zu klein kritisiert werde. Es sei aber eine "faire Grösse", die gute Stimmung garantiere. Für den FC Zürich rechnet Lauber mit durchschnittlich 10'000 Zuschauern, für den Grasshopper-Club 8000. Es soll 150 Logen, 500 Gönnerplätze, 500 Businessplätze, ein Restaurant und 18 Verpflegungsstand geben.

12.02 Uhr: André Odermatt

Laut dem Zürcher Hochbauvorsteher hat die Jury den Entscheid zugunsten der Architekten Burkard Meyer einstimmig gefällt. Die Zielkosten von 150 Millionen würden eingehalten. Dem Gemeinderat und dem Volk wird aber vorsichtshalber ein Kredit von 230 Millionen vorgelegt. Darin enthalten sind unter anderem 20 Prozent Kosteunsicherheit und 44 Millionen fürs Grundstück. «Wir präsentieren eine Vollkostenrechnung», sagte Odermatt.

Ausgangslage

Heute wird bekannt, wie das neue Fussballstadion auf dem Hardturmareal aussehen wird. Die neue Heimat für den Grasshopper-Club und den FC Zürich soll für nationale Wettbewerbe 19'500 Zuschauer fassen - rund 13'000 Sitz- 6600 Stehplätze. Für internationale Spiele liegt die Kapazität bei 16'000 Zuschauern.

Die Stehplatzklausel haben sich die Fans erkämpft – in erster Linie die Südkurve des FCZ. Sie haben auch durchgesetzt, dass die Anhänger beider Vereine ihre eigenen Kurven erhalten. Das verteuerte den Stadionpreis von 135 auf 150 Millionen Franken, weil unter anderem neu eine Passerelle für die Gästefans gebaut werden muss.

Aargauer bauen Zürcher Stadion

Den Architekturwettbewerb hat das Badener Architekturbüro Burkard Meyer gewonnen, das auch das neue Stadion des FC Aarau plant. Am Anfang des Wettbewerbs standen zwölf Teams aus fünf Ländern. Im Mai wurden drei Architekturbüros dazu erkoren, ihr Projekt weiterzuentwickeln und die Kosten zu senken, da niemand die 150 Millionen eingehalten hat. Das Nachsehen hatten schliesslich Pulver Architekten (Rang 2) und Gigon/Guyer, zwei Teams aus Zürich.

Ob die Vorgabe von 150 Millionen eingehalten wird, ist noch unklar. Denn die Stadt betonte, dass die Summe ein Kostenziel, aber kein Kostendach ist. Es sei im derzeitigen Projektstadium mit einer Unschärfe von bis zu 25 Prozent zu rechnen.

Millionendefizit erwartet

Voraussichtlich wird die Stadt mittels Investition und Darlehen das Gros des Preises zahlen. Mit je 2,5 Millionen sind die beiden Clubs dabei, mit 8 Millionen der Kanton. Ob wie geplant weitere private Investoren und die Öffentlichkeit (Volksaktie) dazukommen, ist noch unklar. Anfang Jahr zog die Fifa ihre 20-Millionen-Beteiligung zurück, weil sie gegen Stehplätze ist. Das Geld zahlte der Weltfussballverband für Breitensport-Projekte, die Stadt füllt die Lücke in der Stadionfinanzierung.

Eine Betriebsgesellschaft für die Arena muss noch gegründet werden. Die Stadt rechnet mit einem jährlichen Defizit von 5 bis 7 Millionen, welche sie bereit ist zu decken. Das wird eines der grossen Themen sein anlässlich der Volksabstimmung im Jahr 2013.

15-jährige Saga

Ein neues Fussballstadion ist in der Stadt Zürich seit 1997 ein Thema. Zuerst wollte der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber auf dem Hardturmareal ein polysportives Stadion bauen für den Fussball und die Leichtathletik. Diese Pläne lösten sich bald auf, worauf die Credit Suisse einsprang.

Für 350 Millionen wollte die Grossbank ein Stadion-Pentagon für 30'000 Zuschauer hinstellen, das auf einem grossen Shopping-Center gebaut worden wäre und bis zu 47 Meter hoch geworden wäre (das neue Projekt soll nicht höher als 25 Meter werden). Das Volk hiess die Pläne gut, doch es kam zu endlosen juristischen Querelen mit den Anwohnern, die sich vor allem gegen den Shopping-Teil wehrten. Irgendwann gab die Bank auf, die Pläne wurden begraben.

Letzigrund als Notlösung

In der Zwischenzeit baute die Stadt im Eilzugtempo für 110 Millionen ein neues Letzigrundstadion. Es ist als Leichtathletik- und Eventstadion geplant und wurde für die Euro 2008 kurzfristig fussballtauglich gemacht.

Es herrscht aber Einigkeit, dass es für Fussballzwecke nicht ideal ist, da die Zuschauer weit weg vom Geschehen und die Rampen flach sind. Seit 2007 spielen beide Zürcher Profi-Clubs im Letzigrund, weil die alte GC-Heimat Hardturm geschleift wurde. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2012, 11:58 Uhr

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167 Kommentare

Danilo Cortesi

24.10.2012, 13:01 Uhr
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Mich "lupfts" immernoch beim gedanken, dass da ein fertiges, durchfinanziertes (cs), durch das volk bereits angenommene (!) projekt bereitstand und man es tatsächlich fertigbrachte, es abzuschiessen! jetzt kostet es den steuerzahler hunderte von mio. franken! notabene für ein grümpistadion! das ist doch ein absoluter witz! eintrittspreis fr. 32 finde ich dann auch noch genug. ein glasklares nein! Antworten


Thierry Emanuel

24.10.2012, 12:15 Uhr
Melden 209 Empfehlung 52

Eine Passerelle für 15 mio? Wird die vergoldet und mit brillianten versetzt? Antworten