Pianobauer neben Telematiker

Aktualisiert am 02.09.2010

An der Züri Oberland Mäss (ZOM) gibt es dieses Jahr erstmals ein Lehrlingsdorf. Dort erklären auch Lernende von nicht alltäglichen Berufen ihr Handwerk.

An der Messe zeigen sie, was sie können: Koch-Lehrtöchter bieten ihre Süssigkeiten an.

An der Messe zeigen sie, was sie können: Koch-Lehrtöchter bieten ihre Süssigkeiten an.
Bild: Sandro Zappella

Gelatine-Herzli, Gebäck und Pralinés. Mit strahlendem Gesicht streckt Natalie Ferreira Besuchern ein Tablett mit diesen Köstlichkeiten entgegen. Die Köchin im 3. Lehrjahr im Wetziker Krankenheim Sonnweid hat den süssen Fingerfood selbst gebacken. Die Besucher greifen gerne zu. Mit zwei weiteren Lehrlingen betreut Ferreira den Stand der Sonnweid im Lehrlingsdorf der ZOM.

«Die Sonnweid ist ein Krankenheim, das sich auf die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz konzentriert», erklärt Ferreira. Das Konzept für den Stand haben die Lernenden selbst entwickelt. «Der Fingerfood soll die Besucher zu uns locken», sagt Ferreira. An den Wänden hängen überall Plakate und Bilder. «Wir haben unsere Tagesabläufe aufgeschrieben, um den Leuten ein Bild von unserem Beruf zu vermitteln», sagt Ferreira.

Lehrreich auch für den Gemeindepräsidenten

Neben Koch bietet die Sonnweid auch andere Lehrberufe wie zum Beispiel Fachfrau Gesundheit (Fage) an. Die Wände des Standes sind übersät mit Zitaten von Bewohnern der Sonnweid. «Schliesslich wollen wir vor allem auf die Krankheit aufmerksam machen», sagt Ferreira. Bereitwillig gibt sie allen Besuchern Auskunft und erzählt Anekdoten der Bewohner aus dem Heimalltag.

«Dieses Lehrlingsdorf ist die spannendste Sonderschau, die ich je gesehen habe», sagt Urs Fischer (FDP), Gemeindepräsident von Wetzikon. Es sei schade, dass es zu wenig Platz für noch mehr Stände habe. «Beim Ausbildungsverband für Telematiker musste ich mir erst mal erklären lassen, was ein Telematiker überhaupt ist», sagt er schmunzelnd. Ein Telematiker ist ein Fachmann auf dem Gebiet Telekommunikation und Informatik. Der Beruf sei bei jungen Lernenden sehr beliebt, sagt einer der Telematiker-Lehrlinge.

Der Bau kämpft um Lehrlinge

Weniger beliebt sind Berufe auf dem Bau. Umso grösser sind dafür die Slogans auf den Trennwänden beim Stand des Baumeisterverbandes. «Maurer braucht die Welt» und «Auf dem Bau gibts freie Lehrstellen» steht da. Viel weniger Lehrstellen als auf dem Bau, gibt es als Musikinstrumentenbauer in der Fachrichtung Klavierbau. «Insgesamt werden jährlich fünf Lehrstellen als Klavierbauer vergeben», sagt Andreas Grünenwald, der sich eine der Lehrstellen ergattern konnte und nun im zweiten von vier Lehrjahren ist.

Wobei die Jobbeschreibung Klavierbauer für die Schweiz nicht wirklich zutreffend ist: «In der Schweiz werden leider keine Klaviere mehr hergestellt», sagt Grünenwald, der bei Urs Bachmann Pianos in Wetzikon arbeitet. «Ich lerne, Klaviere und Flügel zu reparieren, zu restaurieren und zu stimmen», erklärt Grünenwald. Aufgrund der kleinen Zahl an Auszubildenden, gibt es nur eine einzige Berufsschule. Die Lernenden gehen mehrmals jährlich für zwei bis vier Wochen nach Arenenberg im Thurgau in die Berufsschule.

Gemeindepräsident Fischer fordert die Besucher der ZOM auf: «Sucht den Dialog mit den Lehrlingen, sie geben alle gerne Auskunft.» Dass die Lehrlinge ein so grosses Engagement zeigen, freut Fischer. «Ich muss mir um die Jugendlichen in Wetzikon wohl keine Sorgen machen», sagt er.

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Erstellt: 02.09.2010, 20:25 Uhr

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