Die Angst vor der Atom-Pforte
Von Florian Schaer
Glattfelden/Weiach – «Absolut unverständlich» sei die Vorgehensweise der Nagra, klagt der Gemeinderat von Glattfelden in einer Stellungnahme. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hatte vergangene Woche 20 Areale präsentiert, die in der Schweiz für eine sogenannte Oberflächenanlage infrage kommen.
Diese Pforte zum möglichen Tiefenlager Lägern-Nord könnte demnach auch in Weiach oder Glattfelden zu stehen kommen. «Die Bekanntgabe von möglichen Standorten für die Oberflächenstruktur, bevor überhaupt feststeht, wo das Endlager entstehen soll, führt bei der Bevölkerung zu Ängsten und Unsicherheiten», schreibt die Behörde.
«Machen wir es wie Eglisau!»
Doch genau diese Vorabdebatte gehört zur Idee einer breit abgestützten Standortsuche. Alle sechs möglichen Standortregionen sollten sich mit der Frage der Oberflächenanlagen auseinandersetzen, sagte Simone Brander. Die Expertin des Bundesamtes für Energie stand 80 Weiachern anlässlich des Informationsabends am Donnerstag Rede und Antwort. Neben der Angst vor Verstrahlung sind die Gefährdung des nahen Grundwasserreservoirs und der Imageverlust des Dorfes die zentralen Befürchtungen der Einwohner. Eine Votantin brachte die Strategie vieler Weiacher am besten auf den Punkt: «Nehmen wir uns doch ein Beispiel an Eglisau», appellierte sie. «Die haben auch lange genug reklamiert – und müssen ihr Asyldurchgangszentrum jetzt nicht bauen.»
Für das Endlager selber sind nach wie vor sechs Standortregionen im Rennen. Bevölkerung, Behörden und Experten der jeweiligen Gegend sind in den sogenannten Regionalkonferenzen vertreten. Darin Einsitz hat auch der Weiacher Daniel Elsener. «Am Anfang hatte ich auch Angst vor dem möglichen Endlager», sagte er. «Inzwischen habe ich mich tiefer mit dem Thema befasst und kann Ihnen sagen: Es ist halb so schlimm. Es ist weniger gefährlich, hier ein Lager zu bauen, als ein Atomkraftwerk.»
Sicherheit steht über allem
Auch Weiachs Gemeindepräsident Paul Willi sitzt in der Regionalkonferenz Nördlich Lägern – und bemühte sich redlich, die Weiacher zu beschwichtigen. «Zuoberst auf der Kriterienliste steht immer die Sicherheit», sagte er. Darüber hinaus gäbe es Faktoren, die für oder gegen den Standort sprächen. «Wir haben ein grosses Grundwasserreservoir, dafür aber auch eine bestehende Bahnlinie.» Nur einfach revoltieren bringe nichts. «Stellen Sie sich einmal vor, man würde am Ende das Tiefenlager am drittsichersten Standort bauen, nur weil dort das Dorf weniger laut geschrien hat, das ist völlig undenkbar.» Wie viel eine Gemeinde finanziell von der Oberflächenanlage profitiert, weiss Willi nicht.
Informationsanlässe mit Fachkräften des Bundes für das Gebiet Nördlich Lägern: Dienstag, 28. Februar, in Weiach und Dienstag, 6. März, in Glattfelden.
Erstellt: 31.01.2012, 06:37 Uhr
