Die Erlösung kam per SMS: «Es ist tatsächlich unser Bild!»
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 13.04.2012 5 Kommentare
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Polizisten haben das 80 cm × 64 cm grosse Cézanne-Ölgemälde in Belgrad ausfindig gemacht. Es war am 10. Februar 2008 von drei maskierten und bewaffneten Räubern zusammen mit drei weiteren Kunstwerken in Zürich gestohlen worden. Der Überfall auf die Sammlung E. G. Bührle im Kreis 8 dauerte gerade einmal 3 Minuten. Einer der Täter sprach Deutsch mit slawischem Akzent, meldete damals die Polizei. Die Medien schrieben von einem Jahrhundertkunstraub, der Wert der vier Bilder beträgt 180 Millionen Franken.
Ein Jahr später wurde bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Raub DNA-Spuren sichergestellt worden sind, die auf Rammbockeinbrecher hinwiesen, die schon in einer oder mehreren Bijouterien zugeschlagen hatten. Ob die Schmuckräuber identisch mit den Bilderräubern sind, wird sich nun zeigen. Laut serbischen Medien verhaftete eine Sondereinheit der Polizei am Mittwochabend drei Männer. Beim Bandenboss soll es sich um einen Mann namens Ivan Pekovic handeln. Der Festnahme ging eine wilde Verfolgungsjagd in Belgrad voraus. Bei einem vierten Mann, der der Bande angehören soll und ebenfalls verhaftet wurde, fanden die Polizisten Waffen im Wert von 1,6 Millionen Euro. Die serbischen Behörden ermittelten monatelang im Fall der gestohlenen Bilder. Dabei arbeiteten sie eng mit den Zürcher Behörden zusammen.
Zürcher Polizei vor Ort
Lukas Gloor, Direktor der Stiftung Sammlung E. G. Bührle, flog am Donnerstagmorgen nach Belgrad, um das Bild zu identifizieren. Gegen Abend schickte er einem Zürcher Kunstfreund das erlösende SMS: «Es ist tatsächlich unser Bild!» Bei der Verhaftungsaktion in Belgrad waren Zürcher Stadt- und Kantonspolizisten sowie ein Staatsanwalt dabei, wie Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, sagte. Am Abend bestätigte auch die Staatsanwaltschaft offiziell, dass es sich beim sichergestellten Bild um das gestohlene Werk von Cézanne handelt. Sie will zusammen mit der Polizei und der Bührle-Stiftung nächste Woche informieren.
Mit der Sicherstellung des Werks fehlt von den vier gestohlenen noch das «billigste» Bild: «Ludovic Lepic und seine Töchter» von Edgar Degas im Wert von 10 Millionen Franken. Die beiden anderen Gemälde wurden von einem Angestellten der Psychiatrischen Universitätsklinik am 18. Februar 2008 auf dem öffentlichen Parkplatz vor der Klinik in einem Auto entdeckt. Es handelte sich um das Ölgemälde «Mohnfeld bei Vétheuil» von Claude Monet und «Blühende Kastanienzweige» von Vincent van Gogh. Die beiden Bilder im Wert von rund 70 Millionen Franken waren in einem guten Zustand. Warum die Räuber gerade diese beiden Gemälde zurückliessen, ist unklar. Es sind zwei recht grosse Bilder – vielleicht waren sie den Räubern auf der Flucht zu sperrig.
Damals für 400'000 gekauft
Laut einem Sprecher des Zürcher Kunsthauses werden sämtliche Bilder der Sammlung E. G. Bührle – also auch die drei wiedergefundenen Werke – in den geplanten Neubau des Kunsthauses integriert. Der Vertrag zwischen den beiden Parteien soll Ende Mai unterschrieben werden. Der Neubau wird 2017 fertig sein, sofern die Bevölkerung dem Kredit zustimmt.
Paul Cézanne (1839–1906) hatte das Bild «Knabe mit der roten Weste» um 1888–90 gemalt. Charakteristisch ist der überlange rechte Arm des Knaben. Für Direktor Gloor ist das Werk ein Symbolbild der Bührle-Sammlung. Der Künstler hat das gleiche Modell um 1890 viermal gemalt und ein weiteres Mal aquarelliert. Es hat einen wichtigen Stellenwert unter seinen Porträtbildern. Der Zürcher Waffenproduzent Emil Georg Bührle kaufte das Gemälde 1948 für 400'000 Franken und stellte es in der Villa an der Zollikerstrasse im Kreis 8 aus. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.04.2012, 07:38 Uhr
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5 Kommentare
Waffenhändler rauben exWaffenhändler aus. Die Waffenhändler aus Belgrad liefern Waffen in Krisenregionen auf dem Kontinent Afrika und der Waffenproduzent aus Zürich verkaufte damals Waffen noch Europaweit. 1948 konnte sich nur jemand solchen Luxus leisten, der vom zweiten Weltkrieg profitiert hat. Interessant, schmutziges Geschäft und Kunst stehen sich immer nahe. Antworten

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