«Stau weg»-Initiative ging den Bach ab

Aktualisiert am 29.11.2011

Die Initiative des TCS gegen Stau und für die Umsetzung von sechs Strassenprojekten wurde mit 63 Prozent der Stimmen klar abgelehnt.

Von Ruedi Baumann

Zürich – Obschon gegen die Forderung im Titel der Initiative – «Stau weg» – niemand etwas haben kann, sagten gestern fast zwei Drittel der Stimmbürger Nein. Nur sechs meist kleinere Gemeinden stimmten zu. Am meisten Sympathien hatte das Begehren dort, wo der tägliche Stau auf den Autobahnen am grössten ist: in den Bezirken Dielsdorf (44% Ja) sowie Bülach und Dietikon (je 43%). Das zeigt sich auch bei den Gemeinden. Höri (50,5%), Dänikon (51,7%), Geroldswil (50,4%), Oetwil an der Limmat (51,6%), Dällikon (49,9%) oder Unterengstringen (49,8%) sind alles Gemeinden, die vom Stau rund um den Gubrist betroffen sind oder durch die Schleichverkehr rollt.

Im Weinland sowie in den Innenstädten Zürichs und Winterthur betrug die Zustimmung nur und ein Viertel. Auch Gemeinden, die in sicherer Distanz von einer Autobahn umfahren werden (Thalwil, Wädenswil, Richterswil oder Stäfa) stimmten besonders deutlich Nein.

Der Initiative des Touring-Clubs Schweiz (TCS) wurden zwei Dinge zum Verhängnis: Erstens verlangte sie Unmögliches und dies zweitens mit einem untauglichen Instrument. Gemäss Initiative hätten bis 2025 folgende sechs Schlüsselprojekte realisiert werden müssen: Glattal- und Oberlandautobahn, Ausbau der Umfahrung Winterthur auf sechs Spuren sowie Stadttunnel, Waidhaldetunnel und Westast in Zürich. Diese sechs Projekte würden fast so viel kosten wie im Budget des Bundes für das Bauprogramm in der ganzen Schweiz vorgesehen ist.

TCS: Verkehrskollaps droht

Weil der Bund für die Autobahnen bezahlt, musste der TCS das meist wirkungslose Mittel der Standesinitiative wählen. Bei einem Ja hätte der Kanton Zürich einen Brief nach Bern geschrieben, der mit seiner eher masslosen Forderung den Anti-Zürich-Reflex noch verstärkt hätte. Der TCS gab sich gestern enttäuscht, dass der Kanton Zürich den drohenden Verkehrskollaps offenbar akzeptiere. Wichtige Strassenbauprojekte seien vom Bund schon oft auf die lange Bank geschoben worden.

Erstellt: 29.11.2011, 06:35 Uhr