Die unbelehrbaren Posträuber
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Knapp 15 Jahre nach dem «Jahrhundertcoup» muss sich der 53-jährige Familienvater und Wirt Giuseppe V. am 25. April vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Staatsanwalt wirft dem Italiener vor, rund 200 Gramm Kokain verkauft und die gleiche Menge vermittelt zu haben. Er verlangt eine zweijährige bedingte Freiheitsstrafe. Zudem soll der Italiener den Gewinn des Drogendeals in der Höhe von 5000 Franken der Staatskasse abliefern.
Die Polizei kam dem Mann mithilfe eines verdeckten Ermittlers Ende 2008 auf die Spur. Der Ermittler mit dem Decknamen Fabrizio zeigte in der Pizzeria des Beschuldigten in Zürich-Seebach Interesse an Kokain.
Koks in der Pizzaschachtel
Giuseppe V. und ein Angestellter bissen an: Sie offerierten Fabrizio 100 Gramm Koks für 7500 Franken. Den Stoff hatten sie an der Langstrasse gekauft. Die Droge übergaben sie Fabrizio versteckt in einer Pizzaschachtel. Daneben soll der Beschuldigte 2008 und 2009 die gleiche Menge Koks an mehrere Konsumenten verkauft und den Handel von 200 Gramm vermittelt haben.
Dass er für Giuseppe V. nur eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren fordere, hänge mit dem Geständnis und der Einsichtigkeit zusammen, sagt der Staatsanwalt. Er stellt ihm eine günstige Prognose.
Damals Spielsalon, jetzt Pizzeria
Giuseppe V. ist mit seinem Rückfall in bester Gesellschaft – von den acht Haupttätern sind noch drei weitere straffällig geworden. Der Wirt war beim eigentlichen Überfall auf die Fraumünsterpost zwar nicht dabei. Er agierte aber als Drahtzieher im Hintergrund, wie Gericht und Staatsanwalt damals vermuteten. Der Mann hatte einen Spielsalon an der Schaffhauserstrasse in Seebach geführt – unweit seiner heutigen Pizzeria. Dort trafen sich die Räuber. Nach dem Postraub war Giuseppe V. zu dreidreiviertel Jahren Gefängnis verurteilt worden. Neben ihm musste sich die Justiz noch mit folgenden drei Posträubern beschäftigen:
- Elias A. verübte bereits wenige Monate nach der Haftentlassung mit einem Komplizen im April 2003 einen bewaffneten Überfall auf einen Geschäftsmann in Wilen bei Sarnen OW. Beute: einige Tausend Franken und eine Digitalkamera. In November des gleichen Jahres wurde der Libanese in Zürich verhaftet. Er stritt die Tat ab. Die Polizei hatte aber einen Zigarettenstummel mit seiner DNA in der Nähe des Tatortes gefunden sowie die gestohlene Digitalkamera bei ihm entdeckt. Das Obergericht Obwalden verurteilte ihn zu vier Jahren. Der heute 47-Jährige Mann ist mit einer Einreisesperre belegt. Beim Postraub hatte der als Anführer geltende Mann eine Strafe von sechseinviertel Jahren erhalten. Auch damals hatte er am Tatort eine «Visitenkarte» in Form eines Fingerabdrucks hinterlassen und die Polizei auf die Spur geführt.
- Dieter M. sorgte im Oktober 2004 bei einem bewaffneten Überfall auf einen Massagesalon in Zürich-Wipkingen für Furore: Er erschoss einen Polizeihund, als die alarmierte Polizei erschien. Der Mann habe gezielt auf den Hund geschossen, weil er einen Komplizen gebissen hatte, sagten die Richter. Für den Überfall kassierte der kokainsüchtige Mann sieben Jahre. Der heute 36-jährige Familienvater hat die Strafe inzwischen abgesessen. Für den Postraub wurde er mit vierdreiviertel Jahren bestraft.
- Zoran V. überfiel zusammen mit einem Komplizen im November 2010 einen Modeberater in dessen Wohnung in Dietikon. Bei ihm hatte der Komplize einen Tag zuvor Kokain gekauft. Danach plünderte das Duo mit der erbeuteten Bankkarte am Bancomaten sein Konto, auf dem 300 Franken lagen. Das Gericht verurteilte Zoran V. wegen Raub und Erpressung zu zwei Jahren. Der heute 35-jährige Serbe ist inzwischen wieder in sein Heimatland ausgeschafft worden. Als Jüngster der am Postraub Beteiligten war er nach der Tat zuerst in eine Arbeitserziehungsanstalt gesteckt worden, aus der er flüchtete. Später erhielt er eine Strafe von viereinviertel Jahren. Er wurde danach nach Serbien ausgeschafft und gründete dort eine Holzkistenfirma. Er kehrte aber immer wieder in die Schweiz zurück.
Von den restlichen vier Tätern der Kerngruppe des Überfalls ist von polizeilicher Seite her nichts zu erfahren. Es handelt sich dabei einmal um den Tippgeber, einen Hilfspöstler. Der Italiener erhielt eine Strafe von sechseinhalb Jahren. Zu fünfeinhalb Jahren wurden zwei weitere Räuber verurteilt: Hassan E., ein Libanese, und der Italiener Domenico Silano. Der achte Täter, Mustafa M., wurde wegen Gehilfenschaft, Hehlerei und Geldwäscherei zu 27 Monaten verurteilt.
Posträuber als Buchautor
Domenico Silano sorgte vor knapp drei Jahren für Schlagzeilen, als er sein Leben als Posträuber in einem Buch beschrieb. Bei der Buchvernissage in Zürich traf Silano auch auf Staatsanwalt Rolf Jäger, der die Bande hinter Schloss und Riegel gebracht hatte. Silano überreichte Jäger ein Buch mit Widmung. Der Staatsanwalt sagte damals: «Ich hoffe, seine Reue über den Postraub ist echt.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.04.2012, 14:25 Uhr
