Die Queen erhält keine neue Jacht zum Thronjubiläum
Von Hans Brandt
Diskret haben Mitglieder der britischen Königsfamilie seit Monaten einen nicht ganz bescheidenen Wunsch geäussert: Sie hätten gerne eine neue königliche Jacht. Wie wäre es, wenn man der Königin zu ihrem 60. Thronjubiläum ein solch grosszügiges Geschenk machen würde? Die Thronbesteigung jährt sich am 6. Februar, gefeiert wird aber erst im Juni, wenn das Wetter besser ist.
Unterstützt wurde der Gedanke von zwei Mitgliedern der Regierung: von Bildungsminister Michael Grove, einem leidenschaftlichen Royalisten, und vom Staatsminister für höhere Bildung, David Willetts. In Briefen an Premierminister David Cameron setzten sich die beiden Ende letzten Jahres für das Projekt ein.Mit der Diskretion ist es seit dem Wochenende vorbei. Die Zeitung «The Guardian» veröffentlichte den Brief von Grove an den Premierminister – und löste weit verbreitetes Unverständnis aus. Mindestens 60 Millionen Pfund (etwa 90 Millionen Franken) würde ein solches Luxusgefährt kosten – in Zeiten wirtschaftlicher Nöte selbst für eine Regierung der Konservativen eine undenkbare Ausgabe. So eilte gestern ein Sprecher von Cameron an die Öffentlichkeit mit der Beteuerung, dass Steuergelder für eine Jacht der Königin nicht zur Verfügung stünden.
Die letzte königliche Jacht, die Britannia, war 1997 von einer Labour-Regierung ausser Dienst gestellt worden. Damals soll sogar die Queen, die öffentliche Gefühlsausdrücke strikt ablehnt, eine Träne vergossen haben. Aber die Wartung des Schiffes und Bezahlung der Crew waren zu teuer geworden.
300 000 Besucher
Seitdem fristet die Britannia als Touristenattraktion im Hafen von Edinburgh ihr Dasein. Nach einer Million Meilen durch die Weltmeere und 600 Häfen in 135 Ländern mag das unwürdig erscheinen. Doch immerhin kommen jährlich fast 300 000 Besucher. Derzeit wird die Britannia, rechtzeitig zum Jubiläum, im Trockendock aufgefrischt.
Ganz ohne Schiff müssen die Royals bei den Feierlichkeiten auf der Themse im Juni dennoch nicht auskommen. Ein Touristenboot, die Spirit of Chartwell, wird derzeit als königliches Transportmittel ausstaffiert. Aber, man muss es zugeben, das ist kein Vergleich zu einer echten Hochseejacht.
Die ausgemusterte Britannia liegt derzeit im Trockendock. Foto: Getty
Erstellt: 17.01.2012, 06:35 Uhr
