Gratis WLAN: Stadtrat Türler blockt weiter, jetzt entscheidet der Gemeinderat
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 19.06.2012 69 Kommentare
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Was wird in Zürich dringender benötigt: Ein flächendeckendes Glasfasernetz oder ein offenes WLAN-Netz?
Glasfasernetz
WLAN-Netz
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Setzt statt auf WLAN in Zürich auf Glasfasern: Andres Türler, Vorsteher der Industriellen Betriebe. (Bild: Keystone )
Was ist WLAN
WLAN steht für Wireless Local Area Network – zu Deutsch: Drahtloses lokales Netzwerk. Gemeint sind lokale Funknetze mit besonders grosser Sendeleistung und Reichweite. Geläufig ist auch die Bezeichnung Wi-Fi. Unter sogenannten Hotspots versteht man öffentliche drahtlose Internetzugriffspunkte. Wer sich an solchen Orten ins Netz einloggen will, kann das mit dem entsprechenden Passwort tun. Meist ist dies jedoch nur gegen Bezahlung möglich.
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Die politischen Mühlen der Stadt Zürich mahlen bisweilen langsam. Am 10. Februar 2010 reichten Claudia Nielsen und Davy Graf (beide SP) ein Postulat ein, in welchem sie die Schaffung eines offenen WLAN-Netzes auf dem ganzen Stadtgebiet forderten. Am 27. Juni 2012 ist das Geschäft nun endlich im Zürcher Gemeinderat traktandiert.
Inzwischen haben andere Schweizer Städte Zürich diesbezüglich längst überholt. Die Luzerner Innenstadt wird schon seit 2007 mit einem Gratis-WLAN abgedeckt. In Bern und in St. Gallen werden entsprechende Projekte vorangetrieben.
Stadtrat begründet seine Ablehnung
Ob die Stadt Zürich ein ähnliches Angebot wie Luzern bereitstellen wird, steht und fällt mit dem Entscheid des Gemeinderats. Er muss einen entsprechenden Auftrag an den Stadtrat erteilen. Der Stadtrat selbst hat seine Ablehnung bereits kurz nach Einreichung des Postulats bekannt gegeben. Andres Türler, Vorsteher des zuständigen Departements Industrielle Betriebe, wird diese nun in der Ratssitzung vom 27. Juni begründen und damit die Debatte über das Geschäft erneut ins Rollen bringen.
Wie die Stossrichtung des Stadtrats sein wird, steht schon heute fest. «Die Stadt Zürich setzt voll auf ein flächendeckendes Glasfasernetz und auch der Gemeinderat hat diese Form der Telekommunikation klar gutgeheissen», erklärt Türlers Pressesprecherin Renata Huber auf Anfrage. «Das Erstellen eines öffentlichen WLAN-Netzes ist keine Aufgabe der öffentlichen Hand, sondern sollte von Privaten angegangen werden.»
Hoffen auf eine Mehrheit im Gemeinderat
Davy Graf lässt sich von dieser Haltung nicht abschrecken. «Ich bin zuversichtlich, dass sich eine Mehrheit im Gemeinderat finden lässt», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch. Ganz ohne Lobbyieren wird es allerdings nicht gehen. «Ich werde sicher noch das Gespräch mit den Grünliberalen suchen und ich könnte mir vorstellen, dass auch CVP und FDP zustimmen werden.»
In der Debatte um ein offenes WLAN-Netz gehe es nicht darum, die Mobilfunkunternehmen oder das Glasfasernetz zu konkurrenzieren. «Das ist gar nicht miteinander vergleichbar», betont er. Der Stadtrat solle in einem ersten Schritt lediglich prüfen, was auf dem Stadtgebiet überhaupt möglich wäre.
Hotspots koordinieren
Graf erhofft sich von der Stadt, dass sie eine Karte mit den verschiedenen Netzen erstellt und im öffentlichen Raum – beispielsweise am Seebecken – selbst punktuell Hotspots einrichtet. «So könnte ein Überangebot verhindert und ein bedürfnisgerechtes Angebot erstellt werden», ist er überzeugt. Wer nämlich derzeit in Zürich mit einem Smartphone unterwegs sei, komme dabei immer wieder in ein Netz von privaten Anbietern – seien es Cafés, Restaurants oder Läden. «Es wäre sinnvoll, die vorhandenen Wireless-Hotspots miteinander zu koordinieren.»
Die Kosten für ein öffentliches WLAN-Netz seien nicht hoch, hält Graf fest. Es habe sich zudem in der Zeit seit der Einreichung des Postulats viel getan und es gebe noch mehr technische Möglichkeiten, um ein solches Netz aufzubauen. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein Pilotprojekt gestartet wird, an dem auch öffentliche Einrichtungen wie Hochschulen, Spitäler, die Zürcher Verkehrsbetriebe und die SBB teilnehmen werden. Das Netz liesse sich dann auf freiwilliger Basis mit privaten Anbietern erweitern.» Er ist davon überzeugt, dass verschiedene Akteure für ein solches Projekt gewonnen werden könnten.
Sollte sich allerdings der Gemeinderat in gut einer Woche für das Postulat aussprechen, ist allerdings erneut Geduld gefordert. Der Stadtrat hat danach zwei Jahre Zeit, um den Auftrag des Rates zu erfüllen – oder detailliert bekannt zu geben, warum das Postulat nicht umgesetzt werden kann. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.06.2012, 11:50 Uhr
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