Der ehemalige Gemeindepräsident Hans Isler sagt der SVP Adieu

Die SVP Meilen hätte den nicht ganz unerwarteten Abgang des langjährigen, prominenten Mitglieds gerne geheim gehalten.

Nicht nur beim Dorfkern war er anderer Meinung als die SVP:
Meilens ehemaliger Gemeindepräsident Hans Isler.

Nicht nur beim Dorfkern war er anderer Meinung als die SVP: Meilens ehemaliger Gemeindepräsident Hans Isler.
Bild: Sabine Rock

Kommentar

Liberale Kräfte sind weiter stark
Altgediente Meilemer Gewerbler erinnern sich gut an die Zeit, in der sie sich an den Gebrauch des Befehlstons in ihrer Partei haben gewöhnen müssen. Es waren die Siebzigerjahre, aus der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) war die SVP geworden. Christoph Blocher machte sich von Meilen aus daran, die Partei auf einen harten Einheitskurs zu drillen. Dies tat er mit Erfolg, doch ausgerechnet in seinem damaligen Wohnort behielten die alten liberalen Kräfte grosses Gewicht. Davon zeugt, dass sich die Meilemer Sektion als eine der wenigen immer noch SVP/BGB nennt.

Der Austritt Hans Islers kann als letzter Protest einer aussterbenden Spezies verstanden werden. Isler folgt dem Vorbild eines anderen ehemaligen SVP-Gemeindepräsidenten. Walter Landis konnte sich ebenfalls nicht mehr mit der Partei identifizieren. Nun haben in der Meilemer SVP definitiv die Jünger Blochers das Sagen, dessen Schwiegersohn Roberto Martullo etwa oder Kantonsrat Adrian Bergmann. Ob dies zu mehr Einfluss auf die Gemeindepolitik führt, ist fraglich. Der Freisinn ist am See nach wie vor stark. Die Meilemer haben zudem in den letzten Gemeinderatswahlen gezeigt, dass sie den aggressiven Stil der SVP nicht goutieren. Angestrebt hatte diese einen Sitzgewinn. Sie vermochte jedoch nicht einmal Islers Sitz zu verteidigen. (Raphael Briner)

Edwin Bolleter, unbequemes Meilemer SVP-Mitglied, hat öffentlich gemacht, was SVP-Ortsparteipräsident Roberto Martullo gerne für sich behalten hätte: Vor einem Monat gab der langjährige Gemeindepräsident Hans Isler den Austritt aus der Volkspartei.

Bolleter hat im «Zürcher Boten» vom 27. August, dem Parteiblatt der SVP-Kantonszentrale, den Austritt von Isler publik gemacht und macht den ehemaligen Gemeindepräsidenten in seinem Leserbrief verantwortlich für den Niedergang der SVP Meilen. So habe bei Islers Eintritt in den Gemeinderat vor 12 Jahren die SVP dort noch drei Sitze innegehabt. Heute sei es noch einer. Isler habe das Mitbestimmungsrecht der Meilemer beschnitten, indem er die Gemeindewerke privatisiert habe, und er habe eine Million Steuergelder verschwendet mit dem gescheiterten Dorfkern-Projekt Nucleus. Dies sei eine schlechte Bilanz für einen, den die SVP portiert und dem sie den gesamten Wahlkampf finanziert habe.

Blocher-Kurs nicht Islers Ding

Den Angriff nimmt Isler gelassen hin. «Zu oft hat Bolleter mir Ähnliches in Leserbriefen bereits vorgeworfen. Ich weiss wirklich nicht, was ich ihm angetan habe, dass er mich immer wieder aufs Korn nimmt.» Den Austritt aus der Partei bestätigt er. Gründe möchte er keine nennen. Das muss er auch nicht: Isler, der zu BGB-Zeiten zur Partei gestossen ist, machte in der Vergangenheit nie ein Hehl daraus, dass der neue Kurs der SVP nicht sein Ding ist. Dass er als seinen Nachfolger Christoph Hiller (FDP) aufgebaut hat, vervollständigt das Bild. Er wird der SVP aber nicht untreu. «Ich will keiner Partei mehr angehören», sagt Isler.

Roberto Martullo, Präsident der Meilemer SVP und Blocher-Schwiegersohn, bedauert den Abgang von Isler. «Wer in der SVP ist, der bleibt normalerweise auch in der SVP, wenn ihm der Vorstand nicht mehr passt. Man kommt dann einfach nicht mehr an die Versammlungen», sagt er. Dem Austritt sei jedoch kein Streit vorausgegangen. Hans Isler habe schon vor längerer Zeit zu verstehen gegeben, dass mit seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat auch seine Zeit in der SVP ablaufe.

Parallelen zum Fall Landis

Hans Isler habe keineswegs der Rückhalt in der Partei gefehlt, wie Bolleter es in seinem Leserbrief weiter schreibt. «Der Gemeindepräsident hatte oft das Wort an Parteiversammlungen und wusste immer wieder zu überzeugen.» Allerdings habe er auch Niederlagen einstecken müssen, etwa beim Projekt Nucleus oder der Flaniermeile auf der Dorfstrasse, welche die SVP abgelehnt hatte.

Für Martullo kommt es nicht sonderlich überraschend, dass einem liberalen SVP-Mitglied der neue, stramme Kurs in der Meilemer Ortssektion zu viel wird. Vor einem Jahr hatte diese bereits einen prominenten Austritt zu vermelden: Der ehemalige Meilemer SVP-Gemeindepräsident Walter Landis liess sich damals in den Zürcher Vorstand der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) wählen. Bereits im Vorfeld war er wegen seiner Blocher-feindlichen Aussagen und öffentlich ausgesprochenen Sympathien zur SVP-Abspaltung BDP in Ungnade gefallen.

Martullo will weitermachen

«Nun, das war eine andere Geschichte», sagt Martullo. Es wehe aber nun einmal ein anderer Wind, seit Adrian Bergmann, Martullo selber und Yves Gadient, der Zürcher SVP-Parteisekretär, Einsitz im Vorstand genommen hätten. Der Partei sei dies jedoch keineswegs abträglich. Seit einigen Monaten hielten sich die Eintritte und die Austritte in der Meilemer SVP in etwa die Waage.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom rechten Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an staefa@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2010, 22:26 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

2 Kommentare

Lena Saphin

03.09.2010, 16:51 Uhr
Melden

@ R. Grab: ich sehe das auch so, diese Partei hat ihren Zenit überschritten, aber mit Speck fing man eben Mäuse... Antworten


Robert Grab

03.09.2010, 10:55 Uhr
Melden

Bald werden es auch viele andere einsehen und die Flucht ergreifen! Antworten